Bespitzelungsaffäre: Wutausbruch beim Telekom-Spitzelprozess

06. Oktober 2010
Wu-T-Ausbruch: Spitzelopfer Quelle: dapdBild vergrößern
Wu-T-Ausbruch: Spitzelopfer Wilhelm Wegner hat die angeklagten Telekom-Manager bei einem Gerichtsprozess scharf angegriffen Quelle: dapd
von Jürgen Berke

Mit einem Wutausbruch greift Spitzelopfer Wilhelm Wegner die angeklagten Telekom-Manager an: „An welchem Ort ich mit wem telefoniere, das geht niemanden etwas an.“

Da hatte sich einiges angestaut. Zu Beginn seiner Zeugenaussage sah es noch so aus, als würde Wilhelm Wegner souverän alle Fragen des Richters ohne Gefühlsausbruch beantworten. Doch dann wurde daraus der emotionalste Auftritt, den die dritte große Strafkammer beim Landgericht Bonn bisher erlebt hat.

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Ex-Vorstandschef Kai-Uwe Ricke und Ex-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel hatten den Gesamtbetriebsratschef im Jahre 2005 verdächtigt, die geheime Mittelfristplanung des Telekom-Vorstands an den „Capital“-Redakteur Reinhard Kowalewsky weitergeben zu haben. Durch die von Ricke und/oder Zumwinkel angeordnete Suche nach der undichten Stelle sind unter anderem auch die Verbindungsdaten von Journalisten, Arbeitnehmervertretern und Aufsichtsräten ausgewertet und dadurch die Spitzelaffäre überhaupt erst ausgelöst worden.

Wutausbruch von Wegner vor Gericht

Wegner fällt die Aufarbeitung des Skandals auch heute noch sichtlich schwer. Für ihn sei eine „Welt zusammengebrochen“, sagt er im Zeugenstand und macht den Angeklagten Vorwürfe. Sie können gar nicht „erahnen, wie groß der Vertrauensverlust bei mir ist“. Er jedenfalls habe es nicht für möglich gehalten, dass „die Elite des Unternehmens....“ Wegner versagt die Stimme, der Satz findet kein Ende. Aber jeder ahnt, dass er Ricke und die Konzernsicherheit für diesen Skandal verantwortlich macht. Und dann protokolliert das Gericht den ersten Wutausbruch: Wegner schreit den Hauptangeklagten Klaus Trzeschan, der als Abteilungsleiter bei der Telekom-Konzernsicherheit die Spitzelaktionen koordiniert hat, lauthals an und verpasst ihm quasi vor Gericht eine verbale Ohrfeige: „An welchem Ort ich mit wem telefoniere, das geht niemanden etwas an!“ Das musste mal gesagt werden.

Und dann gibt Wegner, der mehr als zehn Jahre an der Spitze des Betriebsrats stand und das Innenleben der Telekom wie kaum ein anderer kennt, einen Satz zu Protokoll, der viele im Gerichtssaal sehr betroffen macht: „Viele im Unternehmen haben das gewusst und geschwiegen. Die würden heute noch schweigen, wenn das nicht durch einen dummen Zufall herausgekommen wäre.“

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Kommentare | 2Alle Kommentare
  • 07.10.2010, 00:13 Uhrbauer

    Wow, was für ein packender, mitreißender Artikel. Fast, als wäre der Leser direkt dabei. beeindruckender, preisverdächtiger Journalismus. Wer ist diese Edelfeder...???

  • 06.10.2010, 16:20 UhrMeier

    Der arme Herr Wegner glaubt, dass jemand der irgendwo Vorstand ist, zur "Elite" der Nation gehört. Um in diesen Zeiten Vorstand zu werden, muss man vo allen Dingen anpassungsfähig und in der Lage sein in jeden Darmausgang zu kriechen, der sich anbietet um dann irgendwann in der Kreis der erleuchteten skrupellosen Absahner aufzusteigen. Das ist nicht nur bei der Telekom so.

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