Bauindustrie: Wie der Pfusch der Baubranche uns alle gefährdet

Bauindustrie: Wie der Pfusch der Baubranche uns alle gefährdet

Der Skandal um den U-Bahn-Bau in Köln eskaliert. Das Desaster trifft nicht nur Deutschlands zweitgrößten Baukonzern Bilfinger Berger, sondern die Baubranche insgesamt. Pfusch, Materialklau und lasche Kontrollen gehören zum Alltag – und gefährden Leib und Leben.

Die Schilder am Kölner Waidmarkt, wo am 3. März 2009 das Historische Stadtarchiv der Domstadt einstürzte, scheint Herbert Bodner wörtlich zu nehmen. „Achtung Gefahrenbereich“ steht dort zu lesen, „Betreten der Baustelle verboten“.

Bodner, Chef des Mannheimer Baukonzerns Bilfinger Berger, hält Abstand zu dem Schutthaufen in der U-Bahn-Baustelle, wo vor einem Jahr Schätze und Dokumente der Rheinmetropole innerhalb von Sekunden verschwanden und zwei Menschen starben. Nicht ein einziges Mal hat der Top-Manager den Unglücksort seitdem besucht. Persönliche Präsenz – ohne Schuldeingeständnis – wäre machbar und angebracht gewesen, auch wenn noch zu klären ist, ob die von Bilfinger Berger geführte Arbeitsgemeinschaft von Bauunternehmen für den Einsturz verantwortlich oder mitverantwortlich ist.

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Auch wenige Autominuten entfernt, im Kölner Gürzenich-Festsaal, glänzt Bodner durch Abwesenheit. Als Vertreter von Stadt und Kölner Verkehrsbetrieben (KVB) am vergangenen Mittwoch den Zorn der Anwohner auf sich ziehen, weil die Kölner Angst vor den Rissen in ihren Wohnungen und Geschäften im Umfeld der U-Bahn-Baustelle haben, fehlt Bodner ebenfalls. Er habe sich über eine Teilnahme noch „keine Meinung bilden können“, deutete Bodner tags zuvor seine Abstinenz schon an.

Gutachter untersuchen ältere Baustellen

Wegbleiben, Wegducken und Weggucken – was Bodner, im Ehrenamt -Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie – sich seit rund einem Jahr in der Rheinmetropole leistet, wird ihn und seine Branche noch lange verfolgen. Das Aufregerthema Baupfusch ist zu einem Angstthema geworden. Der Fall Bilfinger Berger droht zum Großproblem für die Baubranche insgesamt zu werden. Wenn nicht einmal der Branchenzweite seine Baustellen im Griff hat, wie steht es dann um die ganze Zunft?

Für Experten ist die Antwort klar:„Die Bauwirtschaft muss dringend etwas für Qualitätsmanagement und Rechtstreue tun“, sagt Martin Schlegel, Generalbevollmächtigter der Frankfurter Flughafengesellschaft Fraport und verantwortlich für Milliarden-Aufträge vor allem an die Bauwirtschaft.

Denn Köln ist überall. „Hysterie“ beklagen Bilfinger-Leute. Aber die Frage, ob auch anderswo Menschen um Leib und Leben fürchten müssen, weil auf den Baustellen geschlampt und geklaut und Sicherheit nur vorgegaukelt wird, steht im Raum. Die Düsseldorfer Bezirksregierung hat angekündigt, alle älteren Bilfinger-Bauwerke in mehreren Städten nachträglich prüfen zu lassen. Anzunehmen ist, dass technische Aufsichtsbehörden in ganz Deutschland und international Ähnliches veranlassen. Auch die Deutsche Bahn hat einen Gutachter beauftragt, um ehemalige Bilfinger-Berger-Projekte noch einmal zu kontrollieren.

Baumaterial an Schrotthändler verkauft

Es sei „möglich, dass der eine oder andere Bauherr Fragen stellt“, gibt Konzernchef Bodner zu. Auch im Ausland werde das Unternehmen „mit der gleichen Intensität wie in Deutschland“ seine Projekte auf den Prüfstand stellen.

Längst geht es beim rheinischen U-Bahn-Skandal nicht mehr nur um die ungeklärte Ursache des Stadtarchiv-Unglücks, sondern um kriminelle Machenschaften und um schwere Verstöße gegen Sicherheitsstandards im Verantwortungsbereich von Bilfinger Berger. Was in den vergangenen Wochen bekannt wurde, scheint zugleich einen Einblick in den dunklen Alltag am deutschen Bau zu geben.

Erst kam heraus, dass auf den Kölner U-Bahn-Baustellen Bilfinger-Mitarbeiter eiserne Schubhaken nicht verbaut haben, die die Standfestigkeit der sogenannten Schlitzwände garantieren. Die werden als riesiges Rechteck 40 Meter tief in den Boden betoniert. Wenn die Erde dazwischen ausgehoben ist, bilden Sie einen gigantischen Rahmen, in den dann U-Bahnhöfe eingebaut werden. Die nicht verbauten Schubhaken wurden vermutlich heimlich an einen Schrotthändler verhökert.

Dann stellte sich heraus, dass Messprotokolle mit den Daten für jedes einzelne Betonelement der Schlitzwände vermutlich von Bilfinger-Leuten in mindestens zwei Dutzend Fällen manipuliert wurden. Die machten das so geschickt, dass dies bei den normalen Kontrollen niemandem auffiel. Stünden die Schlitzwände ungerade und wären instabil, müssten Bauarbeiter und Anwohner um ihr Leben fürchten. In Köln ist das trotz falscher Protokolle aber nach den aktuellen Erkenntnissen nicht der Fall.

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