Baumarktkette: Praktiker im Dauertief

Baumarktkette: Praktiker im Dauertief

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Die Baumarkt-Kette Praktiker

von Henryk Hielscher

Selbst der neue Werbestar Boris Becker kann der Baumarktkette Praktiker nicht helfen: Die Umsatzerosion geht weiter, das Ergebnis der Heimwerkertruppe wurde geschreddert. In der Branche wird bereits über radikale Lösungen spekuliert.

Die Investoren reagierten sofort. Kaum hatte die Baumarktkette Praktiker heute Zahlen für das erste Halbjahr vorgelegt rauschte der Kurs um fast fünf Prozent nach unten. Kein Wunder: Die Zahlen für das im Baumarktgeschäft entscheidende erste Halbjahr lassen sich als verheerend beschreiben. Das Unternehmen meldete einen Verlust von 307,1 Millionen Euro nach einem Gewinn von 25,8 Millionen Euro vor Jahresfrist. Das operative Ergebnis ging sogar ohne Berücksichtigung von Sonderbelastungen auf Talfahrt: Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) brach um 35,9 Prozent auf 41,7 Millionen Euro ein. Der Umsatz schrumpfte um 7,9 Prozent auf 956,6 Millionen Euro.

Als besonders schwach erwies sich einmal mehr das Geschäft in der Heimat. Hier verbuchte die Kernmarke Praktiker im ersten Halbjahr einen flächenbereinigten Umsatzverlust von 14,3 Prozent. Bereits seit 2006 verzeichnete Praktiker in Deutschland in jedem Jahr Umsatzrückgänge. Und wenn kein Wunder geschieht, dürfte sich daran auch 2011 nichts ändern, zumal auch die Juli-Umsätze dem Vernehmen nach unter den Vorjahreszahlen liegen.  

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Warten auf den Becker-Effekt

Nun ist offen, wie es weiter geht. Ein Nachfolger für den scheidenden Praktiker-Chef Wolfgang Werner soll zügig gefunden werden. Denn erst wenn die Personalie feststeht, dürfte sich auch entscheiden, ob zahlreiche Märkte geschlossen werden und ob das  „Praktiker 2013“ getaufte Sanierungsprogramm wie geplant weiter umgesetzt wird. Das Projekt, das Werner und die Berater von McKinsey dem Konzern verordnet hatten, sieht im Kern vor, die Marke künftig als Baumarkt für Laien zu positionieren. Statt wie bisher ausschließlich als Preisbrecher aufzutreten, wurde für den neuen Werbeauftritt der frühere Tennisstar Boris Becker verpflichtet.

Der Erfolg des Reparaturprogramms hält sich nach den bisherigen Zahlen allerdings in Grenzen. So „wurde deutlich, dass sich die Kunden an Veränderungen im Marktauftritt erst gewöhnen müssen, ein verändertes Marketingkonzept daher nicht unmittelbar zu positiven Umsatzeffekten führt“, heißt es im Quartalsbericht. Dennoch stehe Praktiker 2013 nicht zur Disposition, sagte ein Sprecher bereits in der vergangenen Woche gegenüber der WirtschaftsWoche. Allerdings würden einige Maßnahmen nun verstärkt oder beschleunigt, teilte das Unternehmen heute mit.

Ob das ausreicht, ist fraglich. In Finanzkreisen und der Baumarktbranche wird längst über deutlich radikalere Lösungen spekuliert. Dabei käme vor allem der Baumarkttochter Max Bahr eine entscheidende Rolle zu. Denn während bei der Marke Praktiker ein Ende der Umsatzerosion nicht in Sicht ist, geht es dem 2006 zugekauften Unternehmen aus Norddeutschland vergleichsweise blendend. Entsprechend könnte sich der Konzern über kurz oder lang von der Tochter trennen, um an Kapital zu kommen. Sowohl der Tengelmann-Ableger Obi als auch Finanzinvestoren sollen schon früher Interesse an Max Bahr gezeigt haben. Ein Sprecher wollte sich zuletzt nicht zu möglichen Portfolioänderungen äußern.

Praktiker muss der Rabattfalle entkommen

Alternativ könnte auch ein Vorschlag wieder auf die Agenda rücken, der nach Angaben aus Finanzkreisen bereits im vergangenen Jahr im Vorstand heftig diskutiert wurde: Das großflächige Umflaggen von Praktiker-Märkten auf Max Bahr. Für mehr als die Hälfte der deutschen Praktiker-Standorte sei dies eine Option. Zur Finanzierung der mit einem solchen Markenwechsel verbundenen Umbauten könnte das Management Auslandsgesellschaften verkaufen, etwa in der Ukraine oder Polen. Ein Sprecher wies entsprechende Überlegungen zuletzt jedoch zurück – auch der Verkauf von Auslandstöchtern stehe derzeit nicht an.

Dabei gelten Neustart und Imagewechsel als dringend notwendig, um der selbstgeschaffenen Rabattfalle zu entkommen. Zu stark hat sich der Praktiker-Rabattschlachtruf „20 Prozent auf alles“ in der Vergangenheit ins Gedächtnis der Verbraucher gebrannt. Sie kauften vor allem an Aktionstagen, was Marge kostete. Doch seit Werner den Verzicht auf die 20-Prozent-Aktionen verkündet hat, brechen die Umsätze in Deutschland gegen den Markttrend dramatisch ein. Zudem ist der Konzern im Ausland stark in Krisenländern wie Griechenland engagiert. Sollte das Management entsprechende Umbauprogramme und Teilveräußerungen nicht selbst angehen, stellt sich auch die Frage, ob Finanzinvestoren bei dem Unternehmen einsteigen könnten. Mehrere Analysten weisen in ihren Kommentaren bereits auf diese Möglichkeit hin. Finanzvorstand Markus Schürholz sagte in einer Telefonkonferenz heute jedoch, ihm lägen dazu bisher keine Hinweise vor.

Offen ist letztlich, wie lange Praktiker weitere Umsatzrückgänge und Belastungen überstehen könnte. Offiziell heißt es immerhin „die Liquidität ist gesichert“. Doch die Verwerfungen der vergangenen Wochen brachten nicht nur Aktien- und Anleihekurse des Unternehmens unter Druck, sondern waren auch nicht dazu angetan, das Vertrauen der Lieferanten und ihrer Warenkreditversicherer zu stärken. Verschlechtern sich jedoch die Einkaufskonditionen oder die bisher komfortablen Zahlungsziele des Konzerns könnten sich schnell neue Probleme ergeben.   

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