
Der klassische Eindruck von einem Wirtschaftsprüfer ist ja eher nicht so, dass ihm regelmäßig vor Wut der Kragen platzt. Aber in diesen Tagen hört man doch sehr deutlich, bisweilen vor Wut strotzende Aussagen aus der hochseriösen Branche.
Binnenmarktkommissar Michel Barnier will den Wirtschaftsprüfern unter anderem verbieten, auch in der Unternehmensberatung tätig zu sein. Viele Prüfer empfinden die Fesseln, die ihnen ans Bein gebunden werden sollen, als zu streng: "Die EU-Kommission geht mit ihren Gesetzesvorschlägen zu weit, da sie alle Argumente aus vorangegangenen Diskussionen mit der Wirtschaft, den Prüfern und den Parlamentariern unberücksichtigt lässt", wettert Norbert Winkeljohann, Deutschlandchef von Pricewaterhouse Coopers (PwC). Experten gehen davon aus, dass das EU-Parlament die Pläne so nicht akzeptieren wird.
Unsichere Pläne
Auch das Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland (IDW) nimmt die Pläne mit Unverständnis zur Kenntnis: "Es geht dem Kommissar augenscheinlich nicht mehr darum, die Abschlussprüfung auf der Grundlage der Erfahrungen der Finanzkrise qualitativ weiterzuentwickeln, sondern den Prüfungsmarkt nach seinen Vorstellungen und auf Kosten der prüfungspflichtigen Unternehmen umzugestalten", kritisiert IDW-Chef Klaus-Peter Naumann. Die Vorschläge griffen ohne ausreichende Rechtfertigung in die Autonomie der Gesellschaften ein.
Barniers Pläne beinhalten Wirtschaftsprüfung und Beratungsgeschäft strikt trennen zu wollen, nachdem erste Informationen aus dem Gesetzentwurf über den digitalen Newsdienst Accountancy Age an die Öffentlichkeit gelangt waren. Mit seinen Plänen stellt Brüssel das Geschäftsmodell der großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften infrage. Das klassische Geschäft mit der Bilanzprüfung stagniert seit Jahren - deshalb gewinnen lukrative Beratungsleistungen an Bedeutung. Die EU-Kommission erhofft sich von der Aufgabentrennung eine größere Unabhängigkeit der Prüfer.
"Affront gegen Parlament"
Der EU-Kommissar will zudem durchsetzen, dass die Unternehmen ihren Prüfer zwingend nach neun Jahren wechseln müssen. Diese Rotation solle den Wettbewerb ankurbeln, wird aber von den WP-Gesellschaften kritisch gesehen, da viel Wissen verloren geht.Der Proteststurm zeigte offenbar Wirkung, denn schon jetzt formiert sich im EU-Parlament der Widerstand. Und die Kommission kann ihre Pläne nicht ohne die Zustimmung des Parlamentes umsetzen: "Die Kommission kann vorschlagen, was sie will, aber wir sind der Gesetzgeber", sagte der Vorsitzende des Rechtsausschusses Klaus-Heiner Lehne (CDU) der Financial Times Deutschland (FTD). "Mit uns wird es keine Revolution dieser Art geben. Von diesen Plänen wird nur ein Bruchteil übrig bleiben."
Wenn sich die beiden konservativen Fraktionen und die Liberalen im EU-Parlament in der Frage einig wäre, hätten sie die Mehrheit. Dementsprechend kommt die Aussage der rechtspolitischen Sprecherin der FDP-Delegation den Wirtschaftsprüfern entgegen. Denn Alexandra Thein lehnte Barniers Entwurf als "zu weitgehend" ab und sprach von einem "Affront gegen das Parlament". Außerdem sagte Thein der FTD: "Das ist ein altehrwürdiger Berufsstand, den kann man doch nicht so einfach komplett durcheinander bringen."













