Beluga-Gründer Stolberg : Absturz eines Reederei-Stars

Beluga-Gründer Stolberg : Absturz eines Reederei-Stars

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Vor dem Absturz: Der Gründer der Bremer Beluga-Reederei, Niels Stolberg

von Christian Schlesiger

Niels Stolberg war der unkonventionelle Star der deutschen Reedereibranche – bis vor einer Woche. Seit dem ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ihn wegen Betrugsverdacht. Bewiesen ist noch nichts.

Die Inselbewohner von Spiekeroog waren die ersten, die gegen Niels Stolberg aufbegehrten. Ein bisschen zumindest. Stolberg, der 1995 die Schwergutreederei Beluga Shipping gründete, hatte auf Spiekeroog sein privates Feriendomizil gelegt. Hier zog er sich mit seiner Familie zurück nach Tagen der Arbeit. Er baute ein Ferienhaus. Es gefiel ihm gut hier. So gut, dass er wenig später ein Hotel eröffnete, zwei Restaurants kaufte und ein Künstlerhaus entwarf, das Stipendiaten eine Herberge gab. Die Insulaner mochten dem Treiben nicht mehr länger zusehen, befürchteten, Stolberg wolle aus der 800-Seelen-Insel ein neues Sylt machen. Nach zahlreichen Diskussionen stellte Stolberg seine Bautätigkeiten ein.

Spiekeroog ist einer der wenigen Fälle, wo Stolberg aneckte. Er war unkonventionell, brach mit Traditionen, doch die meisten schauten mit Hochachtung auf ihn. Stolberg schuf innerhalb von 16 Jahren die größte Projekt- und Schwergutreederei der Welt. 72 Schiffe fahren derzeit unter Beluga-Kommando. Seit Jahren kannte die Entwicklung nur eine Richtung: Umsätze, Flotte, Aufträge, sie stiegen fast schon von alleine. 415 Millionen Euro Umsatz machte Beluga 2009, ein Jahr später sollten es schon fast 500 Millionen Euro gewesen sein.

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Doch daran gibt es seit einer Woche Zweifel. Der amerikanische Großaktionär Oaktree entdeckte „finanzielle Unregelmäßigkeiten“, nachdem er von Stolberg nach einer weiteren Finanzspritze gebeten wurde. Oaktree stieg Mitte 2010 bei Beluga ein, nachdem Beluga die Krise voll erwischt hatte. Das Schwergutgeschäft auf See läuft der normalen Konjunktur hinterher. Dennoch bestellte Stolberg weiter Schiffe. Von April 2010 bis Ende 2012 muss Beluga 500 Millionen Euro für den Kauf von 13 Schiffen finanzieren. Nachdem Aufträge wegbrachen, ging Beluga wohl die Puste aus. Oaktree stieg mit einem Drittel der Unternehmensanteile ein. Mittlerweile gehören dem Private Equity Unternehmen 49,5 Prozent an Beluga. Oaktree meldete die Unstimmigkeiten der Bremer Staatsanwaltschaft, die seit einigen Tagen gegen Stolberg und weitere Manager wegen des Verdachts des Betrugs in „besonders schwerem Fall“ ermittelt.

Und nun rümpfen jene, die Stolberg nahe standen, die Nase. Sind Sie einem Blender auf den Leim gegangen? Haben sie sich vom Verkaufstalent des 50-Jährigen in die Irre führen lassen? Anleger, die ihr Geld in geschlossene Schiffsfonds gesteckt haben, fürchten nun um ihre Rendite. Banken könnten bei einer drohenden Insolvenz leer ausgehen. Und Oaktree pocht auf Nachlässe der Forderungen, die die Emissionshäuser und Banken gegenüber Beluga haben. Die Amerikaner sind selbst mit geschätzten 150 Millionen Euro beteiligt.

Lage unklar

Derzeit ist die Lage völlig undurchsichtig. Und zunächst sind es Vorwürfe, die im Raum stehen. Umsätze in dreistelliger Millionenhöhe sollen seit 2009 falsch ausgewiesen worden sein. Bewiesen ist noch nichts. Wer solche Behauptungen aufstelle, „der kann nicht richtig ticken oder hat zu viel getrunken“, kommentierte Stolbergs Anwalt Hanns Feigen gegenüber dem „Weser Kurier“. Kommende Woche finden Gespräche mit der Staatsanwaltschaft statt. Bislang schweigt Stolberg. Ans Telefon geht er nicht. Für ihn ist es die schwierigste Zeit seines Lebens. 1995 gründete er Beluga mit einem Partner, der wenig später wieder ausschied. Stolberg machte sich über die Branche hinaus einen Namen, weil er bereit war für Neues. Er setzte auf Innovationen wie dem Sky Sail, der schwere Schiffe mit Windkraft zog und Dieselkraftstoff sparte. Er nutzte den Klimawandel für die Nordostpassage von Europa nach Asien nördlich von Russland, wo im Sommer über mehrere Wochen die eisfreie, aber riskante Durchfahrt möglich ist. Er setzte sich auch für karitative und soziale Projekte ein. In Thailand unterstützte er ein Weisenhaus, an norddeutschen Hochschulen finanzierte er Lehrstühle und in Bremen unterstützte er Museen. Das Personenlexikon Munzinger klassifiziert ihn als „Philantropen“.  Als Menschenfreund wird er wohl selbst nie verkraften können, dass seine finanzielle Basis für seine zweifellos guten Taten derzeit wegzubrechen droht. Mitte 2010 ließ er sich auf den Deal mit Oaktree ein. Das Private Equity Unternehmen ist kein Leichtgewicht in der Finanzbranche. Im Gegenteil: Oaktree ist spezialisiert auf Restrukturierung und legt dem Management harte Bandagen an, wenn es die Renditeforderungen von 20 Prozent nicht erfüllt. Oaktree half schon andere deutschen Unternehmen aus der Patsche. Nun sollte Beluga die nächste Turnaround-Story werden. Im Hintergrund munkeln zahlreiche Beteiligte, ob nicht auch Oaktree ein taktisches Spiel treibt. Die Amerikaner wollten Druck aufbauen, um von Emissionshäusern und Banken Nachlässe etwa bei Charterraten und Zinszahlungen zu erwirken, heißt es vielfach. Für viele ist es kaum vorstellbar, dass sich ein professionelles Private-Equity-Unternehmen wie Oaktree nicht schon beim Einstieg bei Beluga die Geschäftszahlen vorlegen lässt und genau prüft. Warum also fielen Unregelmäßigkeiten erst jetzt  auf? Es gibt viele offene Fragen. Für Stolberg wird der Druck indes immer größer. Inzwischen soll die Staatsanwaltschaft Bremen laut unbestätigtem dpa-Bericht das Ferienhaus auf Spiekeroog durchsucht haben. Stolberg findet mal wieder keine Ruhe auf Spiekeroog. Die Insel scheint es mit ihm nicht gut zu meinen.

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