Dass die Ludwigshafener besser der Konjunkturflaute trotzen und ihren Gewinn 2002 um ein Viertel auf 2,88 Milliarden Euro steigern konnten, liegt auch an Strubes rechtzeitiger Notbremse. Bereits im Sommer 2001 legte er ein drastisches Sparpaket auf. Der Abbau von 4000 Jobs und die Schließung unrentabler Anlagen brachten im vergangenen Jahr Einsparungen in Höhe von 700 Millionen Euro; 2003 sollen es weitere 300 Millionen Euro sein. Damit nicht genug: Im größten BASF-Chemiewerk Ludwigshafen sollen bis Ende 2004 zusätzlich 450 Millionen Euro eingespart werden. „Es weht ein neuer Wind bei uns“, sagt Gesamtbetriebsratsvorsitzender Robert Oswald, „aber nur so können wir die Zukunft des Standortes sichern.“ "Mister Verbund" Dem künftigen BASF-Chef Hambrecht kann nur recht sein, dass die harten Schnitte noch von seinem Vorgänger eingeleitet wurden. Der 56-jährige Manager reist derzeit quer durch das weltweite BASF-Reich, um sich vor Ort zu informieren. Seit 27 Jahren ist der Chemiker im Konzern; alle wichtigen Geschäftsbereiche mit Ausnahme des Pflanzenschutzes kennt „Mister Verbund“ (Strube über Hambrecht) aus Erfahrung. Und so weiß der Aniliner, wo seine wichtigsten Aufgaben für die Zukunft liegen. Zunächst muss der vierfache Familienvater beobachten, welche Folgen der aktuelle Irakkrieg auf das BASF-Geschäft hat und ob er eventuell mit neuen Sparprogrammen gegensteuern muss. Mittelfristig muss Hambrecht den Multi noch konjunkturrobuster machen. Strubes Dauerziel war es, das wenig konjunkturabhängige Geschäft von heute 50 auf 60 Prozent auszubauen – was ihm nicht gelang. Dazu muss der Hobbyjogger vor allem das Pflanzenschutzgeschäft, wo BASF heute auf dem fünften Platz liegt, stärken. Doch vor weiteren Zukäufen sollte Hambrecht erst die Schwachstellen beim Verkauf von Düngemitteln und Insektenvernichtern ausräumen. Die Sparte kämpft mit Umsatz- und Gewinnrückgang. Zudem ist die Integration der im Jahre 2000 gekauften US-Firma Cyanamid noch nicht abgeschlossen. Analysten bemängeln die ungünstige Kostenstruktur im Vergleich zu den Branchenführern Syngenta und Bayer. Expansion in Asien Doch als seine „größte Aufgabe“ betrachtet Hambrecht den Ausbau des BASF-Geschäftes in Asien. Experten gehen davon aus, dass der Chemiemarkt in Asien bis 2010 die Größe des europäischen Marktes erreichen wird. Der Chinakenner, der von 1995 bis 1999 von Hongkong aus die Region betreute, will bis dahin 20 Prozent des Umsatzes in Asien erwirtschaften. Heute liegt der Anteil bei rund 15 Prozent. BASF ist der größte westliche Chemieinvestor in Asien und investiert 2,6 Milliarden Euro in China, Singapur, Malaysia, Japan und Südkorea. Die Gesamtinvestitionssumme mit den Joint-Venture-Partnern beläuft sich auf 4,5 Milliarden Euro. Mit Hambrecht als sechstem Vorstandsvorsitzenden in der Nachkriegsgeschichte setzt BASF ganz auf Kontinuität: „Hambrecht ist nicht der Typ, der in Felder geht, von denen er nichts versteht“, sagt ein Aufsichtsratsmitglied. Doch eines wird sich mit Sicherheit ändern: der Führungsstil an der BASF-Spitze. Während Strube sich distinguiert und distanziert gibt, gilt Hambrecht als hemdsärmelig und Freund deutlicher Worte. „Der eine ist Bochumer, der andere Schwabe“, meint Betriebsrat Oswald, „das sind ganz andere Mentalitäten.“ Eine Geschichte aus der WirtschaftsWoche 14/2003.
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