Beate Uhse: Im Sex-Shop brennt die Hütte

Beate Uhse: Im Sex-Shop brennt die Hütte

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Ein "Beate Uhse"-Shop in Hamburg

von Henryk Hielscher

Die Dauerkrise beim Flensburger Erotik-Konzern Beate Uhse erreicht einen neuen Höhepunkt. 2010 verbuchte das Unternehmen insgesamt mehr als 50 Millionen Euro Verlust. Nun will sich der Konzern mit Filialschließungen und Veränderungen im Versandgeschäft gesundschrumpfen.

Von wegen „sex sells“. Zumindest beim Flensburger Erotik-Konzern Beate Uhse scheint die simpelste aller Verkaufsregeln seit Jahren außer Kraft gesetzt zu sein – zum Leidwesen der Aktionären. Der Konzern steckt in einer Dauerkrise, die jetzt einen neuen Höhepunkt erreicht hat. Die Veröffentlichung des Geschäftsberichts wird zwar „aufgrund der noch andauernden Wirtschaftsprüfung“ auf den 19. Mai  verschoben, teilte Beate Uhse mit. Doch auch nach der Vorlage vorläufiger Zahlen ist klar: die Verluste sind gewaltig. Gelingt mit der nun eingeleiteten Sparaktion nicht bald die Wende, stellt sich auch die Frage nach der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.

Denn nach den vorläufigen Zahlen gelang dem Konzern das Kunststück, bei einem Umsatz  von 197,7 Millionen Euro im Jahr 2010 einen Verlust von 56,5 Millionen Euro anzuhäufen. Auch ohne Sondereffekte, etwa Wertabschreibungen auf eine Beteiligung, über die die WirtschaftsWoche bereits vor Wochen berichtet hatte, ergab sich ein bedrohliches Minus von 18,5 Millionen. Als Hauptursachen für das Desaster sieht das Management einen Flop bei der Umstellung von Versand-Katalogen sowie Rückgänge im Einzelhandelsgeschäft.

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Umschuldung ausgehandelt

Immerhin konnte das Unternehmen mit Kreditgebern eine Umschuldung aushandeln – zumindest für den deutschen Unternehmenspart. Die Postbank hat sich demnach ihren Kredit auszahlen lassen, mit der Nord-Ostsee Sparkasse und der Investitionsbank Schleswig-Holstein seien Finanzierungsvereinbarungen unterzeichnet worden. Zur Finanzierung des niederländischen Konzernteils hätten „konstruktive Gespräche“ mit der ING Bank stattgefunden, die fortgesetzt würden.

Um die Kreditverbindlichkeiten – insbesondere offenbar die Postbank-Tranche - zu reduzieren, wurden auch einige Unternehmensteile veräußert. So erwarb die Consipio Holding etwa die norwegische Ladenkette Kondomeriet – praktischerweise ist Consipio auch Großaktionär von Beate Uhse. Die Entschuldung will der Beate-Uhse-Vorstand bis 2013 weiter senken, von derzeit 33 Millionen Euro auf 18,6 Millionen Euro.

Dafür muss allerdings auch das operative Geschäft wieder anziehen. Wie das gelingen soll, ist weiter fraglich. Zwar will Vorstandssprecher Serge van der Hooft stärker auf das Online-Geschäft setzen. Doch ähnliche Ankündigungen gab es auch schon in der Vergangenheit.

Eine wirkliche Antwort auf Gratis-Angebote im Internet blieb der Konzern bislang jedenfalls schuldig. Um 14,3 Prozent rauschte der Umsatz 2010 abwärts. 35 Filialen wurden bereits in den vergangenen drei Jahren geschlossen. Weitere 41 Schließungen, zwölf davon in Deutschland, stehen in diesem Jahr an, teilte Beate Uhse auf Anfrage von wiwo.de mit. Ein Teil davon wurde bereits realisiert. Zudem soll das Versandgeschäft neu organisiert werden. Statt bisher 15 bis 20 Katalogen im Jahr, soll es nun nur noch drei bis vier Kataloge geben. Gleichzeitig werden Werbeaktionen auf das Medium Internet verlagert und das Sortiment wird eingedampft. Zudem sollen zwei Logistikzentren in den Niederlanden „stärker miteinander verknüpft werden“, hieß es.

Durch diese und weitere Maßnahme werde der Umsatz 2011 zwar auf 140 bis 144 Millionen Euro zurück gehen, erwartet der Vorstand, also um rund 27 Prozent. Zugleich, so hofft der Konzern, werde das Gesundschrumpfen aber helfen, die Verluste 2011 auf drei bis fünf Millionen Euro einzudämmen.

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