Bergbau: Zukunftsvisionen für die Steinkohle - vor 55 Jahren

07. Oktober 2010
Bergmann Quelle: dapdBild vergrößern
Das Licht im Bergwerk Ost in Hamm ist Ende September ausgegangen Quelle: dapd
von Andreas Wildhagen

Der Wiwo-Voräufer "Der Volkswirt" prognostierte den Engpass des Bergbaus schon damals fast auf den Punkt genau.

40 Jahre gibt es die WirtschaftsWoche als Magazin - der Vorläufer "Der Volkswirt" analysierte im Bergbau-Boomjahr bereits 1955 die enger werdenden Perspektiven des deutschen Steinkohlebergbaus - geradezu hellsichtig. Damals sah die Bergbauwelt anders aus als heute. Es malochten fast 400 000 Berleute unter Tage, es gab 300 Bergwerke, darunter viele kleine parzellierte. Gerade mottete eine große deutsche Zeche, das Bergwerk Ost im nordrhein-westfälischen Hamm, seine Förderkörbe ein. Jetzt gibt es noch fünf deutsche Bergwerke, die nach dem Willen der Bundesregierung bis 2018 nacheinander geschlossen werden sollen. Zwei davon bis Ende 2012.

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Zugegeben: Das definitive Ende des deutschen Steinkohlebergbaus konnte 1955 noch nicht vorausgesehen werden. Aber dass die deutsche Steinkohleförderung auf dem Weltmarkt und auch in Deutschland in arge Bedrängnis kommt, das sahen die Vorläufer der Wiwo-Redaktion schon damals sehr treffsicher. Vor allem die Kernkraft wurde als größter Konkurrent der Kohle gesehen, Mitte der fünfziger Jahre war der Bau von Atomkraftwerken noch in weiter Ferne. In jenen Tagen wurde von fortschrittsbegeisterten Atomphysikern gerade ein Forschungsreaktor in Gundremmingen projektiert, der dort als museales Überbleibsel noch heute steht. Die deutsche Öffentlichkeit war von der Furcht vor der "friedlichen Nutzung der Atomenergie" noch weit entfernt, sie kam erst nach dem Atomunfall in Harrisburg Mitte der siebziger Jahre, die Brokdorfschlachten und Tschernobyl lagen auch noch weit weg. Sorgen machten vielen Deutschen vor allem die Wiederbewaffnung,die Volkswirte des Volkswirts runzelten mit Blick auf die Zukunft allenfalls bei dem Gedanken an den Arbeitskräftemangel der Deutschen die Stirn. Es gab Vollbeschäftigung - und die "Gastarbeiter" waren noch nicht gerufen - sie lebten noch in ihrer Heimat.

Drei Jahre nach der Volkswirt-Analyse "Die Zukunft des deutschen Steinkohlebergbaus" setzte die Krise ein. Noch nicht wegen der Kernkraft, sondern wegen des Weltmarktpreises. Das große Zechensterben begann bereits 1958, Öl- und Gasheizungen ersetzten den Kohleofen - und dann fing die Subventionitis an - bis heute. 1,4 Milliarden Euro jährlich. Der Bergbau schafft aber auch in stillgelegter Form Arbeitsplätze. Bergwerk Hamm ist dafür ein gutes Beispiel. Die Stollen müssen in 1500 Metern Tiefe ständig abgepumpt werden, damit die östlichste Stadt des Ruhrgebiets nicht absackt. Dafür braucht die Ruhrkohle AG (RAG) immerhin 200 Arbeiter, die praktisch ad infinitum weiterbeschäftigt werden. Auch ihre Nachfolger werden in Hamm noch einen sicheren Job finden, denn Abpumpkosten sind Ewigkeitskosten. Gorleben, Asse, Hamm -und die anderen geschlossenen Bergwerksstandorte sind Arbeitsplätze, die nie vergehen.

Nur dieser eine Satz ist den weitsichtigen Gedanken des Volkswirts im Adenauerjahrzehnt über ein halbes Jahrhundert später noch hinzuzufügen.

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