Beraterbranche: Stress für Marktführer McKinsey

Beraterbranche: Stress für Marktführer McKinsey

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Bain-Deutschland Chef Seidensticker: Beim Wachstum die Nase ganz weit vorn

Die Hackordnung in der Beraterbranche ändert sich: Marktführer McKinsey gerät unter Druck und zeigt erste Stress-Symptome, die Mitbewerber holen deutlich auf.

Als Hans-Paul Bürkner vor vier Jahren an die Spitze der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) rückte, war das eine Zäsur in der Firmenkultur: Zum ersten Mal hatten die BCG-Partner nicht den Strategen zum Chef auserkoren, sondern einen Starverkäufer. Bürkner hielt, was er versprach: In nur vier Jahren gelang es dem Bankenspezialisten, den Umsatz um 50 Prozent auf weltweit 1,5 Milliarden Euro zu steigern.

Bürkner schaffte es damit, seiner Beratertruppe ein völlig neues Selbstverständnis zu verpassen. Das zeigt sich besonders in Deutschland, dem nach den USA wichtigsten Markt für Unternehmensberatungen. Was strategische Kompetenz angeht, musste sich BCG zwar nie hinter Marktführer McKinsey verstecken, beim Umsatz spielte das Unternehmen allerdings lange in der zweiten Liga.

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Doch der Abstand verringert sich. Damit ändert sich die lange wie in Stein gemeißelte Hackordnung in der deutschen Beraterszene. BCG hat in vielen Top-Konzernen den Fuß in die Tür bekommen und steht kurz davor, beim Umsatz hierzulande auf den zweiten Platz vorzurücken. Branchenprimus McKinsey hingegen verlor wichtige Kunden, schwächelt nach Schätzung von Branchenexperten beim Wachstum und hat, das belegen Umfragen, in Sachen Kundenzufriedenheit Terrain eingebüßt, auch im Vergleich zu anderen großen deutschen Beratungsfirmen: Roland Berger hat seine Qualitätskrise überwunden und behauptet sich mit solidem Wachstum knapp auf dem zweiten Platz. Bain & Company folgt zwar mit großem Abstand, legt in der Spitzengruppe aber das rasanteste Wachstumstempo vor. Kommentieren mag McKinsey diese Entwicklung nicht.

Dazu passt, dass Deutschland-Chef Frank Mattern auf dem traditionellen Jahres-Presseempfang mit einer alten Tradition seines Vorgängers Jürgen Kluge brach und erstmals keine Umsatzzahlen nennen wollte. Branchenexperten schätzen aber, dass McKinsey im vergangenen Jahr nicht über die 600 Millionen Euro Umsatz des Vorjahres hinausgekommen ist. Im Rückblick zeigt sich, dass sich die Umsätze der deutschen McKinsey-Dependance seit Jahren kaum verändert haben: 2001 wie 2006 meldete Mattern-Vorgänger Kluge jeweils rund 600 Millionen Euro Umsatz. Berger kommt auf 365, BCG auf 362 Millionen.

Stagnation auch bei der Zahl der Berater: 2001 beschäftigte McKinsey hierzulande rund 1100 Berater, 2006 waren es gerade mal 1130. Dagegen stieg die Zahl der Partner im selben Zeitraum von 110 auf 135 – bei stagnierenden Umsätzen. Besonders bitter fällt der Vergleich zum Wettbewerber BCG aus: Der legte in dieser Zeit um rund 28 Prozent zu, die Beraterbranche insgesamt – Krise hin oder her – kam sogar auf ein Plus von 14 Prozent.

Aufholjagd

Wie die Boston Consulting Group (BCG) den Abstand zu McKinsey verringert

„Nur ein wachsendes Unternehmen bietet Perspektiven. Wer möchte schon für ein schrumpfendes arbeiten?“, konstatierte einst Roland Berger. Vielleicht ist das die Erklärung, warum Mattern für 2007 gerade mal einen zusätzlichen Partner in Deutschland vermelden konnte, beim Umsatz aber in Sprachlosigkeit verfiel und stattdessen krampfhaft versucht, eine neue Größe für die Erfolgsmessung in der Beraterbranche einzuführen. Sein neuer Maßstab ist der sogenannte „Client Impact“ – was auf Deutsch so viel wie der Kundennutzen heißen soll. Davon will McKinsey in Zukunft auch die Karriere seiner Mitarbeiter abhängig machen: Entscheidend für den Aufstieg ist, wie sich die Beratung auf den Erfolg der Kunden ausgewirkt hat, wie sich die Beziehung zu ihnen entwickelt, ob Folgeaufträge zustande kommen, ob das Mandat die Beratung selbst vorangebracht hat und welche Aussagen die Kunden über die Beratung machen.

Höchste Zeit, dass sich der Marktführer mit solchen Fragen beschäf- tigt – das zeigt eine Umfrage des Bonner Beraterexperten Dietmar Fink, der regelmäßig Top-Manager nach ihrer Zufriedenheit mit den wichtigsten Strategieberatungen befragt. Seine Umfrage unter rund 260 Top-Managern aus etwa 200 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Euro belegt: In Sachen Kundenzufriedenheit agiert McKinsey längst nicht mehr in einer eigenen Liga. Im Gegenteil: Unterm Strich schneidet bei der Fink-Befragung BCG besser ab.

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