Baugeschäft: Hochtief plant große Zukäufe in Kanada und Indien

Baugeschäft: Hochtief plant große Zukäufe in Kanada und Indien

von Stephanie Heise und Harald Schumacher

Der Essener Konzern Hochtief will im Gegensatz zum stark dienstleistungsorientierten Konkurrenten Bilfinger Berger wieder stärker ins konjunkturabhängigere Baugeschäft investieren und plant große Übernahmen im Ausland.

"Wir kaufen in Kürze an der Westküste Kanadas ein Hochbauunternehmen mit einem Umsatz von deutlich mehr als 100 Millionen Euro. Zudem prüfen wir in Indien die Übernahme einer Ingenieurbaugesellschaft – ebenfalls ein Zukauf in dreistelliger Millionenhöhe", sagte Hochtief-Chef Frank Stieler der WirtschaftsWoche. "Wir sind in der Lage, mit Bauen sehr anständige Renditen zu erwirtschaften."

Die drohende weltweite Rezession fürchtet Stieler nicht: "Wir haben keine Angst vor der Krise", sagt der seit Mai amtierende Hochtief-Chef. "Wir sind weltweit gut aufgestellt, und es ist uns gelungen, Hochtief durch weniger konjunktursensible Geschäftsfelder abzusichern." Zum deutschen Baugeschäft von Hochtief sagte Stieler: "Wir nähern uns der Drei-Prozent-Umsatzrendite, was für den deutschen Markt sehr erfreulich ist: Der Branchendurchschnitt liegt bei den größeren Bauunternehmen bei etwa 1,8 Prozent." Stieler rechnet auf dem Heimatmarkt wieder mit Wachstum beim Bau: "Durch die unvermeidlichen Investitionen in den Erhalt und die Erneuerung der Verkehrsinfrastruktur – etwa maroder Brücken aus den Siebzigerjahren – könnte unser Baugeschäft in Deutschland insgesamt wieder wachsen. Dazu wird auch die Energiewende beitragen, die unabhängig von jeder Krise kommen wird." Hochtief wolle verstärkt profitieren von Bauprojekten im Zusammenhang mit Erzeugung, Transport und Speicherung von Strom.

Anzeige

Stieler pocht auf Eigenständigkeit von Hochtief

Der deutsche Bauriese Hochtief pocht weiterhin auf Eigenständigkeit. Obwohl der spanische Großaktionär ACS das Unternehmen vor fünf Monaten übernommen hat, inzwischen 46,7 Prozent der Aktien hält, 51 Prozent der Stimmrechte besitzt und in den kommenden Monaten die Schwelle von 50 Prozent der Aktien überschreiten wird, gibt es bislang keine Pläne, Hochtief stärker in den ACS-Konzern zu integrieren: "Das Verhältnis ist dadurch geprägt, dass Hochtief eine eigene Aktiengesellschaft ist und ACS das auch sehr bewusst ist. Deren Interesse ist, mit ihrer Beteiligung an Hochtief Geld zu verdienen, und nicht, sich in irgendein Geschäft einzumischen, das sie eh aus der Ferne schwer übersehen können", betonte Hochtief-Chef Frank Stieler im Interview mit der WirtschaftsWoche. ACS wolle, dass Hochtief selbstständig und profitabel am Markt agiere. "Und das kann Hochtief nur mit einem starken, unabhängigen Management." Synergien ergeben sich, werden laut Stieler aber nicht systematisch geplant: "Da ACS nur knapp 50 Prozent an Hochtief hält, muss jedes Unternehmen aus sich heraus seine Geschäfte führen. Daher ist ein Integrationsprogramm weder möglich noch beabsichtigt. Beide Unternehmen tun das, was für sie sinnvoll ist."

Natürlich bewerbe sich Hochtief weltweit gemeinsam mit ACS um Projekte, so Stieler, aber: "Es gibt keine zentrale Steuerung, sondern es liegt in der Kompetenz der lokal verantwortlichen Manager, mit wem sie Partnerschaften eingehen. Das muss für beide Seiten ein Gewinnn sein." Zurzeit bieten Hochtief und ACS bei einem halben Dutzend Projekten gemeinsam mit ACS bieten oder stehen in Vorbesprechungen, etwa in den USA und im Mittleren Osten, sagte Stieler.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%