Bilfinger Berger: Vertrauensmalus für den Manager Koch

KommentarBilfinger Berger: Vertrauensmalus für den Manager Koch

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Jobwechsel für Roland Koch: Der ehemalige hessische Ministerpräsident ist nun Chef des Baukonzerns Bilfinger Berger.

von Harald Schumacher

Es gibt wenig gute Gründe, Roland Koch zum Chef des Baukonzerns Bilfinger Berger zu machen. Erst einmal hilft der Ex-Politiker weniger dem Unternehmen als das Unternehmen ihm.

Der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch wird künftig den zweitgrößten deutschen Baukonzern Bilfinger Berger leiten. Eine Überraschung, die seit Tagen diskutiert  und heute vom Bilfinger-Aufsichtsrat einstimmig beschlossen wurde. Aber wie ist die Personalie zu bewerten?Bei der Suche nach einer Antwort auf diese Frage hilft´s, in den Sommer zurück zu blicken.  Im August war der Koch-Wechsel auf den Stuhl des Vorstandsvorsitzenden in Mannheim schon mal als gemachte Sache vermeldet worden. Damals, wird aus Top-Etagen der Bauindustrie berichtet, "nahm das keiner ernst". "Das galt als total abwegig", sagt ein Branchenkenner. Und da es die Bild-Zeitung war, die als erstes Medium die Neuigkeit vermeldete, fiels umso leichter, die Nachricht als Zeitungs-Ente ad acta zu legen.Die Reaktion von damals – spontan und aus dem Bauch raus – wird der Sache vermutlich gerechter als alles, was jetzt an abgeklärter Analyse dazu erscheint. Koch kommt ohne Managementerfahrung und ohne Gefühl für das bodenständige Bau- und Dienstleistungsgeschäft, von dem Bilfinger zunehmend lebt, zu dem Konzern, den Herbert Bodner zwölf Jahre geführt haben wird, wenn er Mitte 2011 abtritt. "Wir gehen davon aus, dass er sich schwer tun wird im Branchenumfeld", sagt ein Wettbewerber.

Kann Kochs unbestrittenes politisches Netzwerk bei der Akquise helfen? Branchenkenner bezweifeln das: "Heute laufen Auftragsvergaben doch viel transparenter ab als früher", sagt ein Insider. Sich Geschäfte aufgrund guter Beziehungen zu sichern, ist kein vielversprechendes Zukunftsmodell.Kann Koch für den Bilfinger-Konzern, der wegen korruptionsbelastetetn Geschäften in Nigeria immer wieder Schlagzeilen macht, ein Vorreiter in Sachen Compliance sein? In dieser Funktion würde er nicht mit einem Vertrauensbonus, sondern einem Vertrauensmalus antreten. Koch versprach wegen dubioser Parteispenden der hessischen CDU "brutalstmögliche Aufklärung", sagte aber trotz gezielter Fragen nichts über die fragwürdige Rückdatierung eines Kreditvertrags über 2 Millionen Mark, der Geldflüsse in der Parteibuchhaltung rechtfertigen sollte. "Ein Parteikämpfer, der ohne Skrupel auch den Skandal um schwarze Kassen bei der hessischen CDU ausgesessen hat", charakterisierte ihn 2008 dpa."Das Sammeln von Sympathiepunkten ist Kochs Sache nicht", schrieb die Nachrichtenagentur damals weiter. Damit ist der Ex-Politiker, der mit Kampagnen gegen die doppelte Staatsbürgerschaft die Republik spaltete, auch nicht die Idealbesetzung für Bilfingers Köln-Problem. Im März 2009 war über der von Bilfinger mitverantworteten U-Bahn-Baustelle das Kölner Stadtarchiv mitsamt angrenzender Gebäude zusammen gestürzt. Zwei Menschen starben. Vorstandschef Bodner besuchte den Unglücksort nicht ein einziges Mal, um – ohne Schuldeingeständnis – Verantwortungsbereitschaft und Betroffenheit vor Ort zu zeigen. Bilfingers Imageschaden zu reparieren, erfordert hohe Sensibilität – für die aber ist Koch kaum bekannt.Fazit: Erst einmal hilft Koch weniger dem Unternehmen als das Unternehmen ihm. Denn Bilfinger verschafft ihm den ersehnten Wechsel auf einen renommierten Chefsessel in der Wirtschaft.Was der Hesse mitbringt nach Mannheim ist ein bekannter Name. Dass Bilfinger Berger davon in den nächsten Jahren profitiert, glauben die Aktionäre allerdings nicht. Die Aktie brach nach der Bekanntgabe der Personalie um zeitweise fünf Prozentunkte ein.

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