Bilanz der Finanzkrise: Die Zeche für die Krise

Bilanz der Finanzkrise: Die Zeche für die Krise

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Bierdeckel-Grafik: Wer zahlt die Zeche für Lehman Brothers

von Mark Fehr, Niklas Hoyer, Christian Ramthun, Cornelius Welp, Peter Steinkirchner, Hans-Jürgen Klesse und Annina Reimann

Das neue Wirtschaftswunder macht die Krise fast vergessen. Doch auch künftig wird uns die größte Rezession der Nachkriegszeit Milliarden kosten. Wie hoch war der Schaden für die Deutschen, was droht uns noch? Was haben die gigantischen Hilfspakete gebracht? Eine erste Zwischenbilanz zwei Jahre nach der Lehman-Pleite.

Auf der Herzo-Base hämmern die Handwerker. In dem parkähnlichen Hauptquartier der Adidas-Gruppe entsteht gerade das „Laces“, ein futuristisches dreistöckiges Bürogebäude für 1400 Mitarbeiter. Die sollen hier von 2011 an über Marketingideen brüten. Zwar ist der Bau auf den Hügeln oberhalb des fränkischen Städtchens Herzogenaurach noch ein Rohling. Doch seine Botschaft ist klar: Der Dax-Konzern Adidas wächst an allen Enden. Umsatz und Gewinn sind im ersten Halbjahr 2010 gestiegen, die Schulden deutlich reduziert, die Aussichten gut – von Krise spricht hier keiner mehr.

Zwei Autostunden nordwestlich ist der Optimismus deutlich gedämpfter. Bei der Commerzbank in Frankfurt gibt es allenfalls Lichtblicke. Immerhin hat das teilverstaatlichte Kreditinstitut im ersten Halbjahr wieder 1,1 Milliarden Euro Gewinn erzielt. Das weckt Hoffnung, dass die rund 18 Milliarden Euro Kapital irgendwann zurückfließen, mit denen der Steuerzahler die Bank vor der Pleite bewahrt hat. Bisher hat das Kreditinstitut dafür nicht einmal Zinsen gezahlt.

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Wie hoch ist der Preis?

Derzeit wird in Frankfurt über eine Kapitalerhöhung spekuliert, mit der die Bank einen Teil der Staatshilfen zurückzahlen könnte. Mehr als drei Milliarden Euro dürften nach aktuellem Stand aber nicht herauskommen. Ob die Rettung für den Steuerzahler jemals ein gutes Geschäft wird, bleibt mehr als fraglich.

Commerzbank und Adidas sind symptomatisch für die Bewältigung der größten Wirtschaftskrise der Nachkriegsgeschichte und für die Rechnungen, die entweder beglichen oder noch offen sind. Während viele Finanzhäuser ohne sicher absehbares Ende noch am Staatstropf hängen, jubeln immer mehr Chefs von Industrieunternehmen über volle Auftragsbücher und explodierende Gewinne – bei den Autobauern Daimler und BMW oder beim Chemieriesen BASF.

Zwei Jahre nachdem die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers die Weltwirtschaft in den Abgrund taumeln ließ, scheint Deutschland mit einem blauen Auge davongekommen zu sein. Das sensationelle Wirtschaftswachstum von mehr als vier Prozent im Frühjahrsquartal und die optimistischen Prognosen von bis zu 3,5 Prozent für 2010 tauchen das Land in beste Konjunkturlaune.

Doch wie hoch war der Preis dafür? Wie viele Milliarden haben die Steuerzahler zur Bekämpfung der Krise investiert, und was hat es gebracht? Wo lauern teure Spätfolgen? Und wie viel haben private Anleger verloren? Es ist Zeit für eine erste Abrechnung, eine vorläufige Bilanz.

Durch die Krise schrumpfte die Wirtschaftsleistung der Industrieländer zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg. Im Kampf dagegen steckten Bund, Länder und Gemeinden rund 100 Milliarden Euro an Konjunkturhilfen in die deutsche Wirtschaft – allein 62 Milliarden Euro in Form von zwei Konjunkturpaketen, die die Steuerzahler entlasteten und die private Nachfrage förderten. Hinzu kam ein Rettungsschirm des Bundes für krisengefährdete Unternehmen. Von den geplanten 115 Milliarden Euro für Bürgschaften und Kredite wurden bis Ende August 2010 allerdings erst 18 Milliarden bewilligt, davon 9,1 Milliarden als Kredite. Die Gefahr größerer Ausfälle ist niedrig, denn mit mehr als 16 000 gestützten Unternehmen hat der Fonds eine ausgewogene Risikostruktur. Wegen des geringen Interesses reduziert die Bundesregierung den Gewährleistungsrahmen auf 60 Milliarden Euro. Anträge können nur noch bis Ende 2010 gestellt werden.

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14 Kommentare zu Bilanz der Finanzkrise: Die Zeche für die Krise

  • "Commerzbank und Adidas sind symptomatisch für die bewältigung der größten Wirtschaftskrise der Nachkriegsgeschichte.."

    Die von ihnen symbolisch bezeichneten DAX - Unternehmen machen gerade mal 5% der deutschen Wirtschaft aus. bei den KMUs sieht es schon anders aus und diejenigen Firmen die nicht vom Export profitieren bei denen sieht es ganz schlecht aus.

    Die 4% Wachstum ist lediglich ein Rebound der abgestürtzten Wirtschaftsaktivität in den Jahren 2008- 2009. Das Niveau vor 2008 ist noch nicht erreicht.

    Das als "Wirtschaftswunder" zu nennen ist schlicht und einfach die Kategorie Propaganda wie in der früheren DDR.

    Die KMUs hierzulande leiden stark unter der bürokratie und der Gängelung der betriebsprüfungen der Finanzämter. Hier wird richtig Kasse mit dem Steuerwirrwarr gemacht. Wer widerspricht hat die Wahl zwischen einem jahrelangen zermürbenden, teuren Kampf gegen die betriebsprüfungstellen und der Steuerfahndung (buStra) oder gleich bezahlen und den Laden zu machen.
    Man muss sich nur mal die stetigen Einnahmenzuwächse der betriebsprüfungen der letzten Jahre ansehen und dann weiss man was für hier gespielt wird.

  • @Watz
    Klingt wichtig. Hat Watz dazu auch belege?

  • Teil iii
    Alles noch Peanuts in Relation zum US-Gewerbeimmobilienmarkt, der gerade dabei ist, sich in Luft aufzulösen. Viermal so groß wie der Wohnimmobilienmarkt, es geht um Kreditrisiken über 5 bio. Dollar, die jetzt im Herbst prolongiert, bzw. umgeschuldet werden müssen. Und gerade hier sind die deutschen bankster massiv involviert. Dagegen sind HRE und andere betrüger ganz kleine Lichter.
    Die Staaten weltweit haben darauf gehofft, mit all den Rettungsmaßnahmen einen selbsttragenden Aufschwung auszulösen. Na ja, falsch gedacht.
    Jetzt haben wir nicht nur ein Wirtschaft, die mit 30-50% Auslastung läuft und keine Gewinne mehr abwirft, jetzt müssen die Staaten auch noch die zusätzlichen Kreditverpflichtungen erfüllen. Steigt der Zins nur um 2%, dann sind gleich ein Dutzend Staaten pleite, ich meine noch mehr pleite als bisher schon.
    Es spielt also keine Rolle, ob der Euro oder der Dollar kollabiert, oder der chinesische immobilienmarkt zusammenbricht, die Kettenreaktion sorgt unaufhaltsam für den „Rest“.

    Der erträumte Aufschwung – Eine Fata Morgana.

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