Berühmte Erbinnen: Schampus, Stahl und Zwieback

Berühmte Erbinnen: Schampus, Stahl und Zwieback

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Betty Brandt, Witwe des Zwiebackherstellers Carl Brandt

von Stephanie Heise und Andreas Wildhagen

Friede Springer, Marie-Elisabeth Schaeffler und Liz Mohn haben berühmte Vorbilder. wiwo.de stellt wichtige historische Unternehmerinnen vor.

1789 rettet die Schneiderin der Familie das zwölfjährige Mädchen vor den Aufständischen der Französischen Revolution, mit 27 erlebt Barbe-Nicole Clicquot-Ponsardin (1777–1866) den nächsten Schock: Ihr Mann François stirbt, die Witwe Clicquot übernimmt die Leitung des vom Schwiegervater 1772 gegründeten Champagnerhauses, das ums Überleben kämpft.

Ohne berufliche Erfahrung macht sie Clicquot innerhalb eines Jahrzehnts zum wichtigsten Champagnerhaus und steigt zu einer der reichsten Unternehmer Europas auf. In turbulenten Zeiten expandiert sie ins Ausland, ist vor allem in Russland erfolgreich – dank höchster Produktq ualität und Marketing-Talent: Sie verpasst den Flaschen das bis heute bekannte gelbe Etikett. Und gründet 1822 eine Bank. Nach 36 Jahren gibt sie die Leitung an einen Mitarbeiter ab. Als sie 1866 stirbt, verkauft das Unternehmen weltweit jährlich 750 000 Flaschen, die bis heute den Namen der Champagner-Witwe tragen. Heute gehört das Unternehmen zum Luxus-Konzern LVMH.

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Ähnlich erfolgreich ist Louise Pommery (1819–1890). Als ihr Mann 1858 stirbt, übernimmt die zweifache Mutter das Ruder des Winzerbetriebs. Sie stellt von Rotwein- auf Champagnerproduktion um, eröffnet 1861 eine Filiale in England, kreiert 1874 den Brut-Champagner, der die süßen Champagnersorten verdrängt. Pommerys Sinn für Stil, Marke und Öffentlichkeitsarbeit begründet das Firmenimage. Heute gehört Pommery zum Champagnerhaus Vranken und ehrt die Ex-Chefin mit der Cuvée "Louise".

Betty Brandt: Soziales Gewissen des Unternehmens

Auf Wunsch ihres verstorbenen Mannes übernimmt Elisabeth "Lily" Bollinger (1899–1977) das um 1600 gegründete Unternehmen 1941. Sie überzeugt die deutschen Besatzer davon, ihre Ex-Angestellten aus der Gefangenschaft zu entlassen und wieder für sie arbeiten zu lassen. Nach dem Krieg kauft sie Weinberge dazu und stärkt das Marketing. Bollinger wird offizieller Hof-Champagner des britischen Königshauses. Bis ins hohe Alter radelt Bollinger durch ihre Weinberge, 1971 übergibt sie die Leitung an ihren Neffen. Bollinger ist noch immer in Familienbesitz.

Beim Zwiebackhersteller Brandt setzt sich nach dem Tod des Firmengründers Carl Brandt 1965 seine 20 Jahre jüngere Frau Betty Brandt (1906-1984) auf den Chefsessel. Die strenge Patriarchin treibt die Expansion voran, gilt gleichzeitig als soziales Gewissen des Unternehmens. Nach ihrem Tod übernimmt Sohn Carl-Jürgen die Leitung des Familienunternehmens.

Margarethe Krupp und die "Dicke Bertha"

Das Regiment von Margarethe Krupp (1854-1931) währte nur vier Jahre: Nach dem Tod ihres Gatten Friedrich Alfred Krupp (1854-1902 trat sie an die Spitze des damals größten Stahlkochers der Welt– als Vormund ihrer damals 16-jährigen Tochter und Krupp-Alleinerbin Bertha. Doch als Margarethe 1906 den Stab an Schwiegersohn Gustav von Bohlen und Halbach übergab, hatte sie Spuren hinterlassen – die Gussstahlfabrik in eine AG umgewandelt und moderne Managementstrukturen mit Aufsichtsrat und familienfremden Vorständen etabliert. Außerdem stieß sie die Entwicklung einer Riesenkanone an, die bald Millionen Goldmark in die Kassen spülen sollte. Und bis heute als "Dicke Bertha" bekannt ist.

Käte Ahlmann (1890-1963) dagegen ist selbst Historikern nicht immer ein Begriff – zu unrecht. Sie hatte die Ahlmann-Carlshütte im schleswig-holsteinischen Büdelsdorf 1931 von ihrem Mann Julius Ahlmann geerbt. Gegen den Rat der Deutschen Bank investierte die gelernte Gärtnerin nicht nur in Stahl, sondern auch in Aluminium und Wellblech. Außenhaut und Tragflächen aller damaligen deutschen Flugzeugtypen, allen voran der JU 52, wurden aus Ahlmann-Blechen gefertigt. Ihr Coup: die rechtzeitige Verlagerung des Betriebs nach Kanada, der so nach dem Krieg der Demontage entging. In Büdelsdorf wurde später wieder eine große Filiale aufgebaut. 1974, elf Jahre nach Ahlmanns Tod, meldete das Unternehmen Konkurs an.

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