_

Bankenrettung und Boni: Die Hypo Real Estate ist ein Fass ohne Boden

von Cornelius Welp

Die Hypo Real Estate zahlt ihren Managern Millionen, braucht selbst aber immer neue Milliarden. Ein Ende der Stützungsaktionen ist nicht absehbar.

Die Zentrale der Hypo Real Quelle: dapd
Die Zentrale der Hypo Real Estate Holding AG und der dbb (Deutsche Pfandbriefbank) in München Quelle: dapd

Die Nachricht überraschte selbst die Aufseher. Am vorvergangenen Freitag meldete der staatliche Rettungsfonds Soffin, dass die Münchner Hypo Real Estate erneut Garantien von 40 Milliarden Euro benötigt. Erst am Samstag klärte Finanzstaatssekretär Steffen Kampeter dann jene Abgeordneten des Bundestags persönlich auf, die als Kontrollgremium über die Ausgaben für die Bankenrettung wachen.

Anzeige

Nicht nur sie sind seitdem schwer verstimmt. Der Soffin garantiert Verbindlichkeiten des 2009 verstaatlichten Immobilien- und Staatsfinanzierers inzwischen mit der gigantischen Summe von 142 Milliarden Euro. Hinzu kommen knapp acht Milliarden Euro Kapitalhilfe. Bisher. In Finanzkreisen scheint klar, dass demnächst noch einmal zwei Milliarden Euro hinzukommen. Für zusätzliche Aufregung sorgt nun auch noch, dass die Bank ihren Managern Boni in Höhe von 25 Millionen Euro zahlt. Die wären sonst nicht zu halten gewesen und das Debakel hätte sich noch vergrößert, heißt es.

Die HRE ist die größte Hypothek, die die Finanzkrise Deutschland beschert hat. Dabei hatte ihre Chefin Manuela Better nur zwei Tage vor der neuerlichen Rettung Hoffnungen auf bessere Zeiten geweckt. Auf einer Konferenz des „Handelsblatts“ hatte sie die vorzeitige Rückkehr in die Gewinnzone in Aussicht gestellt. Dabei war der erneute Garantiebedarf im Finanzministerium schon länger bekannt. Darüber aber verlor Better kein Wort.

Die Verstaatlichung der Bank hat nicht für Ruhe gesorgt. Gegen den Widerstand vor allem des einstigen Großaktionärs Christopher Flowers hatte der Soffin die Bank im Herbst 2009 komplett übernommen. Für das Vorgehen gab es zwei Hauptargumente. Aktionäre sollten die Umbauarbeiten nicht durch Klagen stören. Mit dem Staat als Eigentümer sollten zudem die Refinanzierungskosten sinken.

Hoffnungen enttäuscht

Zumindest der Umbau der Bank schreitet voran. Schon bald will die HRE Altlasten im Wert von 180 Milliarden Euro in eine Abwicklungsanstalt abspalten. Dadurch reduziert sich die Bilanzsumme um knapp die Hälfte. Allein für diese Transaktion werden 20 Milliarden Euro der zusätzlichen Garantien benötigt. Die verbleibende Kernbank soll dann in absehbarer Zeit wieder profitabel wirtschaften.

Die zweite Hoffnung hat sich  nicht erfüllt. Die Einstufungen der Ratingagenturen haben sich seit der Verstaatlichung nicht verändert. Ohne Garantien des Soffin bekommt die HRE auf dem Finanzmarkt nach wie vor kein Geld. Nach Informationen aus Finanzkreisen liegt das daran, dass die EU-Wettbewerbskommission die staatliche Rettung noch nicht erlaubt hat. Brüssel, so heißt es, soll die Zukunftsfähigkeit auch der künftigen Kernbank bezweifeln. Die jedoch ist Voraussetzung für die Genehmigung der Staatsstütze.

Es gibt noch mehr beunruhigende Signale. Im März schmiss Vorstandschef Axel Wieandt nach Differenzen mit dem Soffin überraschend hin. Als einziges deutsches Institut ist die HRE im Sommer durch den europäischen Bankenstresstest gefallen. Und die Bilanz des Soffin für das Jahr 2009 wurde ausschließlich von der HRE ruiniert. Der Rettungsfonds musste den Wert der Bank um 4,8 Milliarden Euro nach unten korrigieren.

