Bayer-Chef Dekkers: Meister des Umbaus

Bayer-Chef Dekkers: Meister des Umbaus

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Marijn Dekkers

von Jürgen Salz

Nervosität in Leverkusen: Der neue Bayer-Chef Marijn Dekkers hat sich vor allem als radikaler Restrukturierer einen Namen gemacht.

Neun Monate lang war Marijn Dekkers der teuerste Praktikant bei Bayer. Erst im Januar startete er – als Vorstand – im Konzern. Am 1. Oktober übernimmt er nun von Werner Wenning die Führung des Leverkusener Pharma- und Chemieunternehmens. Der Niederländer – der erste Ausländer an der Bayer-Spitze – erlebte seine berufliche Sozialisation in den USA. Der heute 52-Jährige, der mit Frau und drei Töchtern im Düsseldorfer Stadtteil Kaiserswerth lebt, startete seine Karriere 1985 beim US-Giganten General Electric. 1995 wechselte er ins Management des US-Mischkonzerns Allied Signal. 2000 heuerte er beim US-Laborausrüster Thermo Electron an, wo er 2002 zum Chef aufstieg. Dekkers sanierte das Unternehmen, schloss Fabriken, straffte das Sortiment und fusionierte schließlich mit einem größeren Konkurrenten. Umsatz und Gewinn verfünffachten sich. Als Schwachstelle bei Bayer hat Dekkers das Pharmageschäft in den USA ausgemacht. Das Unternehmen sei aber „kein Sanierungsfall“ und „gut aufgestellt“, beruhigte er die Mitarbeiter vor einiger Zeit – viele blicken ihm trotzdem nervös entgegen.

Vorlieben & Abneigungen

Dekkers’ große Leidenschaft gehört dem Tennis. Als junger Mann spielte der Niederländer, der in Tilburg nahe der holländisch-deutschen Grenze aufwuchs, in den Siebzigerjahren für den niederrheinischen Klub Rot-Weiss Emmerich. Die Mitspieler von einst erinnern sich an einen höflichen, zurückhaltenden, aber durchaus selbstbewussten jungen Mann. Während Dekkers in Nimwegen Chemie studierte, besserte er seine Finanzen als Tennislehrer in Emmerich auf. Umgerechnet 12,50 Euro erhielt er dafür pro Stunde. Von dem Geld kaufte er sich einen weißen VW Polo. Der neue Bayer-Chef ist wie seine Vorgänger Fußballfan. Den Weg in die BayArena, der Spielstätte des Werksclubs Bayer 04 Leverkusen, hat Dekkers auch schon gefunden. Dabei bringt er jedoch nicht den gleichen Enthusiasmus auf wie Werner Wenning und Manfred Schneider, die beide eingefleischte Bayer-04-Fans sind. Der Holländer hält seit Jahrzehnten zu seinem Lieblingsverein PSV Eindhoven, dem mehrfachen holländischen Landesmeister, der eng mit dem Elektronikkonzern Philips verbunden ist.

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Stärken & Schwächen

Wissbegierig, menschlich, verbindlich – so schildern Bayer-Mitarbeiter ihren künftigen Chef, den sie bei den zahlreichen Besuchen an Bayer-Standorten in aller Welt während der vergangenen Monate erleben konnten. Als ihn dabei ein Betriebsrat fragte, ob er denn als Holländer auch einen Wohnwagen besitze, verneinte Dekkers entspannt. Bei seinem früheren Arbeitgeber Thermo Fisher Scien‧tific gibt es aber auch Kritik. Zwar habe Dekkers das ‧Unternehmen auf Vordermann gebracht. Doch zum Ende seiner Amtszeit hätten Dynamik, Aktienkurs und Innovationskraft nachgelassen. Kritiker sagen, Dekkers sei auf halbem Weg stehen geblieben.

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