Bauwirtschaft: Wie Strabag im deutschen Baugeschäft durchstartet

Bauwirtschaft: Wie Strabag im deutschen Baugeschäft durchstartet

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Bauarbeiter auf einer Baustelle in Deutschland

von Bert Losse

Dass die deutschen Bauriesen Hochtief und Bilfinger Berger sich immer mehr vom klassischen Baugeschäft verabschieden, nutzen ausländische Konkurrenten wie Strabag – mit Erfolg, aber höherem Risiko.

Stahlgitter vor den Fenstern, Neun-Quadratmeter-Zellen, Schwerverbrecher in signalroten Overalls, die vor einer acht Meter hohen Mauer Unkraut jäten – Herbert Bodner, Vorstandschef des Baukonzerns Bilfinger Berger, präsentiert die Justizvollzugsanstalt Burg richtig stolz und fühlt sich hier wie der Hausherr. Denn den Knast in der Nähe von Magdeburg haben Bilfinger-Leute geplant, die Mannheimer sind Betreiber des Gebäudes, und sogar ein Teil des Personals arbeitet unter Bilfinger-Regie. Um das öffentlich zu machen, hat der Manager Anfang Oktober ein Dutzend Journalisten in die nagelneue Haftanstalt verfrachtet. Das privat-öffentliche Projekt „vereinigt nämlich vieles, was heute für uns wichtig ist“, sagt Bodner. Wichtiger als das Bauen, da lässt der Manager keinen Zweifel: „Der Umfang unseres Baugeschäfts wird sich erheblich reduzieren.“

Ähnlich die Botschaft beim vor Bilfinger größten deutschen Bauriesen Hochtief. Die jüngsten Schlagzeilen – „Hochtief mag nicht mehr bauen“ – gehen Herbert Lütkestratkötter zwar zu weit: „Hochtief steht zum Baugeschäft“, sagt der Vorstandschef der WirtschaftsWoche. Die Essener wollten schlicht keine Aufträge mehr annehmen, die dank unkalkulierbarer Kostensteigerungen unterm Strich nichts mehr einbrächten. „Dadurch hat sich unser deutsches Baugeschäft seit 2007 planmäßig um fast die Hälfte reduziert“, rechnet Lütkestratkötter vor, es mache „nur noch circa vier Prozent der Konzernleistung aus“. Das nennt man Rückzug, und zwar im Eiltempo.

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Thomas Birtel hört das mit großem Interesse. Der 55-Jährige ist Vorstandssprecher der Kölner Strabag AG und verantwortlich für das Deutschland-Geschäft des größten österreichischen Baukonzerns Strabag SE. Birtel rammt da, wo Wettbewerber Stellungen aufgeben, rot-weiß-rote Flaggen in den Baugrund: „Wir sind in Deutschland im Bau nicht auf dem Rückzug, sondern wollen unsere Position weiter stärken.“ Wie die im Tief-, Hoch- und Ingenieurbau aussieht, betont Birtels Chef, der kantige Strabag-Hauptaktionär Hans Peter Haselsteiner: „Im wichtigsten Markt Europas sind wir Marktführer – in allen Bausparten.“

Die Strategie der großen Drei auf dem deutschen Markt könnte unterschiedlicher kaum sein. Hochtief und Bilfinger Berger kaufen ständig Dienstleistungsunternehmen dazu, die Gebäude und Industrieanlagen in Schuss halten oder betreiben und verdienen an Planung und Service deutlich mehr als mit dem Bau. Bauen ist für sie nur noch Mittel zum Zweck, um ihre enorm verlängerte Dienstleistungs- und Wertschöpfungskette zu vermarkten. Notwendig bleibe eine eigene Bausparte nur noch als „Kompetenzzentrum“, sagt Bilfinger-Chef Bodner, „weil es Synergien zu den anderen Geschäftsbereichen gibt“. Soll heißen: Ganz ohne Bau wäre die angebotene Rundumversorgung unvollständig.

Auch Hochtief-Chef Lütkestratkötter braucht den Bau eigentlich nur noch, um „den kompletten Lebenszyklus von Projekten“ abzudecken, von der Planung und Finanzierung über den Bau bis zum Betrieb aus einer Hand: „Wir erzielen dadurch wichtige Kosten- und Effizienzvorteile. Insbesondere bei komplexen und margenstarken Großprojekten ist das ein entscheidender Wettbewerbsfaktor.“

Anders Strabag. Die Wiener interessieren sich zwar auch für das „Anschlussgeschäft“, wie es Manager Birtel nennt. Vor einem Jahr übernahmen sie die Immobilientochter der Deutschen Telekom – DeTeImmobilien – und eroberten sich damit einen Podiumsplatz im deutschen Markt für Facility Management.

Bescheidene Anfänge

Doch das Baugeschäft bleibt für Strabag auch Selbstzweck und bei Weitem stärkstes Standbein. Mehr als 60.000 der rund 75.000 Beschäftigten arbeiten im Baubereich. Birtel verlässt sich auf die nach seiner Einschätzung „sehr kosteneffizienten Strukturen“, auf ein „ständig verfeinertes Risikomanagementsystem, das bei der Auswahl der hereinzunehmenden Aufträge beginnt“, und auf die zentrale Technikabteilung mit mehreren 100 Ingenieuren. „Und warum soll man sich aus einem Markt zurückziehen“, fragt er, „in dem man groß und erfolgreich ist – selbst wenn die Wachstumsfantasien zugegebenermaßen beschränkt sind?“

Strabag-Mannschaften rücken auch für Geschäfte aus, die bei Hochtief und Bilfinger unter der Wahrnehmungsschwelle liegen. „Für uns interessante Hochbau-Aufträge“, sagt Birtel, „beginnen bei einem Volumen von 500.000 Euro, im Tiefbau sogar bei wenigen 1000 Euro – das geht bis zum Eimer Asphalt, mit dem unsere Leute nach dem Winter die Löcher in der Dorfstraße flicken.“

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