Bilanzzahlen: Deutsche Bank erzielt dank neuer Bilanzregeln Quartalsgewinn

Bilanzzahlen: Deutsche Bank erzielt dank neuer Bilanzregeln Quartalsgewinn

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ARCHIV - Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, gibt am 07.02.2008 in Frankfurt am Main die Bilanzzahlen des Unternehmens bekannt. Die Deutsche Bank veröffentlicht am Donnerstag (30.10.2008) ihre Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2008. Analysten erwarten sowohl vor Steuern als auch nach Steuern einen Verlust in dreistelliger Millionenhöhe. In den Monaten Juli bis September hatte sich die Krise an den internationalen Finanzmärkten noch einmal drastisch verschärft. Foto: Frank May dpa/lhe (c) dpa - Bildfunk

Andere Banken mögen wegen der Finanzkrise Milliardenverluste einfahren, die Deutsche Bank bleibt knapp in der Gewinnzone: Im abgelaufenen Quartal hat die Deutsche Bank vor allem dank der jüngst geänderten Bilanzierungsregeln einen Gewinn von 93 Millionen Euro erzielt. Dem Aktienkurs tat das gut, die Aussichten sind allerdings düster.

Obwohl schwarzen Zahlen im von der Finanzkrise besonders geprägten dritten Quartal positiv zu werten sind, fiel der Gewinneinbruch dramatisch aus: Von Juli bis September lag der Gewinn vor Steuern bei 93 Millionen Euro, vor einem Jahr hatte das Institut vor Steuern noch 1,449 Milliarden Euro verdient.

Unter dem Strich lag der Gewinn wegen einer zusätzlichen Steuergutschrift zwischen Juli und September dieses Jahres bei 414 Millionen (Vorjahr: 1,631 Milliarden) Euro. Die Abschreibungen im Zusammenhang mit der Finanzkrise beliefen sich auf 1,2 Milliarden Euro. Allerdings blieben dem Branchenprimus weitere 845 Millionen Euro an Wertberichtigungen durch die Anwendung der von der EU-Kommission jüngst gelockerten Bilanzierungsregeln erspart.

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Seit kurzem dürfen europäische Banken bestimmte zum Verkauf gestellte Wertpapiere, für die es in der aktuellen Krise keinen Markt gibt, vom Handelsbuch in ihre Anlagebestände umbuchen. Voraussetzung ist, dass sie diese in absehbarer Zeit nicht mehr verkaufen wollen. Damit müssen sie die entsprechenden Papiere nicht mehr nach aktuellen Marktpreisen bewerten, was in den vergangenen Quartalen zu hohen Abschreibungen geführt hatte. Der Nettogewinn wurde zusätzlich von einer Steuergutschrift in Höhe von 321 Millionen Euro gestützt. Darüber hinaus trennte sich die Deutsche Bank von ihrer restlichen Beteiligung an der Allianz und kassierte dafür 229 Millionen Euro.

Dem zuletzt arg gebeutelten Aktienkurs der Deutschen Bank taten diese Nachrichten gut: Zu Börseneröffnung stiegen Aktien der Deutschen Bank um 4,44 Prozent auf 25,90 Euro.

Ackermann erwartet Eintrübung in allen Kundensegmenten

Die Deutsche Bank steht nach den Worten von Vorstandschef Josef Ackermann unvermindert zum staatlichen Rettungspaket für die Banken. „Wir haben die abgestimmten Maßnahmen von Regierungen und internationalen Organisationen zur Stabilisierung des Finanzsystems von Anfang an begrüßt und werden sie weiter unterstützen“, schrieb Ackermann in seinem heute veröffentlichten Brief an die Aktionäre. Ackermann war zuletzt auch von der Bundesregierung scharf kritisiert worden, weil er erklärt hatte, sein Haus werde dass 500- Milliarden-Rettungspaket nicht in Anspruch nehmen.

Wegen der anhaltenden Finanzkrise sieht Deutschlands größtes Geldhaus das Geschäft in allen Kundensegmenten der Bank beeinträchtigt. Die Börsengänge lägen erheblich unter dem Niveau der Jahre 2006 und Anfang 2007, die Aktivitäten bei Fusionen und Übernahmen sowie bei kreditfinanzierten Unternehmenskäufen seien ebenfalls deutlich gesunken, schrieb Ackermann weiter.

„Das Umfeld im Kreditgeschäft beginnt sich einzutrüben“, betonte er. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen sowie die Ausfallquoten im Kredit- und Kreditkartengeschäft gingen „erheblich nach oben“. Sowohl institutionelle als auch private Anleger seien mittlerweile äußerst zurückhaltend. Die Deutsche Bank werde wegen der extrem schwierigen Bedingungen die Risikopositionen in den betroffenen Bereichen weiter „sehr genau überwachen“.

Es werde noch einige Zeit vergehen, bis die Maßnahmen der Regierungen und Zentralbanken greifen. „Die Aussichten für die Bankenbranche haben sich erheblich verschlechtert“, hieß es im Quartalsbericht. Nach Ansicht der größten deutschen Bank steht die rückläufige Kreditvergabe der Banken erst am Anfang: „Dieser Prozess dürfte sich noch über mehrere Quartale hinziehen und ebenfalls zu einer spürbar geringeren Rentabilität führen“

Die klassischen Ertragssäulen schrumpften gegenüber dem Vorjahresquartal, als sich die Krise sich bei der Deutschen Bank zum ersten Mal spürbar niederschlug, insgesamt weiter. Sie lagen bei 4,4 Milliarden Euro nach 5,1 Milliarden Euro im Vorjahr. Der Zinsüberschuss verbesserte sich allerdings um 44 Prozent auf 3,06 Milliarden Euro. Der Provisionsüberschuss fiel um 21 Prozent auf 2,38 Milliarden Euro. Das Handelsergebnis lag wegen der Marktturbulenzen 1,41 Milliarden Euro im Minus nach einem bereits negativen Wert von 835 Millionen Euro im Vorjahr. Die Rücklagen für faule Kredite fielen mit 236 Millionen Euro mehr als doppelt so hoch aus wie im Vorjahr. Dies ist ein weiterer Effekt der neuen Bilanzierung: Die umgebuchten Wertpapiere müssen nun klassisch nach ihrem Ausfallrisiko bewertet werden. Dies schlägt sich in der Risikovorsorge nieder.

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