Der 39-jährige gebürtige Israeli Agassi hat hehre Pläne: Mit einem Netz von Wartungsstationen für Elektroautos, bei denen leere Antriebs-Batterien gegen volle getauscht werden können, will er rein elektrisch betriebenen Fahrzeugen weltweit zum Durchbruch verhelfen. Der Clou dabei: Die Batterien für Elektroautos sollen so standardisiert werden, dass sie in Fahrzeugen unterschiedlicher Hersteller eingesetzt werden können. „Wenn ich damit recht behalte, wird das die größte Verschiebung von Kapital in der Geschichte des Kapitalismus“, sagte Agassi gestern anlässlich der Präsentation seiner Pläne. Dabei kann er auf prominente Geldgeber zählen: Zu seinen Investoren zählen die amerikanische Spirituosen-Dynastie Bronfman und Ex-Weltbank-Chef James Wolfensohn. Die Investmentbank Morgan Stanley und der amerikanische Wagnisfinanzierer Vantage Point sind ebenfalls an Bord. Größter Geldgeber ist die israelische Holding Israel Corporation, die Beteiligungen an Ölraffinerien, Chemie- und Schifffahrtunternehmen besitzt. Der Chef der Israel Corp., Idan Ofer, wird Aufsichtratsvorsitzender von Better Place, Agassi fungiert als Vorstandsvorsitzender. Batterien-Tausch statt Tanken Agassis Überlegung ist simpel, bedeutet aber für die Autokonzerne ein enormes Umdenken: Agassi betrachtet die Akkus von Elektrofahrzeugen als handelbares Gut – und nicht als integralen Bestandteil der Fahrzeuge. „Die bisherigen Überlegungen waren immer, dass die Batterie Teil des Autos ist“, sagte Agassi dem „Wall Street Journal“. „In Wirklichkeit ist die Batterie allerdings der neue Treibstoff.“ Deshalb will Agassi mit seiner Firma ein Netz von Servicestationen für die Batterien von Elektroautos aufziehen. Sie sollen ähnlich wie Tankstellen funktionieren. Nur werden in Agassis Stationen die Batterien nicht nur geladen. Aus Zeitgründen werden leere Elektroauto-Batterien mit wenigen Handgriffen gegen voll geladene Akkus ausgetauscht. Kunden von Better Place zahlen eine monatliche Gebühr dafür, dass sie Agassis Servicestationen anfahren können. Der Tausch der Batterien dauert ungefähr so lange wie eine herkömmliche Tankfüllung. Damit lassen sich auch mit Elektroautos größere Distanzen problemlos bewältigen. Agassi will eine Software entwickeln, die die Ladestationen untereinander vernetzt und so deutlich sparsamer macht. Damit will Agassi die Treibstoff-Kosten pro Kilometer auf 4,4 US-Cent drücken. Das wäre nur rund ein Drittel der Kosten, die derzeit für den Betrieb mit herkömmlichem Treibstoff anfallen. Elektroautos sollen deutlich billiger werden Agassis Unternehmen fungiert als Käufer und Besitzer der Elektroauto-Batterien. Kooperationen mit mehreren Autokonzernen sollen sicherstellen, dass Agassis Batterien in Fahrzeugen unterschiedlicher Hersteller zum Einsatz kommen können. Für potenzielle Elektroauto-Käufer hat Agassis Überlegung einen entscheidenden Vorteil: Elektroauto-Batterien sind für die Fahrzeug-Hersteller besonders kostspielig. Werden Elektroautos künftig ohne eingebauten Akku verkauft, sinkt der Preis für die Fahrzeuge beträchtlich. Erprobung startet nächstes Jahr Agassi will zunächst einen Testlauf mit einem Netz von Better-Place-Stationen in ausgesuchten Ländern absolvieren. Erste Vereinbarungen mit Testmärkten hat Agassi laut Eigenangaben bereits abgeschlossen, die Namen der beteiligten Autokonzerne und Regierungen hält er aber noch unter Verschluss. Die Erprobungsphase für sein Geschäftsmodell soll bereits im nächsten Jahr starten. Besonders geeignet sind seine Ideen wohl für europäische Metropolen wie London oder Paris – oder auch für dicht besiedelte Staaten wie Singapur. Allerdings gab selbst Agassi zu, dass die Umsetzung seiner Idee noch Jahre dauern und Milliardeninvestitionen verschlingen könnte. Analysten zollen Agassi vorsichtig Lob: „Als ich zum ersten Mal davon hörte, dachte ich, dass das schon wieder so eine verrückte Idee sei“, sagte der Autoindustrie-Experte Stephen Girsky der US-Zeitschrift „Business Week“. „Dann habe ich noch mal genau hingehört, und die ganze Sache könnte durchaus Sinn ergeben“. Allerdings wird der Umstieg nicht gerade einfach sein. In der Autoindustrie dauern Veränderungen oft sehr lange, gab Girsky zu bedenken. Umdenken in der Autoindustrie Immerhin könnte Agassi zugute kommen, dass in der Autoindustrie gerade das große Umdenken einsetzt: Die Vorgaben für den CO2-Ausstoß der Fahrzeuge werden weltweit immer schärfer. Große Autohersteller wie Toyota setzen auf Hybrid-Antriebe, die Elektro- und Benzinmotoren in einem Auto vereinen. Ob sich Agassis deutlich radikalere Idee bei den Herstellern durchsetzt, ist also noch unsicher. Am Unternehmergeist von Agassi wird es allerdings kaum scheitern: Im Jahr 1992 gründete er in Israel die Softwarefirma Top Tier. Als er sie 2001 an SAP verkaufte, zog er auch gleich in den SAP-Vorstand ein. Das Handtuch warf er erst, als abzusehen war, das SAP-Chef Kagermann noch länger im Sattel bleiben würde. Zur Präsentation seines neuen Unternehmens übte sich Agassi schon mal in salbungsvollen Worten „Wir haben eine historische Schwelle erreicht, an der Elektrobatterien zur eine billigere Alternative für Konsumenten werden“, sagte Agassi. „In Verbindung mit dem richtigen Geschäftsmodell ermöglicht die bereits vorhandene Technologie eine sofortige Lösung und kann die CO2-Emissionen erheblich senken.“
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