Bernd Drouven im Interview: "Deutlich mehr Gewinn"

InterviewBernd Drouven im Interview: "Deutlich mehr Gewinn"

von Anton Riedl

Warum Aurubis-Chef Bernd Drouven lieber in Südamerika als in China zukauft, wann Anleger wieder mit mehr Dividende rechnen können.

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Bernd Drouven

WirtschaftsWoche: Herr Drouven, die Nachfrage aus China verhalf Aurubis zu einem guten Auftaktquartal 2009/10. Wollen Sie dieses Geschäft durch Zukauf ausbauen?

Drouven: China hat derzeit einen jährlichen Bedarf von sechs Millionen Tonnen Kupfer, das macht ein Drittel des Weltmarkts aus. Doch der Transport dahin ist teuer, unsere Lieferungen werden nicht zu umfangreich werden. Bei einer Produktion vor Ort sehen wir unser technisches Know-how in Gefahr. Eine direkte Beteiligung in China ist derzeit nicht geplant. Da wir uns hier aber in einem stark wachsenden Markt bewegen, käme in Asien nur ein anderer Standort infrage. Ebenfalls interessant ist Südamerika. Hier wären wir nahe an den großen Minen und Rohstoffvorkommen.

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Stehen Sie schon in Verhandlungen mit Kaufkandidaten? 

Es gibt noch nichts Konkretes, über das wir sprechen können. Allerdings laufen solche Prozesse nicht von heute auf morgen ab. Bei Cumerio dauerte es von den ersten Gesprächen bis zum Abschluss der Übernahme mehr als zwei Jahre.

Hätten Sie genug finanziellen Spielraum?

Bei einem großen Objekt von zum Beispiel 500 Millionen Euro würden wir verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten kombinieren. Die Cumerio-Übernahme hatte ein Volumen von 800 Millionen Euro. Hier kam es zu einer kleinen Kapitalerhöhung; zudem hatten wir dank guter Gewinne aus dem laufenden Geschäft Einnahmen, die wiederum die Finanzierung erleichterten.

Abnehmer von Kupferprodukten stammen aus der Elektroindustrie, dem Maschinenbau oder der Autoindustrie. Befürchten Sie, dass hier die Dynamik erlahmt und Bestellungen bei Aurubis zurückgehen?

Nein. Schon 2009 war der weltweite Kupferbedarf trotz Krise etwa so hoch wie 2008. Wenn die Konjunktur 2010 auch nur etwas besser wird, sieht es für den Kupfermarkt keineswegs düster aus.

Und wenn die staatlichen Förderprogramme auslaufen?

Auch dann dürfte sich an der Erholung von einem niedrigen Niveau aus nichts ändern. Zudem spüren wir Nachfrage von anderer Seite, vor allem durch die Bedeutung erneuerbarer Energien. In einem Windkraftgenerator etwa stecken bis zu 30 Tonnen Kupfer.

Im größten Geschäftsbereich Kupferprodukte holt Aurubis aber nur geringe Margen.

Dieses Bild täuscht. Wir kaufen täglich Rohstoffe und verkaufen verarbeitete Produkte. Deshalb rechnen wir mit zwei Preisen: einem für das Metall, einem für die Bearbeitung. In den Umsatz fließt vor allem der Kupferpreis ein. Ist Kupfer teuer, ist der Umsatz hoch und die Marge optisch niedrig. Das sagt aber nichts über unsere operative Stärke aus.

Warum schwanken dann die Nettogewinne so stark?

Wir mussten im vergangenen Jahr zunächst Kupferbestände aus der Cumerio-Übernahme abwerten, das hatte in der Tat mit dem vorübergehenden Preisrückgang zu tun. Der nachfolgende Preisanstieg trug dann im ersten Quartal zu einem Gewinn von 2,20 Euro je Aktie bei. Aussagekräftiger als diese Nettozahlen ist der operative Gewinn. Er lag im ersten Quartal nach Steuern bei 80 Cent je Anteil. Dieser Gewinn wird vor allem von unserem Kerngeschäft geprägt, den Schmelzlöhnen für Kupferkonzentrat und Kupferschrott.

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