Bestattungen: Der Wald boomt als letzte Ruhestätte

Bestattungen: Der Wald boomt als letzte Ruhestätte

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Paar beim Waldspaziergang

von Harald Schumacher

Der Wald boomt als letzte Ruhestätte. Mit Friedwald und Ruheforst kämpfen zwei expandierende Ketten um die Marktführerschaft bei den Stamm-Kunden.

Die familiäre Trauergemeinde steigt auf einem Parkplatz im Wald aus den Autos. Hinter dem Pastor beginnen die Hinterbliebenen den schweren Weg zum Grab. Der führt sie tief in einen 180 Jahre alten Buchenbestand. Denn der Verstorbene – ein früherer Förster aus dem rheinland-pfälzischen Ahrtal – wollte nicht auf dem Friedhof, sondern im Bestattungswald des Dorfes Hümmel in der Eifel beerdigt werden: ohne Grabstein, ohne Kränze, ohne Erikabeet – mitten in der Natur. Seine Urne wird unter den Wurzeln einer Buche nach einem halben Jahr verwittert sein.

Eine letzte Ruhestätte unterm Blätterdach liegt im Trend. Meist heißen die Einrichtungen Friedwald oder – wie in Hümmel – Ruheforst. Namensgeber sind zwei Unternehmen, die um die Marktführerschaft in der Branche kämpfen. In den 29 Bestattungswäldern, die die Friedwald GmbH aus Griesheim bei Darmstadt betreut, werden 2009 gut 4200 Urnen bei-gesetzt – 800 mehr als 2008 und ähnlich viele wie bei der Ruheforst GmbH aus Erbach im Odenwald, die 37 etwas kleinere Bestattungswälder ausweist. Ihr Slogan: „Unter allen Wipfeln ist Ruh’“.

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Träger der Bestattungswälder sind wie beim Friedhof die Gemeinden. Betreiber sind die Ketten Friedwald und Ruheforst. Sie lassen sich ihre Dienstleistungen wie Franchiseunternehmer je nach Umfang bezahlen. Wobei Ruheforst eher dezentral geführt ist. Friedwald hingegen verwaltet alle Einrichtungen von Griesheim aus, beschäftigt dort 44 Mitarbeiter und sieht sich „als Marken-Dienstleister“.

Vorbild aus der Schweiz

Die acht Jahre junge Branche boomt. Pionier in Deutschland war Friedwald – 2001 entstanden nach einem Vorbild aus der Schweiz. Friedwald-Inhaberin und -Geschäftsführerin Petra Bach will die Zahl ihrer mindestens 20 Hektar großen Bestattungswälder bis 2015 auf 50 steigern und lässt ihre Förster ständig geeignete Wälder suchen. Ruheforste sind kleiner. Der 2004 gegründete Wettbewerber wird vom Schloss des Grafen zu Erbach-Erbach aus gesteuert, die Geschäfte führt der gräfliche Förster und will 2010 bis zu 15 Bestattungswälder eröffnen. Dank weiterer Nachahmer gibt es bundesweit schon rund 150 amtlich genehmigte Bestattungswälder, in denen schätzungsweise – genaue Zahlen fehlen – 2009 rund 20.000 Waldbestattungen stattfinden.

Bestattungswälder bleiben zugänglich für Spaziergänger und Wild: kein Tor, kein Zaun, nur Wegweiser. Dezente Erinnerungssteine liegen zwischen den Wurzeln. Plaketten mit oder ohne Kreuz an den Baumstämmen und die Computerdatei der Verwaltung geben Auskunft darüber, wessen sterbliche Überreste wo ruhen. Der Trend bricht mit der Bestattungstradition und hat zudem wirtschaftliche Ursachen und Folgen. Mancher, der den Hinterbliebenen jahrzehntelange teure Grabpflege ersparen will oder keine Nachkommen hat, trifft zu Lebzeiten Vorbereitungen, um naturnah in die ewigen Jagdgründe einzugehen. 50 000 Menschen haben antemortal Friedwald-Bäume gebucht – alles Stamm-Kunden sozusagen.

Eins von zehn Einzelgräbern an einem Gemeinschaftsbaum, den man mit fremden Nutzern teilt, kostet für 99 Jahre Ruhezeit rund 800 Euro. Einen exklusiven Familien- oder Freundschaftsbaum berechnet Friedwald je nach Größe mit 3350 bis 6350 Euro. Die Gemeinden erhalten davon mindestens den Holzwert, schlagen aus ihren meist defizitären Wäldern mehr Kapital und bewahren – wie in Hümmel – ökologisch wertvolle Bestände vor dem Kahlschlag.

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