Beate Uhse: Keine Lust mehr

Beate Uhse: Keine Lust mehr

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Grafik Tote Hose.

von Henryk Hielscher

Der ZDF-Film über den steinigen Aufstieg der Unternehmerin kann den freien Fall des Sex-Imperiums nicht überdecken.

Irgendwann hält sie es nicht mehr aus. "Hier steht heute der Orgasmus vor Gericht", ruft Beate Uhse 1969 in den Gerichtssaal und lächelt dem knorrigen Staatsanwalt zu, der sie wegen angeblicher Förderung von Unzucht jagt.

Die Szene ist einer der Höhepunkte des Films über das Leben der Erotikunternehmerin, die im biederen Nachkriegsdeutschland für "das Recht auf Liebe" kämpft. So lautet der Titel des Streifens, den das ZDF am 9. Oktober zeigt und der sich an der Biografie der 2001 verstorbenen Sex-Ikone orientiert.

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Uhse, gespielt von Franka Potente, beginnt 1946 mit dem Vertrieb ihrer "Schrift X". Der Verhütungsratgeber wird ein Renner, und Uhse baut ihr kleines Versandgeschäft gegen alle Widerstände der Staatsmacht zu einem Erotikkonzern aus.

Gründungssaga packend erzählt

Die Gründungssaga um die unbeugsame Geschäftsfrau ist packend erzählt, steht aber im krassen Gegensatz zur heutigen Tristesse des Unternehmens. Gut zehn Jahre nach dem Tod der Gründerin befindet sich das Sex-Imperium im freien Fall. Umsatz und Mitarbeiterzahl schmolzen in den vergangenen Jahren dahin. Ebenso erging es der Aktie, deren Kurs seit 2001 mehr als 95 Prozent verlor. 2010 schrieb das Unternehmen horrende Verluste (siehe Grafik).

Angesichts der prekären Lage schwand offenbar auch bei den Bankern der Postbank die Abenteuerlust. Sie ließen sich im April ihre Kredite zurückzahlen. Um Schulden zu tilgen, verkaufte das Beate-Uhse-Management bereits Unternehmensteile, lichtete das Filialnetz und leitete einen strikten Sparkurs ein. Die Folge: Im ersten Halbjahr 2011 wurde der Verlust auf 3,3 Millionen Euro eingedämmt. Für Vorstandschef Serge van der Hooft ist die Ergebnisverbesserung denn auch „ein Quantensprung“. „Im Versand, unserem wichtigsten Vertriebsweg, schreiben wir wieder schwarze Zahlen“, sagte van der Hooft der WirtschaftsWoche nach Redaktionsschluss für die Printausgabe. „Die anderen Bereiche werden nachziehen“, kündigte van der Hooft an. „Der größte Weg durch die Talsohle ist gemacht.“ Von 2012 an will der Vorstand wieder einen operativen Gewinn erwirtschaften. 

Schuldenlast soll halbiert werden

Doch dafür müssen die verbliebenen Kreditgeber mitspielen. Die ING Bank, die den niederländischen Teil des Unternehmens finanziert, will sich laut Geschäftsbericht 2010 mittelfristig als Kreditgeber zurückziehen. Bislang hält der Finanzkonzern still, drängt aber auf hohe Tilgungsraten: Anfang Oktober sind 7,5 Millionen Euro Rückzahlung fällig. Bis Ende 2013 soll sich die Schuldenlast bei allen Banken auf dann 18,6 Millionen Euro fast halbieren. „Denn mit der Unabhängigkeit von den Banken minimieren wir unser Risiko“, so van der Hooft. Infrage kommen  dafür offenbar auch weitere Verkäufe von Unternehmensteilen. „Wir prüfen durchaus und permanent, inwieweit unsere Beteiligungen den Rentabilitätskriterien entsprechen“, heißt es dazu aus der Unternehmensspitze. Ob Beate Uhse das Entschuldungsziel aber langfristig ohne den Einstieg eines neuen Investors erreichen kann, bleibt allerdings abzuwarten.

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