Bauindustrie: Wem nützt Roland Koch an der Spitze von Bilfinger Berger?

Bauindustrie: Wem nützt Roland Koch an der Spitze von Bilfinger Berger?

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Roland Koch in einem Bagger

von Martin Seiwert und Harald Schumacher

Unter Roland Koch wurde Hessen zum Vorreiter für Public-Private-Partnership-Projekte. Künftig zieht der ehemalige Ministerpräsident sie für den zweitgrößten deutschen Baukonzern an Land.

Vom Kursrutsch nach der Ernennung Roland Kochs zum künftigen Vorstandschef hat sich die Aktie von Bilfinger Berger zwar erholt. Aber der Koch-Knick spricht Bände: Viele Börsianer trauen dem ehemaligen CDU-Politiker offenbar nicht zu, den nach Hochtief zweitgrößten deutschen Baukonzern zu steuern.

Dabei bringt Hessens Ex-Ministerpräsident Erfahrungen in einem wichtigen Wachstumsfeld Bilfinger Bergers mit: den gemeinsamen Bauprojekten von Staat und Industrie, genannt Public Private Partnership (PPP). Die Industrie übernimmt dabei Bau und Betrieb öffentlicher Einrichtungen. Kommunen, Länder oder Bund zahlen dann über Jahrzehnte für die Nutzung von Straßen oder Schulen.

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Für Bilfinger Berger wird PPP immer wichtiger. Von 2004 bis 2009 erhöhten die Mannheimer die Investitionen in diesem Bereich von 140 Millionen auf 2,1 Milliarden Euro. Der Geschäftsbericht attestiert PPP einen „hohen Stellenwert“ und hofft, „durch die krisenbedingt sprunghaft steigende Staatsverschuldung“ werde „der Druck zunehmen, mehr Projekte in Public Private Partnerships umzusetzen“.

Unter Koch entwickelte sich Hessen neben Nordrhein-Westfalen zum Bundesland mit dem PPP-freundlichsten Klima. Während in Düsseldorf der damalige sozialdemokratische Finanzminister Peer Steinbrück für PPP Breschen schlug, ließ Koch den Finanzminister Karlheinz Weimar und dessen Staatssekretär Walter Arnold das Thema vorantreiben.

Deutsche Bundesländer

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Im Finanzministerium entstand das PPP Kompetenzzentrum Hessen. Koch wirbt in dem 2009 erschienenen Buch „Public Private Partnership in Deutschland“ für die Idee und sieht die öffentliche Hand „in der Verantwortung, PPP zu etablieren“. Herausgeber des Werks: der ehemalige SPD-Chef Rudolf Scharping. Scharping ist heute PPP-Berater.

An Auftragsvergaben war „Koch nie unmittelbar beteiligt“, sagt der ehemalige Bilfinger-Manager Detlef Knop, „aber er hat für PPP in Hessen Spielräume eröffnet“. Bilfinger spielte mit: Von 16 PPP-Hochbau-Vorhaben, die Land, Landkreise und Kommunen in Hessen seit 2002 vergaben, holte sich Bilfinger drei – darunter das bisher viertgrößte in Deutschland, das Justiz- und Verwaltungszentrum in Wiesbaden für rund 128 Millionen Euro.

Am Anfang aber stand das Parkhaus am Luisenplatz in Wiesbaden: 1984 eröffneten es Stadt und Baukonzern als erstes deutsches PPP-Projekt überhaupt. Die Idee zu dem Finanzierungsmodell hatte der damalige Wiesbadener Bilfinger-Niederlassungsleiter Knop. Der gilt laut Bilfinger „mittlerweile als PPP-Pionier“.

Konkurrenten schauen Koch auf die Finger

Knop baute seit 1995 Bilfingers heute international agierende PPP-Sparte auf. Seit 2002 organisiert er jährlich in Frankfurt die Jahrestagung Public-Private-Partnership – unter reger Beteiligung von Bilfinger-Top-Managern bis hin zu Vorstandschef Herbert Bodner. Knop wurde einziger Repräsentant eines Unternehmens im Vorstand des Vereins „PPP in Hessen“ – auf Wunsch des Finanzministeriums, erinnert sich der Bilfinger-Rentner, der seit 2007 auf eigene Rechnung arbeitet.

Wird Bilfingers PPP-Geschäft in Hessen dank Koch noch besser laufen? PPP-Pionier Knop widerspricht: „Beziehungen schaden nicht. Aber sie bringen auch keinen einzigen Auftrag“, sagt der 68-Jährige, „alles wird ja nach strengen Regularien europaweit ausgeschrieben.“ Heiko Stiepelmann vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie glaubt dennoch, dass der Bodner-Nachfolger Bilfinger mit seinem Know-how nützen kann: „Koch weiß, wie Verwaltung funktioniert.“

Das kann aber auch ein Nachteil sein: Konkurrenten dürften dem neuen Bilfinger-Chef bei PPP-Aufträgen genau auf die Finger schauen – besonders in Hessen.

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