Bertelsmann: Bertelsmann-Chef fordert Ende der Werbung bei ARD und ZDF

Bertelsmann: Bertelsmann-Chef fordert Ende der Werbung bei ARD und ZDF

von Peter Steinkirchner

In der aktuellen Diskussion um die Umstellung der Rundfunk- und Fernsehgebühren auf eine Haushaltsabgabe hat Hartmut Ostrowski, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann AG, ein Ende der Werbung bei ARD und ZDF gefordert.

Statt über die künftige Form des Gebühreneinzugs zu diskutieren, sei es wichtiger, zu einer klaren Trennung bei der Finanzierung zu kommen: „Die Privatsender finanzieren sich über Werbung, die Öffentlich-Rechtlichen ausschließlich aus Gebühren“, sagte der Chef von Europas größtem Medienkonzern, zu dem auch der Privatsender RTL gehört, im Interview mit der WirtschaftsWoche.

Die Medienpolitik von Bund und Ländern kritisiert er scharf: „Ich vermisse eine klare Linie der Politik – es müsste endlich eine zielgerichtete Debatte darüber geführt werden, wie viel öffentlich-rechtliches Radio und Fernsehen mit welchem Programmauftrag sich das Land leisten kann und will“ sagte Ostrowski. Die Medienwirklichkeit 2010 sei eine „ganz andere als zu Zeiten der Gründung von ARD und ZDF. Das scheint in der Politik nicht im Fokus der Diskussion zu stehen.“

Anzeige

Ostrowski fordert, die „maßlosen Ausdehnung der öffentlich-rechtlichen Sender ins Internet“ müsse verhindert werden. Es dürfe nicht vergessen werden, dass ARD und ZDF diese Expansion über Gebühren finanzierten: „Das muss sich in engen Grenzen halten, alles weitere müssten sie privatwirtschaftlich tun. Ich fordere Chancengleichheit.“

In dem Interview mit der WirtschaftsWoche kündigte Ostrowski zudem an, dass Bertelsmann in den kommenden Jahren auch wieder über Zukäufe wachsen wolle: „Wenn in Europa ein Fernsehsender auf den Markt kommt, dann schauen wir uns das natürlich an. Wenn ein großer Buchverlag auf den Markt kommt, ebenfalls.“ Bertelsmann habe in den vergangenen dreieinhalb Jahre rund 4,5 Milliarden Euro Schulden getilgt. „In entsprechender Größe werden nun auch wieder Mittel freigesetzt, die wir reinvestieren“, sagte der Vorstandschef des Gütersloher Unternehmens. Es sei allerdings nicht geplant, den Umsatz von derzeit 15,4 Milliarden Euro „auf einen Schlag“ zu vergrößern. Bertelsmann sei nicht unter Zeitdruck: „Uns treibt kein Analyst. Wir haben geduldige Aktionäre, die an Kontinuität interessiert sind.“

Vor dem bevorstehenden Deutschland-Start von Apples iPad-Computer Ende Mai mahnte Ostrowski zur Nüchternheit. Natürlich sei das iPad ein „feines Gerät“. Auf dem iPad können Nutzer neben Musikstücken und Filmen auch Bücher und Zeitschriften konsumieren. Allerdings, sagte Ostrowski, sollten Medienunternehmen „den Ball etwas flacher halten und nicht dem iPad als alleinigem Heilsbringer hinterherlaufen.“ Bertelsmann werde sich nicht abhängig machen von einem einzigen Anbieter, das käme einem Kniefall gleich.

„Das iPad ist ein sehr gut designter Laptop ohne Deckel, der per Touchscreen bedient wird. Wir aber bringen unsere Inhalte auf alle Geräte und Plattformen, die der Kunde nutzt“, sagte der Bertelsmann-Boss über seine Strategie. Das Geschäft mit Bezahlinhalten stecke noch in den Kinderschuhen und mache erst einen kleinen Teil jener eine Milliarde Euro aus, die Bertelsmann heute mit digitalen Geschäften im engeren Sinne erziele.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%