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BGH kassiert Freispruch: Ackermann fühlt sich als Chef bestätigt

Nach der Aufhebung der Freisprüche im Mannesmann-Prozess haben Aktionärsschützer und Politiker den Deutsche-Bank-Chef zum Rücktritt aufgefordert. Josef Ackermann will davon nichts wissen.

Josef Ackermann muss im Fall Mannesmann erneut vor Gericht. Vorstandssprecher der Deutschen Bank wil
Josef Ackermann muss im Fall Mannesmann erneut vor Gericht. Vorstandssprecher der Deutschen Bank will er trotzdem bleiben. Foto: dpa

HB KARLSRUHE. Der Bank-Chef hat Spekulationen über seinen Rücktritt zurückgewiesen. „Der große Zuspruch und die enorme Unterstützung, die ich in den letzten Tagen und Wochen von Mitarbeitern, Kunden und Aktionären der Deutschen Bank erhalten habe, bestärkt mich darin, auch weiterhin als Sprecher des Vorstands und Chairman des GEC die Geschäfte der Bank zu leiten“, ließ der Schweizer am Mittwoch über einen Sprecher ausrichten. Zuvor hatte der Bundesgerichtshof den Freispruch gegen Ackermann im Mannesmann-Prozess kassiert. Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank stellt sich zudem ebenfalls demonstrativ hinter den Vorstandssprecher. „Der Aufsichtsrat spricht erneut Herrn Dr. Ackermann sein uneingeschränktes Vertrauen aus“, erklärte das Gremium am Mittwoch in Frankfurt. „Der Aufsichtsrat hat keinen Zweifel, dass Herr Dr. Ackermann seine Arbeit erfolgreich fortsetzen wird und unterstützt ihn dabei.“ Die Neuauflage des Verfahrens sei allerdings bedauerlich. Aufsichtsratschef Rolf Breuer hatte zuvor noch in der „Financial Times Deutschland“ über die mögliche Suche nach einem Nachfolger spekuliert. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte am Vormittag in Karlsruhe die Freisprüche des Düsseldorfer Landgerichts vom Sommer 2004 aufgehoben. Damit muss das Verfahren um Millionen-Abfindungen an frühere Manager nach der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone neu aufgerollt werden. Ackermann und andere Angeklagte haben sich nach Ansicht des BGH der Untreue schuldig gemacht. Aktionärsschützer haben nach dem Richterspruch den Deutsche-Bank-Chef zum Rücktritt aufgefordert. „Solange er Vorstandssprecher bleibt, ist der Fall Mannesmann auch immer ein Fall Deutsche Bank“, sagte die Sprecherin der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, Reinhild Keitel, am Mittwoch in Frankfurt. Auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) verlangte, Ackermann müsse über einen Rücktritt nachdenken. „Der Schaden für die Bank wird immer größer“, sagte DWS-Sprecher Jürgen Kurz in Düsseldorf. Auch SPD, Grüne und Linkspartei haben Kritik an Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann geübt. Der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen, Matthias Berninger, verlangte am Mittwoch in Berlin, die beteiligten Manager und Gewerkschafter sollten persönlichen Konsequenzen ziehen. Bundestagsvizepräsidentin Susanne Kastner forderte Ackermann zum Rücktritt auf. „Herr Ackermann sollte überlegen, ob ein solcher Schritt für die Bank und ihre Kunden nicht der Beste ist“, sagte die SPD-Politikerin dem Berliner „Tagesspiegel“. Kastner forderte einen Gesinnungswandel in den Top-Etagen der deutschen Wirtschaft. Das „mutige Urteil“ könne einen Beitrag dazu leisten, dass „die Unternehmer sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst werden“. Auch der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Joachim Poß dachte laut über einen Rücktritt Ackermanns nach. Der Manager habe schon oft bewiesen, dass Fingerspitzengefühl nicht seine Stärke sei, sagte Poß der „Financial Times Deutschland“. „Er ist nun in einer Situation, wo er die Perspektiven einmal überprüfen sollte.“ Auch der Aufsichtsrat sollte sich nach seinen Worten mit der Frage auseinander setzen, „ob eine große Deutsche Bank so geführt werden kann“. Der stellvertretende Vorsitzende der Linkspartei, Bodo Ramelow, nannte die BGH-Entscheidung „eine schallende Ohrfeige für arrogante Selbstbedienungsmentalität und Abzocker in Nadelstreifen“. Das Urteil sei ein Auftrag an den Gesetzgeber, die Regelungen für Manager enger zu fassen. Berninger nannte die Neuauflage des Mannesmann-Prozesses einen Gewinn für Verbraucher und Aktionäre. Schon jetzt sei das Verfahren eine Mahnung an die Spitzen der Konzerne, bei künftigen Transaktionen Maß zu halten. Unions-Finanzexperte Otto Bernhardt sagte zudem der "Financial Times Deutschland", er rechne mit einem Rücktritt Ackermanns. „Ein Jahr lang öffentlich vorgeführt zu werden, das hält Ackermann vielleicht als Person durch, aber nicht als Vorstandsvorsitzender. Den Druck wird er nicht lange durchhalten.“ Die hohen Abfindungszahlungen bei der Mannesmann-Übernahme hätten der deutschen Wirtschaft geschadet und seien in der Bevölkerung auf Unverständnis gestoßen. Die FDP verlangte derweil, die Bundesregierung müsse für Rechtsklarheit und Rechtssicherheit für Vorstände, Geschäftsführer und Aufsichtsräte sorgen. „Eine Überarbeitung und Konkretisierung der aktienrechtlichen Vorschriften über die Pflichten und Verantwortung von Managern ist dringend erforderlich“, erklärten die rechtspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und der FDP-Wirtschaftsexperte Hartfried Wolff. Der Untreue-Tatbestand bedürfe dringend einer Präzisierung.

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