Bayer: Angriff der US-Feministen auf Bayer

Bayer: Angriff der US-Feministen auf Bayer

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Falle für Ausländer: Unternehmen wie Bayer Healthcare unterschätzen die strengen US-Gesetze

von Angela Hennersdorf

Eine kleine New Yorker Anwaltskanzlei will den deutschen Pharmakonzern wegen Diskriminierung von Mitarbeiterinnen verklagen. Dem Riesen vom Rhein drohen horrende Forderungen.

Steven Wittels ist ein zurückhaltender Mann. Er spricht mit leiser Stimme, sein Händedruck bei der Begrüßung ist schwach. Auf seinem Schreibtisch stehen brav aufgereiht die Fotos von Töchtern und Ehefrau.

Doch der erste Eindruck täuscht. Der 52-jährige New Yorker Anwalt versteht sich als Kreuzritter für Frauenrechte. „Wir sind eine feministische Kanzlei, die sich ganz dem Kampf gegen Diskriminierung von Frauen verschrieben hat“, sagt Wittels. In seinem Büro in der Sixth Avenue im Stadtteil Manhattan brummt das Geschäft. Die Kanzlei Sanford Wittels & Heisler hat sich herumgesprochen bei Amerikanerinnen, die sich im Job diskriminiert fühlen. „Wir haben schon General Electric und Dell wegen Diskriminierung vor Gericht gezerrt“, sagt Wittels stolz.

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Jetzt nehmen sich die Advokaten den deutschen Pharmakonzern Bayer vor. Im Namen von sechs Mitarbeiterinnen reichten sie eine Sammelklage in Millionenhöhe wegen Diskriminierung gegen die US-Tochter des Leverkusener Riesen, Bayer Healthcare, ein. Der Vorwurf: Der Dax-Konzern bezahle in den USA Männer besser als Frauen und bevorzuge sie bei Beförderungen. Die Klägerinnen, alle in Führungspositionen und zum Teil früher, zum Teil heute noch bei Bayer beschäftigt, fordern 100 Millionen Dollar Schadensersatz. Angeschlossen haben sich der Sammelklage zwei weitere Frauen: eine Vertriebsmanagerin von Bayer Healthcare Pharmaceuticals und eine Mitarbeiterin des Bereichs Bayer Healthcare Consumer Care.

Bayer weist Vorwürfe von sich

Bayer weist jegliche Diskriminierung von Frauen von sich: „Wir verfolgen eine strikte Antidiskriminierungspolitik“, sagt Rosemarie Yancosek, Kommunikationschefin von Bayer Healthcare in den USA. Entsprechend hat der Konzern angekündigt, alles zu tun, damit die Sammelklage vom Gericht abgewiesen wird.

Das wird nicht einfach. Zwar sieht es nach einem Kampf David gegen Goliath aus: Auf der einen Seite die kleine Kanzlei mit 20 Anwälten. Auf der anderen Seite der Pharmariese mit weltweit 111 400 Beschäftigten und 35,1 Milliarden Euro Umsatz, der sich mit aller Macht gegen die Vorwürfe zur Wehr setzen wird. Doch Bayer ist in der Defensive. „Die Antidiskriminierungsgesetze in den USA sind streng“, sagt Wittels der WirtschaftsWoche. „Vielen ausländischen Firmen ist offenbar nicht klar, welche Forderungen von unserem Gesetzgeber an sie gestellt werden, um sicherzustellen, dass Frauen im Job nicht benachteiligt werden.“

Unternehmen müssen etwa zum Beispiel Frauenförderpläne aufstellen, das Management in puncto Gleichbehandlung schulen und aktiv gegen jegliche Form von Diskriminierung vorgehen. Fühlen sich Frauen benachteiligt, dürfen Unternehmen in den USA das nicht einfach ignorieren. Kann Bayer nicht glaubhaft nachweisen, alles gegen die Diskriminierung von Frauen getan zu haben, stehen die Chancen vor Gericht schlecht.

Schon der bloße Angriff der kleinen New Yorker Kanzlei raubt den Leverkusenern Zeit und Geld. Denn kommt die Sammelklage vor Gericht, haben die Anwälte das Recht, sensible interne Dokumente wie Personalakten, Mitarbeiterbeurteilungen, Förderprogramme oder Antidiskriminierungsrichtlinien anzufordern. Anhand der Gehaltslisten etwa können sie dann überprüfen, ob Frauen grundsätzlich schlechter bezahlt werden als Männer. Bayer muss der Kanzlei jegliches Material zur Verfügung stellen, das im Zusammenhang mit der Klage wichtig sein könnte.

Bei Sanford Wittels & Heisler führt nicht Namensgeber Wittels, sondern eine Frau das Wort gegen Bayer: Katherine Kimpel, 32 Jahre alt und seit drei Jahren Partnerin. Sie gilt als brillant: Der US-Rechtsdienst Law360 bezeichnet sie als Jungstar.

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