Bauskandal U-Bahn Köln: Bodner ist angeschlagen - auch als Baubranchen-Präsident

KommentarBauskandal U-Bahn Köln: Bodner ist angeschlagen - auch als Baubranchen-Präsident

von Harald Schumacher

Nun wird offen über Herbert Bodners begrenzte Zukunft als Vorstandschef des zweitgrößten deutschen Baukonzerns Bilfinger Berger spekuliert. Denn der U-Bahn-Bauskandal in Köln entwickelt sich geradezu desaströs.

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ARCHIV - Herbert Bodner, Vorstandsvorsitzender des Baukonzerns Bilfinger Berger

Zur Unklarheit, warum vor fast einem Jahr das Stadtarchiv-Gebäude in Köln einstürzte und warum zwei Menschen dabei sterben mussten, kommen immer neue Skandale hinzu: Für die Baugrubensicherheit wichtige Prüfprotokolle wurden gefälscht; vier Fünftel spezieller Eisenteile, die für die Standsicherheit der 40 Meter hohen Baugrubenwänden wichtig sind, wurden nicht verbaut, sondern an einen Schrotthändler verscherbelt; und am Freitag teilte die Staatsanwaltschaft Köln dem Konzern auch noch den Verdacht mit, dass bei der ICE-Trasse Nürnberg - München ebenfalls mit falschen Prüfunterlagen getrickst wurdeB.

Der Baukonzern hat nun angekündigt, die Trasse München-Nürnberg zu überprüfen. Auf der knapp vier Jahre alten ICE-Trasse zwischen München und Nürnberg sind bereits erhebliche Mängel aufgetreten. Laut einem Sprecher der Bahn sind die Mängel seit etwa zwei Wochen behoben. Die Ursache für die Schäden seien aber noch unbekannt. Die Züge dürfen auf der Strecke seit geraumer Zeit statt 300 maximal mit 200 Kilometer in der Stunde fahren. Nach Auskunft der Bahn ist das Tempolimit aber witterungsbedingt.

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Bodner ist ein eigentlich erfolgreicher Konzernstratege. Seit 1999 formte er aus dem Bau- einen Baudienstleistungskonzern, weil ihm die Risiken des Baugeschäfts zunehmend suspekt wurden. Doch jetzt steht er steht vor einem Scherbenhaufen. Die Missstände, die nun bekannt werden, bestätigen die schlimmsten Vorurteile gegen die immer noch extrem korruptionsanfällige Baubranche. Wer sich auskennt, ist deshalb nicht aufgrund der Mauscheleien überrascht. Schockierend ist aber doch, dass alle Compliance-Programme der vergangenen Jahre und die aufgerüsteten internen Kontrollsysteme es nicht schafften, banalste Betrügereien zu verhindern - selbst in einem angesehenen börsennotierten Unternehmen wie Bilfinger. Ausgerechnet auf dem glatten Klüngel-Parkett von Köln macht das international agierende Bilfinger-Managment eine ganz schlechte Figur. Der Konzern-Chef erscheint plötzlich wie einer, der  - pardon - einen Saustall regiert.

Baubranche bekommt Probleme

Damit hat aber nicht nur der Konzern ein Problem, sondern die Baubranche insgesamt. Denn Bodner führt nicht nur ein Unternehmen. Er ist auch seit gut einem Jahr Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie - der oberste Repräsentant des ganzen Wirtschaftszweiges also. Dass ausgerechnet Bodners Unternehmen nun am Pranger steht, nimmt Bodner den Spielraum, den er in seiner Verbandsfunktion braucht, und die Autorität, die er bisher hatte. Denn Bilfinger Berger muss mit ständigen Weiterungen der Skandalkette rechnen und wird jahrelang gezwungen sein, in Prozessen die Verantwortung für das schreckliche Stadtarchiv-Unglück von sich zu weisen.

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