
Denn Köln dürfte massiv ins Kontor schlagen. Zum einen entstehen zusätzliche Kosten, die die Arge Süd und damit Bilfinger Berger mittragen muss. So lässt der Bauherr KVB die unsachgemäß gebauten Schlitzwände nachrüsten, um dem zu erwartenden Rhein-Hochwasserstand zu halten. Vorsorglich will sie im U-Bahnhof Heumarkt die Röhre Richtung Norden mit einem Schott abdichten – damit bei einem Rhein-Pegelstand von mehr als 8,50 Metern nur die U-Bahn-Baustelle und nicht der Tunnel geflutet werden muss.
Noch gravierender wird die Frage, wer in welchem Umfang Schuld am Einsturz des Stadtarchivs hat. Vereinfacht gesagt: Die Bilfinger-Arge hat das Interesse, den Einsturz auf geologische Überraschungen zurückzuführen, von denen die Baufirmen nichts wissen konnten. Bauherr KVB und Stadt hingegen wären aus dem Schneider, wenn es an den Baufirmen selber lag.
Genau dafür sprechen Erkenntnisse, wonach die Bodenschichten unter der Schlitzwand-Lamelle Nummer elf im Waidmarkt intakt sind. Experten folgern daraus, dass weiter oberhalb das Wasser eingedrungen sein muss, die Erde unter dem Stadtarchiv wegspülte und dadurch das Gebäude und Teile eines angrenzenden Hauses mitsamt zweier Bewohner in die Tiefe riss. Geothermische Untersuchungen führen zu dem Verdacht, dass in der Schlitzwand in rund 25 Meter Tiefe ein Loch sein könnte, mit dem die fatale Unglückskette begann. Bestätigt sich die Theorie vom Schlitzwand-Loch, hätte die Arge – wenn es vor Gericht um Schuld, Sühne und Schadensersatz geht – einen schlechten Stand. Ein Arge-Sprecher hält dagegen, die Schlitzwand-Theorie sei nur eine von einem halben Dutzend Möglichkeiten und werde von anderen Untersuchungsergebnissen widerlegt.
Lädiertes Image
Baustellen-Beobachter behaupten, am Waidmarkt seien überwiegend Mitarbeiter und Maschinen des Arge-Mitglieds Ed- Züblin im Einsatz gewesen. Doch Bilfinger Berger hilft das wenig. Denn in einer Arbeitsgemeinschaft haften die Mitglieder gemeinsam. Im Fall Köln, Los Süd, teilen sich die Mitglieder Risiko und Gewinn je zu einem Drittel: neben Bilfinger Berger sind das Wayss & Freytag, eine Tochter der niederländischen Royal BAM Group, und Ed. Züblin, eine Tochter des österreichischen Strabag-Konzerns.
Für Schäden Dritter im Zusammenhang mit dem U-Bahn-Bau haftet zunächst die von den KVB abgeschlossene Projektversicherung mit bis zu 30 Millionen Euro. Für den Teil des Schadens, den ein Gericht am Ende eines langen juristischen Verfahrens und Gutachterkriegs der Arge zuschreibt, sollen die Haftpflichtversicherungen der einzelnen Unternehmen zahlen. Diskutiert wird derzeit als Folge des Stadtarchiv-Einsturzes über einen Gesamtschaden von rund einer Milliarde Euro. Als absolute Obergrenze sehen Bilfinger-Insider daher einen von dem Konzern zu zahlenden Schaden von 300 Millionen Euro an. Da die Haftpflicht-Deckungsgrenze des Konzern bei einer halben Milliarde Euro oder noch darüber liegen soll, glaubt Bodner keine Rückstellungen bilden zu müssen.
Selbst wenn diese Rechnung aufgeht – völlig unterschätzt hat der Bauingenieur die öffentliche Wahrnehmung des Skandals. „Vieles was die Arge betrifft, wird mit uns identifiziert“, hat er vergangene Woche endlich erkannt.
Irgendetwas muss der Mannheimer Konzern von Anfang an falsch gemacht haben in der Domstadt. Das Klima zwischen KVB und Stadt einerseits und der Arge Süd andererseits soll schon seit Jahren schlecht gewesen sein. Erst mit einem neuen, vor einem Jahr eingesetzten Arge-Süd-Chef habe sich zumindest die Kommunikation verbessert, heißt es in Köln. Als reibungslos gilt hingegen die Zusammenarbeit zwischen dem kommunalen Auftraggeber und der Arge Nord, die das U-Bahn-Teilstück unter dem Hauptbahnhof hindurch baut und an deren Spitze Bilfinger-Berger-Konkurrent Hochtief steht.
