Bankenpräsident Andreas Schmitz: "Im Kern gesund"

Bankenpräsident Andreas Schmitz: "Im Kern gesund"

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Bankenpräsident Andreas Schmitz

von Cornelius Welp

Bankenpräsident Andreas Schmitz hält Griechenland für zahlungsunfähig und fordert, dass Kreditinstitute ihre Staatsanleihen künftig mit Eigenkapital unterlegen müssen.

WirtschaftsWoche: Herr Schmitz, warum sind Sie gegen eine Rekapitalisierung der Banken?

Schmitz: Weil das von den Ursachen der Krise ablenkt. Einige Staaten haben sich finanziell übernommen. Aber statt konsequent gegenzusteuern und endlich zu sparen, versucht die Politik, die staatliche Schuldenkrise zu einer Bankenkrise umzudeuten. Die will sie heilen, indem Banken zur Not zwangsweise staatliches Kapital erhalten, damit sie den Ausfall staatlicher Schuldner verkraften. Es ist ein gefährlicher Irrglaube, dass dann Ruhe herrscht. Im Gegenteil: Die Krise dürfte an Fahrt zunehmen, weil die Verschuldung der Staaten weiter steigt. Zwangsrekapitalisierungen lösen die politische Vertrauenskrise nicht.

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Die Kurse von Bankaktien sind abgestürzt, das Vertrauen zwischen den Instituten ist gesunken. Das sind Symptome einer Bankenkrise.

Investoren vertrauen europäischen Regierungen als Schuldner nicht mehr. Bei der Lage der Banken müssen wir differenzieren. Das deutsche Bankensystem ist im Kern gesund. In anderen Ländern mag das anders aussehen, aber auch da sollten sich die Regierungen auf Problemfälle konzentrieren. Da die sich über den Markt kaum Kapital besorgen können, bleiben staatliche Hilfen. Alle Banken arbeiten daran, ihre Kapitalbasis zu stärken, wie es Regulierungsvorschriften langfristig verlangen. Das über den Haufen zu werfen und die Ziele sofort einzufordern führt dazu, dass fast alle an die staatliche Tränke müssten. Das kann nicht das Ziel sein.

Die langfristigen Aussichten haben die Märkte ebenso wenig überzeugt wie der Stresstest im Sommer. Hier müssen höhere Abschläge auf Staatsanleihen her.

Wenn die Tests so ausgestaltet würden, sollten die Annahmen aber nicht unrealistisch sein. Die Kurse von Anleihen von Ländern wie etwa Portugal oder Irland notieren auf dem Niveau manch afrikanischer Staaten. Wenn man die nach aktuellen Marktwerten bilanzieren müsste, ergäbe das ein total verzerrtes Bild. Am Markt gibt es negative Abschläge, weil die Politik nicht einmal das verhältnismäßig überschaubare Thema Griechenland überzeugend angeht und so das Vertrauen in ihre Handlungsfähigkeit erschüttert. Zudem sollte die Risikotragfähigkeit der Banken nach dem gültigen Eigenkapitalbegriff erfolgen und nicht die Anforderungen von Basel III vorwegnehmen, die erst ab 2019 in voller Höhe gelten.

Vom aktuellen Krisenmanagement haben Sie offenbar keine hohe Meinung.

Statt beherrschtes und vernünftiges Agieren herrscht kurzfristige Beliebigkeit. Griechenland kann seine aktuellen Schulden über Generationen nicht zurückzahlen. Das ist eine Tatsache, die sich nicht mehr ignorieren lässt.

Seit der Ankündigung der Rekapitalisierung entspannen sich die Märkte.

Das würden sie auch erreichen, ohne alle Institute mit unrealistisch hohen Anforderungen in die Arme des Staates zu treiben. Wo soll das enden? Es wird immer Berechnungen geben, nach denen das Risiko der Banken zu hoch und mehr Kapital erforderlich ist.

Banken müssen Staatsanleihen nicht mit Eigenkapital unterlegen. Ein Fehler?

Die aktuelle Situation zeigt, dass die sogenannte Nullanrechnung die Wirklichkeit nicht sauber widerspiegelt. Das zu ändern geht nicht von heute auf morgen und erst recht nicht rückwirkend. Aber das Thema packt die Politik nicht an, weil es sie selbst betrifft.

Sollten private Investoren sich stärker an der Umschuldung Griechenlands beteiligen?

Wir haben uns mühevoll darauf geeinigt, letztlich auf 21 Prozent der Forderungen zu verzichten. Zu der Vereinbarung stehen Banken, Versicherer und Pensionsfonds. Aber bevor das umgesetzt ist, wird es infrage gestellt und ein Nachschlag verlangt. Wenn es nur um Griechenland ginge, wäre eine stärkere Beteiligung machbar. Aber die Politik verunsichert auch Investoren in Anleihen anderer europäischer Staaten. Die glauben, dass ihnen Ähnliches droht.

Ist das Geld deutscher Sparer sicher?

Ja, selbstverständlich.

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