Bergbau: Die schwierige Mission von Evonik

Bergbau: Die schwierige Mission von Evonik

von Andreas Wildhagen

Evonik arbeitet an der schwierigen Mission, den Steuerzahler bei den Folgekosten des deutschen Steinkohlebergbaus zu entlasten.

Evonik ist der politischste Konzern Deutschlands. Das Gebilde mit 13 Milliarden Euro Umsatz und 39.000 Beschäftigten wurde Ende 2007 von früheren Ruhrgebietsmanagern zusammengezimmert. An ihrer Spitze stand Werner Müller, der ehemalige Bundeswirtschaftsminister und damalige Chef der RAG (Ruhrkohle AG), in der neben Chemie- und Immobilienunternehmen die hochsubventionierten deutschen Steinkohlezechen an Ruhr und Saar gebündelt waren.

Das vorrangige Ziel des neuen Konzerngebildes mit dem ebenso modischen wie seelenlosen Namen lautet bis heute: Evonik soll Geld hereinspielen, um die Folgekosten (auch „Ewigkeitskosten“) des deutschen Steinkohlebergbaus zu finanzieren, statt diese dem Steuerzahler aufzubürden. Den Ausstieg aus der Kohle hatten die damalige Große Koalition in Berlin für das Jahr 2018 beschlossen.

Anzeige

In Gang gesetzt wurde die erhoffte Geldmaschine, indem die RAG nur noch für die Steinkohleförderung zuständig wurde. Das Chemiegeschäft (mit der Tochter Degussa), die Energiesparte (mit dem Kraftwerksbetreiber Steag) sowie die Immobiliengesellschaft (mit 60.000 eigenen Wohnungen) wurden auf Evonik übertragen. Eigentümer von Evonik wurde – zunächst allein – die RAG-Stiftung. In deren Kuratorium sitzen Politiker sowie ein Vertreter der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und wachen über Evonik. Der Stiftung obliegt es, das Konzerngebilde zur Blüte zu bringen, um es für möglichst viel Geld zu verkaufen. Die erhofften Erlöse, bis zu sieben Milliarden Euro, sollen herhalten, um in alle Zukunft Bergbauschäden zu zahlen.

Wann kommt der Börsengang?

Der versprochene Börsengang fiel zunächst aus – wegen schlechter Verfassung des Unternehmens und weltweit ungünstiger Wirtschaftslage in der Chemie. Stattdessen kaufte sich der luxemburgische Finanzinvestor CVC für 2,4 Milliarden Euro bei Evonik ein und erwarb 25,01 Prozent der Aktien. Dadurch sank der Anteil der RAG-Stiftung auf 74,99 Prozent. Mit CVC-Deutschland-Chef Steve Koltes kam ein Vertreter derer in den Evonik-Aufsichtsrat, die Tempo machen, schnell Geld sehen und ihre Anteile bald mit maximalem Gewinn verkaufen möchten.

Nachdem der Börsengang 2008 ausfiel, wurde das Jahr 2012 avisiert. Die Aussichten dafür sind besser geworden. Evonik-Chef Klaus Engel hat nichts gegen ein Startsignal der Eigentümer (Interview mit Evonik-Chef Klaus Engel). Die Chemiekonjunktur zieht an.

Die Frage bleibt, wie mit Evonik am meisten Geld zu machen ist: durch Steigerung des Unternehmenswertes über teure Akquisitionen, durch den Verkauf von Sparten wie der Energie oder der Immobilien – oder durch Ausschüttungen.

Aktuell steht die Kraftwerkstochter Steag im Blickpunkt. Für die Anteile am Unternehmen soll es mittlerweile 50 Kaufinteressenten geben. Steag ist eine einmalige Gelegenheit, in großem Stil in die Steinkohleverstromung einzusteigen, auf die sich das Unternehmen konzentriert hat. Viele Stromlieferverträge sind sehr langfristig geschlossen, die Entfaltungsmöglichkeiten dadurch eher begrenzt. Drei Kraftwerke im Ausland – Türkei, Kolumbien und auf den Philippinen – bilden die Ausnahme. Es wird spannend, wie viel Geld Evonik-Chef Engel mit dem Steag-Deal in die Kasse bekommt.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%