
Nach einer Studie der Aktionärsvereinigung Expert Corporate Governance Service (ECGS) teilen Deloitte, Ernst&Young, KPMG und PwC rund 97 Prozent der lukrativsten Bilanzprüfungen unter sich auf.
Binnenmarktkommissar Michel Barnier bezifferte den Anteil der so genannten Big Four bislang auf 90 Prozent. Schon bei dieser Größenordnung spricht Barnier von Systemrelevanz. Er will deren Marktmacht beschränken - unter anderem durch das Verbot, ein Unternehmen gleichzeitig zu prüfen und zu beraten. Das stößt teils auf massiven Widerstand der Branche.
Barniers Plan wird dagegen von der ECGS unterstützt. Jella Benner-Heinacher, Chairwomen der Vereinigung, hält es für "fragwürdig, wenn eine Gesellschaft im Rahmen ihrer Prüfungstätigkeit etwas prüft, was sie vorher als Beratungsunternehmen selbst entwickelt hat".
Die Untersuchung beruht auf 450 europäischen Aktiengesellschaften mit der höchsten Börsenkapitalisierung. ECGS hat sich sowohl die Honorare für Abschlussprüfungen als auch für weitergehende Beratung angesehen. Ergebnis: Die gesamte Branche kassierte 2,9 Milliarden Euro für Prüfungen, 374.000 Euro für prüfungsnahe Dienstleistungen und 777.000 Euro für Beratung, beispielsweise Steuerberatung. Knapp vier Milliarden des Gesamtmarktes entfielen auf die "Big Four", nur gut 100 Millionen Euro auf den Rest.
Europaweit kommen 19 Prozent der Einnahmen aus Aufträgen jenseits der Bilanzierung. Dieses Verhältnis sei zwar nicht so desaströs, wie der Vorstoß der EU vermuten lasse, sagt Benner-Heinacher. Trotzdem sei der Anteil der Nicht-Prüfungshonorare zu hoch. Die ECGS befürchtet Interessenkonflikte.
Barnier hat erst vor wenigen Tagen zur Überraschung der Branche bekräftigt, an der Trennung von Beratung und Prüfung festhalten zu wollen. Andere Pläne wie etwa die staatliche Gebührenkontrolle oder gar Auftragsvergabe durch eine neue Behörde sind nach dem derzeitigen Stand der Beratungen ad acta gelegt.
Die Branche beklagt seit Jahren den heftigen Preiswettbewerb bei Aufträgen für Abschlussprüfungen. Deshalb weichen die Gesellschaften gern auf andere, lukrativere Beratungsgebiete aus. Trotzdem sind Topmandate wegen des Imagefaktors sehr gefragt. Abschlussprüfungen sind in Deutschland mit durchschnittlich 13 Millionen Euro Vergütung am teuersten. Spitzenhonorare bezahlten 2010 die Deutsche Bank (71 Millionen), Eon (59 Millionen) und Siemens (47 Millionen). Das teuerste Testat in Europa bekam die Schweizer Bank UBS für 73 Millionen Euro von Ernst&Young.













