Bauskandal Bilfinger-Berger: Deutsche Bahn lässt ICE-Strecke untersuchen

Bauskandal Bilfinger-Berger: Deutsche Bahn lässt ICE-Strecke untersuchen

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Bilfinger Berger - die Baubranche trotzt der Krise

von Christian Schlesiger und Harald Schumacher

Im Bauskandal um Bilfinger Berger lässt die Bahn nun die ICE-Strecke Nürnberg-Ingolstadt durch einen unabhängigen Gutachter untersuchen. Deutliche Kritik äußert auch der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport an Baufirmen.

Die Deutsche Bahn will die ICE-Strecke Nürnberg-Ingolstadt durch einen unabhängigen Gutachter auf Bauschäden untersuchen lassen. Der Gutachter soll Bauprotokolle auf Mängel untersuchen und auch überprüfen, ob die Erdanker, mit denen Bohrpfahlwände befestigt werden, wie vorgesehen eingebaut wurden und technisch korrekt ins Erdreich eingesetzt wurden. Das bestätigte die Deutsche Bahn gegenüber der WirtschaftsWoche. Der Gutachter stehe zwar noch nicht fest, soll aber aus dem Kreis der vom Eisenbahnbundesamt zugelassenen unabhängigen Gutachter stammen.

Hintergrund der Überprüfung ist der Hinweis eines ehemaligen Bilfinger-Mitarbeiters an die Staatsanwaltschaft Köln, wonach beim Bau der ICE-Strecke Nürnberg-München in den Jahren 2001 bis 2006 Bauprotokolle gefälscht und Befestigungsanker nicht oder falsch eingebaut worden seien. Nicht eingebaute Anker sollen schwarz verkauft worden sein. Bis zum gestrigen Donnerstag haben Untersuchungen durch Bilfinger Berger und durch die Deutsche Bahn den Verdacht allerdings nicht bestätigt. Ein Bahn-Sprecher sagte der WirtschaftsWoche: "Es gibt bisher keine Erkenntnisse über fehlerhafte Bauarbeiten." Der Gutachter sei "eine reine Vorsichtsmaßnahme".

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Flughafenbetreiber Fraport kritisiert Bauwirtschaft

Bilfinger Berger hatte die Bahn am Donnerstag darüber informiert, wo dauerhafte Erdanker befestigt wurden. Betroffen ist der Abschnitt in der Nähe von Denkendorf zwischen Nürnberg und Ingolstadt. Sollte der Gutachter Schäden feststellen, müsste Bilfinger Berger haften. Die Gewährleistungsfrist beträgt fünf Jahre, die Neubaustrecke wurde 2006 in Betrieb genommen.

Deutliche Kritik hat der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport, einer der größten Bauherren der vergangenen Jahre in Deutschland, an Qualität und Zuverlässigkeit von Baufirmen geübt. "Die Bauwirtschaft muss dringend etwas für Qualitätsmanagement und Rechtstreue tun", fordert Martin Schlegel, Fraport-Generalbevollmächtigter und verantwortlich für Milliarden-Aufträge vor allem an die Bauwirtschaft, der WirtschaftsWoche.

Ernüchtert reagierte Schlegel auf die Ergebnisse einer internen Umfrage unter 120 Projektleitern. "Das, was sich in punkto Qualität, Termintreue und Nachträgen draußen auf unseren Baustellen abspielt, ist für uns in höchstem Maß unwirtschaftlich." Je größer das Bauunternehmen sei, desto schwieriger gestalte sich die Zusammenarbeit. Erkennbar sei das Muster, dass Aufträge "mit Kampfpreisen quasi gekauft" würden, so Schlegel. "Danach versuchten die Unternehmen möglichst viel mit Nachforderungen rauszuholen oder an der Qualität zu sparen.

In den vergangenen Jahren hat Fraport Bauaufträge zwischen 300 und 600 Millionen Euro jährlich vergeben. Die größten Mängel hat der Flughafenbetreiber bei der Einhaltung der Terminpläne, der Bauqualität, in der Qualität der Angebote und der Mängelbeseitigung festgestellt.

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