Bildung: Neuer Wissenschaftspark Odysseum will Technik-Begeisterung schüren

Bildung: Neuer Wissenschaftspark Odysseum will Technik-Begeisterung schüren

Im Kölner Odysseum werden Wissenschaft und Technik zu einem Abenteuer. Kann der neuartige Hightech-Abenteuerpark mehr junge Menschen für Naturwissenschaft begeistern?

Die Kontrahenten sitzen sich an einem großen Glastisch gegenüber. Beide tragen dunkle Stirnbänder, die mit einem Klettverschluss befestigt sind. In Tischmitte liegt eine kleine Kugel, die sich beim Betätigen des Startknopfes langsam auf einen der Beiden zubewegt. Gewonnen hat der, der es schafft, sie möglichst weit von sich zu weisen. Das geschieht indirekt mit den winzigen Strömen, die im Gehirn fließen. Sie werden von drei Elektroden registriert, die die Stirnbänder auf die Haut pressen. Die gemessenen Stromstärken werden in Steuerbefehle für die Kugel umgesetzt. Aggressivität ist hier völlig fehl am Platz. Denn die Kugel entfernt sich von dem, dessen Gehirn die geringsten Ströme erzeugt, also maximal entspannt ist.

So lernen die Besucher des Kölner Odysseums etwas über die Funktion der Gehirnströme, genauer von Alpha- und Theta-Wellen, und deren Messung – der Arzt nennt die Prozedur Elektroenzephalografie. Und das Schönste: Die Probanden haben noch Spaß daran.

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Sollen sie auch. Lernen und sich dabei glänzend unterhalten, das ist das Ziel des Wissenschafts-Abenteuerparks, der gerade in Köln eröffnet worden ist. „Wir sind voll interaktiv“, sagt Thomas Puy-Brill, Geschäftsführer der SMG Sciense Ceter Services Köln GmbH, die die Anlage betreibt. Vor allem Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene sollen dort spielerisch technisches und naturwissenschaftliches Know-how verinnerlichen. Zusätzlich lernen die spielenden und agierenden Besucher etwas über gesellschaftliche Zusammenhänge, über die Globalisierung beispielsweise. So ist auf einer Weltkarte zu sehen, welche Stationen ein simples T-Shirt durchläuft – von der Baumwollernte bis zum Verkauf. Da kommt locker ein Erdumfang zusammen, der bei rund 40.000 Kilometer liegt, und mehr.

Filmisch und akustischer Urknall

„Wir gehören zu den ersten Wissenschaftsparks der dritten Generation“, sagt Puy-Brill. Darin wird das von Wissenschaftlern wie dem Schweizer Professor Heinz Rico Scherrieb vom Kompetenzzentrum Regionalentwicklung, Bau und Tourismus der Hochschule für Technik und Wirtschaft im schweizerischen Chur als hoch effektiv angesehene Edutainment ganz groß geschrieben, also lernen und sich dabei ganz nebenbei unterhalten und amüsieren. Scherrieb ist Experte für die Angebotsoptimierung von Erlebniswelten mit dem Ziel, möglichst viele Besucher anzuziehen und sie bestmöglich zu informieren und zu unterhalten.

Erste Station für jeden Odysseum-Besucher ist eine so genannte Transportbox. Darin findet filmisch und akustisch der Urknall statt, der Augenblick, in dem das Weltall entstand. Der Boden, von Aktoren bewegt, rüttelt die Besucher urknallmäßig ordentlich durch. Nach kurzer Zeit öffnet sich die Tür zum Themenraum Leben, einem von fünf Bereichen, in denen das, was für die Menschheit in Zukunft wichtig ist, erleb- und erlernbar ist. Ein verkleinerter, aber immer noch imposanter Tyrannosaurus Rex, Symbol für die gewaltigen Veränderungen, die es auf der Welt gibt, erwacht alle paar Minuten zum Leben, brüllt die Besucher an und bewegt sich täuschend echt, gemäß dem alles überlagernden Motto des Wissenschafts-Abenteuerparks: Alle Sinne werden angesprochen.

„Das Deutsche Museum in München ist gewissermaßen die Stammzelle, in der Teile dessen verwirklicht ist, was wir mit letzter Konsequenz realisiert haben“, sagt Puy-Brill mit einer Verbeugung Richtung München. Leben: Dazu gehört ganz wesentlich das Wachstum der Pflanzen. An zwei künstlichen Bäumen sind Blätter mit Solarzellen befestigt, die so gedreht werden müssen, dass sie optimal von der künstlichen Sonne im Raum beschienen werden. Derjenige, der die beste Position am schnellsten erreicht, wird mit einem Baum belohnt, der auf einem großen Monitor sprießt.

Hunderte Experimente

Hunderte Experimente warten auf den Besucher, eine Brille beispielsweise, die den Fokus verschiebt und damit demonstriert, wie sich die Sinne täuschen lassen. Selbst gute Ballwerfer treffen, derart verwirrt, kaum den Korb. Die nächste Transportbox entlässt die Besucher in den Cyberspace. Hier werden die Erde, das Sonnensystem und die Galaxien, zu denen es gehört, aus beliebigen Entfernungen sichtbar – eine virtuelle Reise ins All.

Wer im Odysseum den von manchem Schüler verhassten Satz des Pythagoras erlebt hat, wird ihn nie vergessen. Quadratische, mit einer öligen Flüssigkeit gefüllte Plexiglasbehälter über Katheten und Hypothenuse lassen sich gewissermaßen auf den Rücken legen, sodass die Flüssigkeiten aus den beiden Kathetenbehältern in den Hypothenusenbottich fließen. Das Ergebnis, wie zu erwarten: In die zwei kleineren Behälter passt genauso viel hinein wie in den großen.

Genetisches Alphabet

Die Geheimnisse des genetischen Alphabets vermittelt ein Flipper, der keine Punkte zählt, sondern Biobuchstaben auswählt, die sich mit der Zeit zum Code eines Lebewesens verdichten. An einer anderen Station lässt sich mit Hilfe eines Trimmrades ein Effekt simulieren, der auf Einsteins Spezieller Relativitätstheorie beruht: Die Simulation der Sinneseindrücke kurz vor Erreichen der Lichtgeschwindigkeit. Je schneller der Strampler fährt, umso stärker neigen sich die Fassaden, bis sie einen Tunnel bilden, eine eindrucksvolle Demonstration nach dem Vorbild des Deutschen Museums. In der Kinderstadt schließlich lernen schon die Kleinsten, wie Solarzellen funktionieren und ein Tornado sich bewegt.

„Wir sind kein Museum“, sagt Puy-Brill mit Blick auf die bisher in Deutschland existierenden Science Center, in denen es durchaus Objekte gibt, die reine Ausstellungsstücke sind. Eine Ausnahme machen die Kölner doch. Der benachbarte Motorenhersteller Deutz stiftete zwei funktionstüchtige Gasmotoren aus den Jahren 1873 und 1877. Ab und zu werden sie in Betrieb genommen. Dann bleiben die Experimente, die die Zukunft der Menschheit erklären, links liegen. Die Nostalgie gewinnt. 

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