Der offizielle Plan sieht vor, dass der Staat die sanierte HRE unter dem Namen Deutsche Pfandbriefbank in vier bis fünf Jahren verkauft oder an die Börse bringt. Die Zweifel daran werden immer größer. In Bankenkreisen gilt es als nahezu sicher, dass die Rettung ein schlechtes Geschäft wird. Politiker wie der Grünen-Hauhaltsexperte Alexander Bonde sehen in der Bank bereits ein „Fass ohne Boden“. Der damalige Finanzminister Peer Steinbrück hatte bereits unmittelbar nach der ersten Rettung eine „geordnete Abwicklung“ als einzige Zukunftsperspektive für die HRE genannt. Er könnte recht behalten.

8 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 21.09.2010, 11:25 UhrAnonymer Benutzer: Markus

    Steinbrück hatte damals schon recht, das es nur eine geordnete Abwicklung geben kann.
    Die HRE ist fertig und zwar auf alle Ewigkeit, die bank kann und wird niemals wieder eigenständig überleben, dazu ist der Ruf zu sehr ramponiert und die Ratings sind viel zu schlecht.

    Wenn es überhaupt noch etwas profitables geben sollte, dann vielleicht das Pfandbriefgeschäft, aber den Rest kann man geschlossen wegschmeißen!

    Ein Wort noch zu Frau better: Diese Person ist ja wohl mit Herrn Funke zusammen die unqualifizierteste Person welche man jemals dorthin gesetzt hat!
    Als Risikochefin hat sie in der Vergangenheit mehr als nur versagt, und dann überträgt man ihr als belohnung auch noch den Vorsitz im Vorstand!

    Wieandt hat schon gewusst, warum er einen Abgang gemacht hat...

  • 21.09.2010, 10:59 UhrAnonymer Benutzer: EUMEL

    Ungeheuerlich, was sich das Finanzministerium mit der Gewährung der boni leistet. Überversorgte beamte die ein Gesetz schaffen, welches erst Ende des Monats greift(hoffentlich). Da hat man noch schnell die Schäfchen ins trockene gebracht

  • 21.09.2010, 10:16 UhrAnonymer Benutzer: RDA

    @Hägar Schmidt: ich muss ihnen widersprechen. DAs Problem ist nicht ein starker Staat mit hohen Einnahmen. Sondern eher das Staatsverständnis, was mit diesen Einnahmen passieren soll: Soll der Staat eine gute infrastruktur, ein hohes bildungsniveau und gute Dienste der Daseinsvorsorge inklusive Sozialsystem bereitstellen (Dänemark, Schweden) oder soll er das Geld lieber in gezielte Steuersenkungen für Großindustrie, Kapitaleinnahmen und Gutverdiener sowie Hilfsdonds für "systemwichtige" banken stecken (eher USA, Gb)? Auch die in den 90ern propagierte Privatisierung hat sich vielfach als Rohrkrepierer erwiesen: PPP-Modelle sind auf lange Sicht teurer für den Staat, weil er die Kosten trägt. Die Erträge wandern jedoch in Holdings auf den Kanalinseln. Die bundesdruckerei ist von Apax vorsätzlich überschuldet worden und musste für teures Geld zurückgekauft werden - die Schulden von Apax inklusive.
    Allerdings - der Staat hat auch Hausaufgaben zu machen: Das Arbeitsrecht im öffentlichen Dienst, insbesondere das beamtenrecht, müssen dringend modernisiert werden. Es muss mehr für Leistung und weniger für reine Anwesenheit, Altern und Kranksein entlohnt werden. Politiker und beamte müssen stärker für nachweisliches Fehlverhalten zu Lasten des Staates herangezogen werden.

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Wie HP-Chefin Whitman ihren Mitarbeiter die anstehenden Massenentlassungen erläutert
Wie HP-Chefin Whitman ihren Mitarbeiter die anstehenden Massenentlassungen erläutert

In einer internen Videobotschaft an die HP-Beschäftigten gibt Meg Whitman mehr Details zu dem geplanten Abbau von 27.000...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.