Bilfinger Berger: Roland Koch fordert besseren Schutz vor Übernahmen

Bilfinger Berger: Roland Koch fordert besseren Schutz vor Übernahmen

von Henning Krumrey, Stephanie Heise und Harald Schumacher

Der neue Vorstandschef des Baukonzerns Bilfinger Berger, Roland Koch, fordert einen besseren Schutz deutscher Unternehmen vor Übernahmen. Es sei leichter in Deutschland ein Unternehmen feindlich zu übernehmen als in anderen EU-Ländern, so Koch. Das müsse geändert werden.

Mit Blick auf die feindliche Übernahme des Konkurrenten Hochtief durch den spanischen Baukonzern ACS sagte Koch der WirtschaftsWoche in seinem ersten Interview nach Amtsantritt: „Es ist leichter, in Deutschland ein Unternehmen feindlich zu übernehmen als in anderen europäischen Ländern. Anderswo muss ein Großaktionär nicht nur nach Erreichen der 30-Prozent-Grenze, sondern auch bei 50 Prozent ein Pflichtangebot vorlegen“, so Koch. „Das sollten wir auch in Deutschland einführen.“ Koch will sich dafür in der CDU einsetzen.

Angesprochen auf die Korruptionsvorwürfe gegen die Bilfinger Berger-Tochter Julius Berger (JB) in Nigeria sagte Koch: „Ich nehme das alles ernst. Aber ich sehe auch, dass viele Anschuldigungen schlicht falsch sind. Ich sehe keine Anzeichen dafür, dass es ein systematisches Problem gibt. 2007 hat das Unternehmen ein richtungsweisendes Compliance-System eingeführt. Ob es in der Vergangenheit einzelne Verfehlungen gegeben hat und ob sie juristisch relevant sind, wird man sehen.“

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Koch nimmt die nigerianische Tochter in Schutz. „Ich will jedenfalls nicht, dass nach 50 Jahren erfolgreicher Arbeit der Eindruck entsteht, JB sei auf der Basis von Bestechung groß geworden. Das hat nach dem, was ich dort gesehen habe, mit der Realität nichts zu tun.“ Koch sieht keinen Grund, in Nigeria, das im Korruptionsindex von Transparency International auf dem schlechten Platz 134 steht, keine Geschäfte mehr zu machen: „Vielleicht muss man in manchen Ländern mehr Überzeugungsarbeit leisten als anderswo. Aber das bedeutet nicht, dass man ein solches Land nicht als Kunden haben kann. Das Ergebnis eines Rückzugs wäre, dass immer weniger Regeln gelten. Wir haben den Anspruch, auch in diesen Ländern nach unseren Regeln zu arbeiten.“

Keine Verantwortung sieht Koch bei Bilfinger Berger für den Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2009. Bilfinger sei Teil einer Arbeitsgemeinschaft (Arge) mit anderen Baufirmen gewesen. „Wir haben aber keinen Anlass, davon auszugehen, dass die Hauptursache bei den Unternehmen der Arge lag. Klarheit darüber gibt es wahrscheinlich erst 2013“, sagte Koch.

Zufrieden mit dem Wechsel in die Wirtschaft, aber kein "politischer Eunuch"

Roland Koch zieht eine positive Bilanz seines Wechsels aus der Politik in die Wirtschaft. „Mein Wunsch war immer, mit Mitte 50 in die Wirtschaft zurückzukehren. Das ist mir gelungen, und ich bin unglaublich zufrieden damit“, sagte Koch der WirtschaftsWoche in seinem ersten Interview in der neuen Funktion. Der Prominentenstatus berge Vor- und Nachteile für die Vorstandsarbeit. „Ein Vorteil ist es, jemanden aus dem alten, weltweiten Netzwerk fragen zu können, etwa zu einer Einschätzung der politischen Lage in einem bestimmten Land. Ein Nachteil ist, dass die Medien bei einem bekannten Gesicht ein Problem viel eher personifizieren.“

 Die Management-Aufgaben eines Ministerpräsidenten würden häufig unterschätzt. Er habe in Hessens Landeshaushalt die betriebswirtschaftliche Buchführung eingeführt; Fragen der Datenverarbeitung, die er in Hessen zu klären hatte, seien ihm in seiner neuen Funktion ebenso begegnet. „Die Unterschiede zwischen politischem und unternehmerischem Management sind nicht so groß.“ Wie in der Politik ginge es auch im Unternehmen darum, Menschen zu überzeugen. „Sie müssen es als Führungskraft schaffen, dass die Menschen sich in etwa so bewegen, wie Sie es erwarten, weil Sie diese Erwartungen gut kommuniziert haben. Aus einem so dezentralen Konzern eine Kommandowirtschaft machen zu wollen wäre absurd. Ich muss die Menschen auf eine strategische Reise mitnehmen.“

In politische Debatten will sich Koch erst später wieder einmischen. „Ich will im Unternehmen zeigen, was ich im Tagesgeschäft kann, bevor ich mich mit solchen Fragen beschäftige“, sagte Koch der WirtschaftsWoche. „Aber mein Arbeitsvertrag gebietet mir nicht, ein politischer Eunuch zu sein.“

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