Bilfinger-Berger-Chef Roland Koch: "Ich werde kein politischer Eunuch"

Bilfinger-Berger-Chef Roland Koch: "Ich werde kein politischer Eunuch"

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Roland Koch

von Henning Krumrey, Stephanie Heise und Harald Schumacher

In seinem ersten Interview als neuer Chef von Bilfinger Berger spricht der Ex-Politiker über Zukäufe in Indien, Korruption in Nigeria und fordert von Berlin gesetzlichen Schutz vor Übernahmen.

WirtschaftsWoche: Herr Koch, Steuersenkungen, Energiewende – juckt es Sie in den Fingern, in aktuelle Debatten einzugreifen?

Koch: Ich will im Unternehmen zeigen, was ich im Tagesgeschäft kann, bevor ich mich mit solchen Fragen beschäftige. Aber mein Arbeitsvertrag gebietet mir nicht, ein politischer Eunuch zu sein.

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Ist Ihr Prominentenstatus ein Vor- oder Nachteil für die Vorstandsarbeit?

Beides. Ein Vorteil ist es, jemanden aus dem alten, weltweiten Netzwerk fragen zu können, etwa zu einer Einschätzung der politischen Lage in einem bestimmten Land. Ein Nachteil ist, dass die Medien bei einem bekannten Gesicht ein Problem viel eher personifizieren. Ich wurde Mitte Oktober vom Aufsichtsrat gewählt, und schon Mitte November war die Straßenbahn im schottischen Edinburgh...

...bei deren Bau Bilfinger Ärger mit der Stadt hat...

... „meine“ Straßenbahn.

Als Ministerpräsident des Landes Hessen trugen Sie für sechs Millionen Menschen Verantwortung, als Bilfinger-Chef für knapp 60.000, verdienen nun aber dreimal so viel. Stimmen die Maßstäbe?

Wenn Politik in einer solchen Dimension bezahlt würde, würde sie die falschen Leute anziehen. Menschen, die sich in der Politik engagieren, dürfen keine Gewinnmaximierer sein. Ich selber habe mich nie schlecht bezahlt gefühlt.

Was befähigt Sie, nach Jahrzehnten in der Politik plötzlich einen Konzern zu leiten?

Es wird extrem unterschätzt, was ein Regierungschef zu tun hat. Er trägt ja Verantwortung für große Verwaltungseinheiten. Ich habe in den vergangenen zehn Jahren Hessen aus der alten Kameralistik komplett in eine Betriebswirtschaft nach dem Handelsgesetzbuch überführt. Wir hatten in der Verwaltung die gleiche Diskussion über die Einführung von SAP und anderen Rechnungssystemen, wie sie mir jetzt bei Bilfinger begegnet. Die Unterschiede zwischen politischem und unternehmerischem Management sind nicht so groß.

Was heißt für Sie gute Führung?

In meinem neuen Job können Sie unendlich viel anweisen und werden nichts erreichen. Gutes Management besteht darin, dass man Menschen nichts befiehlt. Sie müssen es als Führungskraft schaffen, dass die Menschen sich in etwa so bewegen, wie Sie es erwarten, weil Sie diese Erwartungen gut kommuniziert haben.

Die Wende vom Bau- zum Dienstleistungskonzern hat Ihr Vorgänger auf den Weg und zu Ende gebracht. Sie dürfen nun für eine Milliarde Euro Unternehmen kaufen – aber keine Fehler machen.

Ich finde es schön, mal in eine Situation zu kommen, in der die erste Aufgabe nicht Sanierung ist. Es gibt genug Raum, Akzente zu setzen. Herbert Bodner ist es gelungen, dass die bisher zugekauften Unternehmen vom ersten Tag an positive Zahlen erwirtschaften. Also konnte man sagen: Macht erst einmal eure Arbeit weiter. In ein bis anderthalb Jahren werden wir weitere neue Firmen an Bord haben.

Wo liegen Ihre Wachstumsmärkte?

Im Facility Service interessieren uns vor allem europäische Märkte wie Italien oder Benelux. Im Industrieservice haben wir die Türkei und Indien im Visier, werden unseren Kunden aber auch weltweit folgen.

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