Als Bodner überlegte, ob er zur Bürgerversammlung im Gürzenich gehen solle, sagte er einen missverständlichen Satz gegenüber Journalisten: „Ob ich da der Richtige bin, weiß ich nicht.“














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Alle Kommentare lesen11.04.2010, 23:05 UhrAnonymer Benutzer: J.Rosendahl
Der Pfusch am bau ist hausgemacht. Extremes Kostendenken von zu jungen Verantwortlichen hat zu mehr Einsatz von Subunternehmen geführt.Die hohe Zahl von Subs in allen Gewerken ist von einer Hand voll von ,,Kontrolleuren'' nicht zu bewältigen, da die generierte Datenflut für die Abrechnungen nicht mehr beherrscht werden kann. Zahlungen von Teil-Rechnungen werden Verzögerungt, was für kleine Subs Existenz bedrohend ist. Weitere unwahre baumängel behauptungen von Seiten der General Unternehmen führen zu weiteren Zahlungsverzögerungen. Die Schlußrechnungen sind so umfangreich, dass sie bis hin zu 3 Jahren verzögert werden und oft vor Gericht enden. Aufträge sind bei Protesten nicht mehr zu erwarten. Forderungen der Subs gegen die Generalunternehmen werden von Finanzämtern und banken als Sicherheiten nicht anerkannt, wohl aus Kenntnis dieser Praktiken heraus.Für die Generalunternehmen erlaubt die hohe Zahl der Subs keinerlei Planungssicherheit mehr, dies wird aber billigend in Kauf genommen. VOb Vertrags- und Abrechnungsspezialisten gibt es viel zu wenige, sodass selbst größte bauvorhaben auf veralteten Vertragswerken beruhen. Die VOb selber ist so komplex und umfangreich, dass sie nur wenigen Menschen in Deutschland im notwendigen Umfang bekannt ist. Wer soviel Kontrollaufwand selbst ins Leben ruft, aus Kostengründen, ist selber Schuld und muß dadür auch die Konsequenzen tragen. Die ausgebeuteten Subs aber werden so in die Enge getrieben und viele gute jüngere Firmen gehen dabei kaputt. Nicht zu reden von den daraus entstehenden Arbeitsplatz Verlusten oder gar Abwanderung des Fachpersonals. Dieser akute Mangel an ausgebildeten Fachleuten führt dann zum Anheuern von dubiosen Subunternehmen aus aller Herren Länder. Kein Wunder also, wenn Hochtief keinen Fertigstellungstermin verbindlich nennen kann und bei berger-bilfinger geklaut und gefälscht wird.
03.03.2010, 17:17 UhrAnonymer Benutzer: Mäckie Messer
Über den Pfusch am bau bei baustellen der öffentlichen Hand braucht sich doch keiner zu wundern.Wenn bund und Länder nach öffentlichen Ausschreibungen immer nur den billigsten Unternehmer nehmen,kann doch -logischerweise--die bauausführung qualitativ nicht so gut sein,wie die eines renomierten bauunternehmers;denn es muß ,um das billigste Angebot abgeben zu können, an Materialqualität,qualifizerten Arbeitskräften und sorgfältigster bauaufsicht gespart werden.
03.03.2010, 14:10 UhrAnonymer Benutzer: ELIASS
Würden Sie gern über eine brücke fahren, deren bau von biLFiNGER überwacht worden ist?
Würden Sie biLFiNGER beauftragen, den bau ihres Eigenheims zu übernehmen?
Die Verkehrsämter haben den Entwurf eines neuen Warnschildes in Auftrag gegeben:
"Vorsicht, betreten oder befahren auf eigene Gefahr. Dieses Objekt ist von biLFiNGER erbaut"
Das ist die Häme, die sich dieses bauunternehmen künftig von der Öffentlichkeit anhören lassen muß. Hoffentlich ein lehrsames beispiel, für die übrigen bauunternehmen und der bauämter.