Baubranche: Hochtief ist Opfer des eigenen Erfolgs

Baubranche: Hochtief ist Opfer des eigenen Erfolgs

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Florentino Perez

2009 krallte sich der spanische Bauunternehmer und Real-Madrid-Präsident Florentino Pérez den portugiesischen Fußballstar Ronaldo, ein Jahr später nun den deutschen Bau-Primus Hochtief. Den iberischen Krösus reizt vor allem das starke Auslandsgeschäft des Essener Konzerns.

In Sachen Fußball kann Herbert Lütkestratkötter nicht auf Augenhöhe reden mit Florentino Pérez. Am Hochtief-Firmensitz spielt der wichtigste Verein und frühere Deutsche Meister Rot-Weiss-Essen heute gerade mal fünftklassig in der NRW-Liga. Doch wenn der Hochtief-Chef mit seinem seit 2007 größten Einzelaktionär übers Geschäft spricht, darf der gebürtige Westfale selbstbewusst auftreten: Hochtief hat das, was Pérez fehlt: ein wirklich starkes Auslandsgeschäft. Beide Unternehmen – Hochtief und die Actividades de Construccion y Servicios (ACS), an der Perez 11 Prozent reichen, um Regie zu führen – kämpfen seit Jahren mit schwachen Heimatmärkten.

Hochtief hat die Konsequenzen längst gezogen und durch überwiegend geschickte Zukäufe den Auslandsanteil auf gut 85 Prozent der Bauleistung gesteigert. Der nach Selbsteinschätzung „internationalste Baudienstleister der Welt“ dominiert in Australien und in den USA mit seiner Tochter Leighton die Märkte und ist dank Leighton auch in Asien ein Schwergewicht. Die starken US-Töchter Turner und Flatiron tragen ebenfalls dazu bei, dass Hochtief heute neun von zehn Aufträgen aus dem Ausland bekommt und 55 000 Mitarbeiter außerhalb, aber nur 11 000 innerhalb Deutschlands beschäftigt. 2009 schaffte es deshalb Dr. Lü, wie er in Essen genannt wird, trotz Krise den Konzerngewinn um ein Viertel zu steigern auf gut 195 Milllionen Euro.

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ACS hingegen macht noch rund drei Viertel des Geschäfts innerhalb der der eigenen Landesgrenzen. Das Platzen der Immobilienblase auf der iberischen Halbinsel und der anhaltende Preisdruck lassen kaum Umsatzzuwächse erwarten. Jetzt geht der Real-Präsident den einfachen Weg und versucht sein Versäumnis auf einen Schlag zu beseitigen: Indem er mit Hochtief und den attraktiven Hochtief-Töchtern den Fuß in die Türen der wichtigsten globalen Märkte  bekommt. „Den Auslandsanteil von ACS bis 2012 auf über 50 Prozent zu steigern, ist für Pérez ein sehr wichtiges strategisches Ziel, das er mit der Hochtief-Übernahme realisieren kann“, sagt Bau-Analyst Marc Gabriel vom Bankhaus Lampe.

Umstrittener Strippenzieher

Ähnlich sieht das Alfonso Gutierrez, Präsident des spanischen Bau-Branchenverbandes AECMA - Asociación Española de Construction Management: Für ACS sei Hochtief vor allem wegen seiner starken Präsenz in Osteuropa interessant, wo die Spanier wachsen wollen, "auch weil hier zukünftig die europäischen Infrastrukturhilfen hinfließen werden, von denen der Konzern bereits in der Heimat profitiert hat".

Pérez ist ein genialer Strippenzieher, der seine unterschiedlichen Funktionen virtuos nutzt. 2001 etwa verschaffte er Real Madrid 480 Millionen Euro, indem er ein vereinseigenes Grundstück mit hohem Gewinn verkaufte – angeblich dank guter Beziehungen zur Madrider Stadtregierung, die die Liegenschaft zu Bauland erklärt hatte. Pérez baute in den Siebzigerjahren für die Regierung Straßen und war für die Umwelt- und Bauverwaltung der Hauptstadt zuständig. Er selbst bestreitet alle Interessenkollisionen. Die EU-Kommission, die den Fall untersuchte, konnte ihm nichts nachweisen. Ein schlechter Nachgeschmack blieb: ACS gehört zu den Firmen, die das Real-Gelände später bebauten.

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