Betrugsverdacht: London ermittelt gegen Deutsche Bank

Betrugsverdacht: London ermittelt gegen Deutsche Bank

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Josef Ackermann

Deutschlands Bankenprimus ist nun auch am größten Finanzplatz Europas ins Visier der Ermittlungsbehörden geraten. Das britische Betrugsdezernat (SFO) untersucht angeblich Praktiken der Bank beim Verkauf von forderungsbesicherten Wertpapieren. In den USA drohen bereits milliardenschwere Klagen.

Als Josef Ackermann am Montagvormittag auf der Handelsblatt-Tagung „Banken im Umbruch“ in Frankfurt auftritt, erwartet ihn eine unangenehme Schlagzeile: Nach Informationen der britischen Wirtschaftszeitung Financial Times sammelt das Serious Fraud Office (SFO) in London derzeit Beweise dafür, dass die Deutsche Bank ihren Kunden beim Verkauf von forderungsbesicherten Wertpapieren falsche Informationen lieferte. Derartige strukturierte Produkte, bei denen Kredite unterschiedlicher Bonität aufgeteilt und neu kombiniert wurden, erfreuten sich ja nach der Jahrtausendwende großer Beliebtheit und trugen entscheidend dazu bei, dass die Welt 2007 in die tiefste Finanzkrise seit dem Zweiten Weltkrieg schlitterte.

Nun ist es nicht so, dass der Deutschen Bank damit schon die Eröffnung eines Verfahrens in England droht. Tatsache ist, dass es sich um Vorermittlungen handelt und neben der Deutschen Bank noch rund 17 andere großer Investmentbanken – darunter auch Goldman Sachs, Nomura und die Bank of America – ins Visier der SFO geraten sind. Die SFO habe noch keine offizielle Untersuchung eingeleitet, heißt es in der Financial Times (FT). Offenbar stochert die Behörde bei ihren Ermittlungen auch noch ziemlich im Nebel: SFO-Direktor Richard Alderman sagte der FT, die Ermittlungen seien schwierig, da die Behörde den Instituten eine Betrugsabsicht nachweisen müsse. Deshalb sei es sehr wichtig, Denunzianten („Whistleblowers“) aus dem Unternehmen selbst zu finden, denn sie seien die beste Quelle für Beweise, so Alderman. Gleichzeitig machte er deutlich, dass es sich noch um Vorermittlungen handelt. Die SFO kooperiere auch mit der Finanzaufsichtsbehörde FSA, die bisher offenbar selbst noch nicht tätig wurde. In der FT heißt es weiter Ackermann, habe die Vorwürfe bereits im Mai als „unbegründet“ zurückgewiesen.

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Deutsche Bank am Pranger

So muss für die Deutsche Bank die Unschuldsannahme gelten. Dennoch kommen die Berichte zu einem denkbarst ungünstigen Zeitpunkt. Denn die Bank sieht sich derzeit vor allem in den USA mit einer Reihe von Klagen konfrontiert. Erst am Freitag war eine neue Milliardenklage gegen die Deutsche Bank in den USA bekannt geworden: die Federal Housing Finance Agency (FHFA), die als Aufsichtsbehörde der beiden größten staatlichen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac, fungiert, will prozessieren, ebenso wie die US-Regierung selbst. Die DB-Tochter MortgageIT soll sich mit falschen Angaben zu faulen Krediten den Zugang zu einem Regierungsprogramm verschafft haben, um von Bürgschaften für die Hypotheken zu profitieren, schreibt das Handelsblatt. Im April hatte der US-Senat außerdem einen Bericht veröffentlicht, in dem die Rolle der Deutschen Bank in der Finanzkrise angeprangert wurde. All dies ist nicht gut für den Ruf von Deutschlands größter Bank und die Börse strafft die Aktie bereits ab.

In der Londoner City genießt die Deutsche Bank, die dort auch zu den größten Arbeitgebern gehört, bisher einen sehr guten Ruf und sie war in der Vergangenheit wiederholt als Berater des Finanzministeriums tätig. Ermittlungen wegen angeblichen Insiderhandels, die im Frühjahr 2010 gegen einen ihrer ehemaligen Mitarbeiter aufgenommen wurden, blieben bisher ohne juristische Konsequenzen. Bei einer Razzia von mehr als 143 Beamten der britischen Finanzaufsichtsbehörde FSA und der für die Bekämpfung des organisierten Verbrechens zuständigen Polizeibehörde Soca (Serious Organised Crime Agency) in 16 verschiedenen Orten in London und Südostengland wurden im März 2010 sechs Verdächtige, darunter auch Martyn Dodgson von der Deutschen Bank in London, verhaftet. Damals sorgte das für viel Wirbel, ist aber inzwischen wieder in Vergessenheit geraten und hat Anshu Jain, dem Chef des Investmentbanking, der nächsten Mai gemeinsam mit Jürgen Fitschen die Nachfolge von Josef Ackermann antreten wird, bisher nicht geschadet. Sollte die SFO gegen die Deutsche Bank allerdings ein Verfahren wegen Betrugsverdacht beim Verkauf von forderungsbesicherten Wertpapieren anstrengen, so wäre das für ihn ein schwerer Schlag.

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