Baustoffhandel: Das Imperium der Gips-Könige Knauf bekommt Risse

Baustoffhandel: Das Imperium der Gips-Könige Knauf bekommt Risse

von Lothar Schnitzler

Jahrzehntelang ging es für das Gipsimperium Knauf fast nur aufwärts. Jetzt setzen die Krise und Schadensersatzklagen den Konzern unter Druck. Ein Blick hinter die Kulissen eines ebenso erfolgreichen wie verschwiegenen Familienunternehmens.

Bild vergrößern

Das Werk des deutschen Baustoff-Herstellers Knauf Gips KG im russischen Krasnogorsk.

Das Unternehmen agiert im Stillen. Bei kaum einem anderen Konzern klaffen der bescheidene öffentliche Auftritt,  Markenstärke und die wirtschaftliche Macht so weit auseinander wie beim Gipsriesen Knauf.

Wie viele Familienunternehmen gibt sich der Konzern bodenständig. Die beiden Vorsitzenden des Gesellschafterausschusses, die Vettern Baldwin (70) und Nikolaus (73) Knauf, gelten als heimatverbunden, unterstützen Vereine und Kultur rund um den Unternehmenssitz. Über drei Jahrzehnte waren sie aktive Stadträte in ihren Heimatorten, den fränkischen Kleinstädten Iphofen und dem benachbarten Einersheim.

Anzeige

Trotz dieser fixen Verankerung in Deutschland ist der Gipskonzern mit rund 24.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von geschätzten knapp fünf Milliarden Euro im Jahr 2009 weltweit die Nummer Zwei in der Branche. Aktuelle Gewinnzahlen gibt Knauf nicht bekannt. Doch das fränkische Gipsimperium gilt als hoch profitabel.

Laut Bundesanzeiger erzielte die Brüder Knauf Verwaltungsgesellschaft, in der wichtige Teile der Gruppe zusammengefasst sind, im Jahre 2007 einen Überschuss von 676 Millionen Euro – immerhin eine Umsatzrendite von rund 14 Prozent. In über fünfzig Ländern agiert der Konzern, nur noch 20 Prozent des Umsatzes werden im Inland erwirtschaftet. Dank der Internationalisierung verdoppelte sich der Umsatz des Gipsimperiums zwischen 2000 und 2008.

Bedrohung aus Ost und West

Doch jetzt kämpft das Unternehmen gleichseitig an drei Fronten. Im vergangenen Jahr ging der Umsatz um 15 Prozent zurück. In Osteuropa, einem der wichtigsten Märkte der Gruppe, brach der Absatz mit Gipsplatten um rund 30 Prozent ein und wird sein Vorkrisenniveau bis 2014 nicht erreichen. Schlimmer noch ist die Bedrohung aus dem Westen. Knauf schlägt sich mit einer Sammelklage in den USA wegen schadhafter Gipsplatten herum, die nach faulen Eiern riechen. Ein Klägeranwalt schätzt die Gesamtschäden auf drei bis fünf Milliarden Dollar - eine "Mondzahl" nach Meinung von Jörg Scharnow, in der Knauf-Geschäftsleitung zuständig für Recht.

Knauf ist zwar nur einer von 400 Beklagten und hat nur einen Bruchteil der nach Schwefelwasserstoff riechenden Gipsplatten in die USA geliefert, doch steht der Gipsriese ganz oben auf der Beklagtenliste.

Mehr über das verschwiegene Familienimperium und die drohenden US-Sammelklagen lesen Sie in einem ausführlichen Knauf-Porträt in der neuen Ausgabe der WirtschaftsWoche. Sie ist ab Montag, dem 22.Februar an den Zeitungskiosken erhältlich. Abonnenten erhalten die neue Ausgabe bereits am Samstag per Post.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%