Bayer-Chef Werner Wenning: "Einiges falsch gelaufen"

Bayer-Chef Werner Wenning: "Einiges falsch gelaufen"

Bild vergrößern

Werner Wenning

von Jürgen Salz und Anke Henrich

Bayer-Chef Werner Wenning kritisiert Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler, verteidigt die hohen Pillenpreise und erklärt, wie der Pharmariese die Welt retten will.

WirtschaftsWoche: Herr Wenning, wie lebt es sich als Preistreiber?

Wenning: Was meinen Sie eigentlich mit Preistreiberei?

Anzeige

Sie sind der Chef des größten deutschen Pharmakonzerns. Seit Jahren profitiert Bayer von steigenden Pillenpreisen, während die Krankenkassen ihre Ausgaben kaum noch finanzieren können.

Zunächst einmal: Die Preise für neue patentgeschützte Medikamente sind in den vergangenen beiden Jahren jeweils moderat um gut zwei Prozent gestiegen. Im europäischen Vergleich liegen die deutschen Arzneimittelpreise  im Mittelfeld. Zudem erhalten die Pharmaunternehmen von jedem rezeptpflichtigen Medikament, das in der Apotheke abgegeben wird, durchschnittlich nur 57 Prozent – so wenig wie in kaum einem anderen Land. Von Preistreiberei kann also keine Rede sein.

Laut einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit, OECD, liegen die Preise in Deutschland über dem Schnitt der Industrieländer. Gesundheitsminister Philipp Rösler will nun die Preismacht der Hersteller brechen. Wie bewerten Sie die Pläne?

Die Pläne sind auf breiter Front enttäuschend. Sie gehen völlig an den Bedürfnissen der Patienten vorbei. Die sind doch vor allem daran interessiert, bei Krankheit bestmöglich behandelt zu werden. Dazu bedarf es guter, innovativer Medikamente. Und wir müssen noch viel mehr erreichen. Gegen zahlreiche Krankheiten gibt es heute noch keine Medikamente. Die forschenden Pharmaunternehmen sollten nicht einseitig als Kostenverursacher gebrandmarkt, sondern ermutigt werden, weitere Medikamente gegen schwere Krankheiten zu entwickeln. Generikahersteller tragen ja nichts zum medizinischen Fortschritt bei. Deshalb gehen die Pläne sehr wohl zulasten der Patienten, denn sie schwächen die Innovationskraft der Branche, schaden der Investitionsbereitschaft der Unternehmen und fügen damit dem Standort Deutschland mittelfristig Schaden zu.

Wollen Sie auch mit Stellenabbau drohen, wie dies Ihr Konkurrent Roche bereits getan hat?

Ich drohe nie. Ich setze auf den Dialog mit der Politik, der wir klar sagen: Es ist kontraproduktiv, dass die Pläne nicht mehr Wettbewerb vorsehen. Was diskutiert wird, ist das Gegenteil dessen, was im Koalitionsvertrag steht. Da ist von wettbewerblicher Neuordnung des Arzneimittelsektors und Abbau der Überregulierung die Rede. Stattdessen verzettelt sich der Minister nun mit kurzfristigen dirigistischen Maßnahmen und droht mit einer Art Planwirtschaft.

Was kritisieren Sie konkret?

Die Hersteller sollen ihren Rabatt, den sie pro Medikament an die Kassen zahlen, von 6 auf 16 Prozent erhöhen. Die Arzneimittelpreise sollen auf dem Stand vom 1. August 2009 eingefroren werden. Das ist alles andere als eine Strukturreform. Das sind Maßnahmen, die schon früher nicht nachhaltig zur Senkung der Gesundheitskosten geführt haben...

...die wären sonst noch stärker gestiegen.

Nicht unbedingt, wenn man strukturell und nachhaltig angesetzt hätte, statt sich auf die kurzfristige Therapie der Symptome zu beschränken. Die demografische Entwicklung unserer Gesellschaft und damit des Gesundheitswesens ist doch die tatsächliche Herausforderung.

Anders als im Ausland kann ein Medikamentenhersteller die Preise in Deutschland bisher weitgehend selbst festsetzen. Mit diesem Monopol soll bald Schluss sein. Die Unternehmen sollen künftig mit den Kassen wie auf einem Markt die Preise aushandeln. Was ist daran schlecht?

Moment, die Pharmaunternehmen sollen mit dem Spitzenverband der Kassen verhandeln, nicht mit einzelnen Kassen. Das hat nur wenig mit Markt und Wettbewerb zu tun. Dem Hersteller steht dann der Verband als Monopolist gegenüber. Verhandlungen führen aber nur dann zu wünschenswerten Ergebnissen, wenn auf keiner Seite Monopolstrukturen bestehen.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%