Bilfinger Berger-Chef Bodner : "Bisher spüren wir keinen Imageschaden"

Bilfinger Berger-Chef Bodner : "Bisher spüren wir keinen Imageschaden"

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Der neue Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Herbert Bodner, gibt am Donnerstag (08.01.2009) auf einer Pressekonferenz in Berlin einen Ausblick auf das kommende Jahr. Die deutsche Baubranche erwartet angesichts der Wirtschaftskrise in diesem Jahr bestenfalls stabile Umsätze. Foto: Tim Brakemeier dpa/lbn (c) dpa - Bildfunk

Bilfinger-Berger-Chef Herbert Bodner über den Einsturz des Stadtarchivs in Köln, die Krise in der Bauindustrie und Mieterhöhungen als Anreiz zur Gebäudesanierung.

WirtschaftsWoche: Herr Bodner, wissen Sie noch, was Sie am 3. März 2009 gemacht haben?

Bodner: Am 3. März? Das war der Tag, als in Köln das Stadtarchiv einstürzte.

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Wie haben Sie davon erfahren? Bilfinger Berger ist ja Konsortialführer beim Kölner U-Bahn-Bau, und das Stadtarchiv stand über Ihrer Baustelle.

Wir hatten Vorstandssitzung, plötzlich wurde mir ein Zettel hereingereicht. Den habe ich den Kollegen vorgelesen. Viel mehr, als dass ein großes Unglück passiert war, war zu diesem Zeitpunkt aber nicht klar. Der Tod zweier Menschen und der Verlust an Kulturgütern ist natürlich furchtbar.

Hat sich Ihr Unternehmen an Hilfen für die Opfer beteiligt, die ihre Wohnungen in den beschädigten Häusern nahe der Einsturzstelle verloren haben?

Ich habe dem Kölner Oberbürgermeister bereits unsere Hilfe angeboten. Bisher ist man jedoch nicht auf uns zugekommen.

Wie lange wird sich der Weiterbau der U-Bahn noch verzögern?

Es kommt darauf an, wann wir wieder an die Baustelle dürfen. Dort wird es umfangreiche Reparaturen geben. Dafür steht eine Truppe von uns Gewehr bei Fuß. Zurzeit ist aber noch nicht klar, wie die Baustelle repariert wird und wer das bezahlt.

Für Haftungsansprüche und Bauschäden hat Bilfinger Berger Versicherungen. Den Imageschaden aber nimmt Ihnen niemand ab. Fürchten Sie unangenehme Fragen bei der Haupt-versammlung am 7. Mai?

Bisher spüren wir keinen Imageschaden. Sollte sich herausstellen, dass wir einen maßgeblichen Anteil an der Verantwortung für das Unglück haben, werden wir unserer Verantwortung auch gerecht.

Käme für Sie im Fall einer klaren Schuldzuweisung an Bilfinger Berger ein Rücktritt infrage?

Wir stehen am Anfang der Ursachenfindung und wollen die Ermittler und Gutachter nach Kräften unterstützen. Spekulationen weiter anzuheizen ist dabei wenig hilfreich.

Köln ist ein Sonderproblem für Bilfinger Berger. Über allem aber schwebt die schlechte Wirtschaftslage. Wurden Ihnen Aufträge storniert?

Von Stornierungen im Baubereich sind wir bisher nicht betroffen. Aber die Lage in den Geschäftsfeldern muss man differenziert sehen. 2009 sind wir im Ingenieurbau – dazu gehört der Bau etwa von U-Bahnen, Brücken, Stadien – noch ausgelastet und voll damit beschäftigt, die Aufträge abzuarbeiten.

Im Hochbau sieht das inzwischen anders aus, obwohl auch da die Auslastung bis in den Herbst reicht.Gibt es dann Kurzarbeit und Entlassungen?

Wir planen derzeit keine Entlassungen. Im Hochbau hilft uns die geringe Wertschöpfungstiefe – da arbeiten wir ja viel mit Subunternehmern.

Die Jobs fallen dann dort weg. Wie sieht es aber in Ihrer Sparte Industrial Services aus? Wenn Ihre Kunden etwa aus der Chemieindustrie Anlagen stilllegen, muss Bilfinger Berger diese doch weniger warten.

Bei vorübergehenden Stilllegungen müssen die Anlagen betriebsbereit bleiben, also auch gewartet werden. Aber natürlich nimmt der Wartungsumfang ab, das Gleiche gilt für die Wartung von Büroimmobilien, die durch die Krise leer stehen.

Wie groß ist der Druck Ihrer Kunden, Nachlässe bei den Preisen zu gewähren?

Vereinbarte Preise stehen nicht neu zur Debatte. Aber über den Leistungsumfang von Aufträgen werden wir im Einzelfall sprechen müssen...

...was weniger Umsatz bringt.

Das mag im Einzelfall sein. Insgesamt jedoch werden wir im Dienstleistungsbereich weiter wachsen und damit bald mehr Umsatz machen als mit dem Baugeschäft.

Durch mehr Aufträge oder durch Firmenübernahmen? Sind Sie doch noch an der Industrieservice-Sparte von ThyssenKrupp interessiert?

Das Interesse an einer Gesamtübernahme wurde uns angedichtet. Zu uns würden allenfalls Teilbereiche passen, die aber nicht einzeln zum Verkauf stehen. Richtig ist: Wir halten Liquidität trocken für die Übernahme kleinerer oder mittelgroßer Anbieter, wenn sich eine Gelegenheit bietet – auch in diesem Jahr. Die gute Entwicklung der vergangenen Jahre beruhte aber nicht nur auf Übernahmen, sondern war auch organisches Wachstum.

Wird Ihr Bau-Umsatz 2009 schrumpfen?

Wir konzentrieren uns im Baubereich nicht auf Masse, sondern auf die Marge. Wir nehmen nur rentable Aufträge an. Einen Rückgang im Baugeschäft akzeptieren wir eher als nicht lukrative Aufträge.

Ist in der Krise der Druck auf die Preise so hoch, dass man das betonen muss?

Die Preisentwicklung ist zurzeit schwer abzuschätzen. Insgesamt glaube ich aber, der Markt ist vernünftiger geworden. Wozu es führt, wenn man um jeden Preis Aufträge annimmt, um Kapazitäten auszulasten, hat die Vergangenheit gezeigt...

...als Konkurrenten wie Philipp Holzmann und Walter Bau von der Bildfläche verschwanden. Brauchen Sie den Bau überhaupt noch? Zwei Drittel des Gewinns liefert der Servicebereich.

Aus dem Baugeschäft in Deutschland kamen 2008 nur noch 14 Prozent der Konzernleistung. Aber es gibt Synergien, denn über die Baukompetenz gewinnen wir beispielsweise Serviceaufträge. Wachsen müssen wir aber in den anderen Sparten.

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