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Bekleidungshersteller: Outdoor-Fans wollen mehr Öko-Ware

von Von Joachim Hofer Quelle: Handelsblatt Online

Kristallklare Seen, blauer Himmel und grüne Wiesen: Die Hersteller von Outdoor-Equipment werben für ihre Produkte gerne in unverfälschter Natur. Doch Wanderhosen, Shirts und Co. haben bis heute kaum natürliche Bestandteile - sie bestehen vor allem aus Kunststoffen. Bekleidungshersteller nehmen Bio-Produkte nur zögerlich in ihr Programm.

Aktiv mit Anspruch: Immer mehr Outdoor-Sportler kaufen ökologisch korrekte Ware. Quelle: IMAGO Quelle: handelsblatt.com
Aktiv mit Anspruch: Immer mehr Outdoor-Sportler kaufen ökologisch korrekte Ware. Quelle: IMAGO Quelle: handelsblatt.com

FRIEDRICHSHAFEN. Erst langsam erkennen die Anbieter, dass Bio auch in ihrer Branche als Verkaufsargument wichtiger wird. "Immer öfter fragen Kunden nach, aus welchen Materialien die Produkte sind", sagt Klaus Jost, Chef des Sporthändlerverbunds Intersport. "Die Zielgruppe für Bio wächst."

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Der Druck der Käufer veranlasst die Hersteller allerdings zum Umdenken. Erste Anbieter nehmen deshalb nun Öko-Produkte ins Programm. Beispiel Vaude: Das Familienunternehmen aus dem oberschwäbischen Tettnang bringt jetzt einen Schlafsack auf den Markt, der zur Hälfte mit Holzfasern gefüllt ist, die aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammen. Das Polyester des neuen Modells, der Stoff um die Füllung herum, ist aus recyceltem Material. Damit nicht genug: "Wir berücksichtigen ökologische Aspekte schon bei der Produktentwicklung", sagt Firmenchefin Antje von Dewitz. Das Unternehmen habe sämtliche Herstellungsprozesse bis hin zum Färben verändert.

Die Branche gibt sich einen grünen Anstrich - und wirbt kräftig mit dem neuen Öko-Image. "Kaum eine Marke stellt Nachhaltigkeit heute nicht heraus", sagt Adrian Huber, für die Markenführung des Schweizer Bergsportausrüsters Mammut zuständig. Doch es fällt den Anbietern schwer, glaubwürdige Konzepte zu entwickeln. "So viel Bio-Baumwolle, wie es in den Läden zu kaufen gibt, wird weltweit gar nicht hergestellt", lästert Huber, der für Mammut ein Konzept für nachhaltige Unternehmensführung erstellt hat.

In den vergangenen Jahren haben die Anbieter gut davon gelebt, ihre Jacken und Hosen, Zelte und Rucksäcke leichter und praktischer zu machen. Die Outdoor-Branche wächst sogar in der Krise stark und setzt heute in Europa fast sechs Mrd. Euro um.

Als Wachstumstreiber haben sich hohe Qualität und besondere Eigenschaften von Produkten erwiesen - etwa beim wasserdichten und atmungsaktiven Stoff von Gore-Tex. Doch das ist auch das Problem: Noch haben die meisten Hersteller keinen Weg gefunden, die Eigenschaften von Textilien wie Gore-Tex mit natürlichen oder biologisch hergestellten Rohstoffen zu erreichen. Die Hersteller können auf hochwertige Kunststoffe nicht verzichten.

Mammut hat immerhin seine erste Kletterhose aus Bio-Baumwolle vorgestellt. Die Eidgenossen setzen dabei auf das Qualitätssiegel "Bio-Re". Das Label soll unter anderem gute Hautverträglichkeit sowie eine menschenwürdige Produktion garantieren.

Die Schwierigkeit dabei: Die meisten Kunden kennen die vielen unterschiedlichen Öko-Zertifikate überhaupt nicht. "Wir bekommen sehr viele Anfragen", sagt Intersport-Chef Klaus Jost. Hinzu kommt: Oft ist nicht einfach zu erklären, was in den Bio-Produkten steckt. Vaude etwa bietet nun Shirts an, die aus einem Stoff aus Kokosnuss-Schalen bestehen. Diese Abfälle wiederum stammen nach Angaben des Unternehmens aus der Lebensmittelindustrie.

Konkurrent Maier Sports nutzt sogar Kaffee. Das Unternehmen mischt dem Polyester in der Herstellung Kaffeesatz bei. Dadurch soll die Produktion weniger Hitze benötigen als sonst üblich. Zudem verhindere die antibakterielle Wirkung des Kaffees Körpergeruch. Und das, so wirbt die schwäbische Firma, sei noch längst nicht alles. Die moderne Faser soll auch schnell trocknen und UV-Strahlen abweisen.

So mancher Outdoor-Anbieter rümpft dennoch die Nase über solche Neuerungen. "Die beste Ökologie ist ein hochwertiges Produkt", sagt der Unternehmer Peter Schöffel, der sich auf Ski- und Wanderkleidung spezialisiert hat. Zudem achte sein Unternehmen darauf, umweltfreundlich zu wirtschaften.

Ähnlich argumentiert Klaus Lenhart, Chef des Wander- und Skistockherstellers Leki. "Unsere Stöcke halten zehn bis zwanzig Jahre lang. Das ist nachhaltig." Firmen wie Schöffel und Leki ärgern sich über minderwertige Massenware bei Discountern, die ihrer Ansicht nach schnell wieder in den Mülleimer fliegt.

Intersport-Chef Jost warnt die Markenhersteller davor, Öko-Produkte auf den Markt zu bringen, die nicht halten, was sie versprechen. "Das darf keine reine PR-Veranstaltung sein", sagt der Manager. Doch danach sieht es mitunter aus: Neben Kokosnuss und Kaffee mischen die Kleiderproduzenten den Fasern inzwischen auch Bambus, Keramik und Milch bei. Die Firma Skins integriert sogar Mentholkapseln in die Wäsche, die durch Schweiß und Bewegung aktiviert werden und den Körper kühlen sollen. X-Bionic verspricht, mit der eigenen Kleidung Wüstenfüchse zu imitieren. Die Polo-Hemden des Unternehmens sollen durch ein ausgeklügeltes System mehr Hitze des Körpers ableiten können.

Einig sind sich Hersteller und Händler freilich darin, dass Öko-Produkte sowie eine umweltfreundliche Produktion in den nächsten Jahren eine größere Rolle spielen werden. In Arbeitsgruppen sitzen die Firmen bereits zusammen, um auch Themen wie die Entsorgung anzugehen. Bis jetzt hat nur ein verschwindend kleiner Teil der gesamten Produktpalette mit Bio zu tun. Wohin die Reise gehen kann, zeigt heute schon Vaude: Die Schwaben bieten Taschen aus wiederverwerteten PET-Flaschen an, Imprägniermittel auf Wasserbasis und sogar Solarladegeräte für die Beleuchtung im Zelt.

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