Billigflieger: Easyjet-Chef Harrison: "Ryanair ist ein Pirat"

Billigflieger: Easyjet-Chef Harrison: "Ryanair ist ein Pirat"

Bild vergrößern

Andy Harrison

von Rüdiger Kiani-Kreß

Der scheidende Easyjet-Chef Andy Harrison über die größten Herausforderungen der Billigflieger, die Folgen der Aschewolke und den anhaltenden Ärger mit seinem Großaktionär.

WirtschaftsWoche: Mister Harrison, wenige Branchen haben so viel Glamour wie die Fluglinien. Aber Sie wollen nach fünf Jahren lieber Chef einer Hotelkette sein. Warum?

Harrison: Die Branche ist sehr spannend, aber auch hart. Die schwachen Hochpreislinien wie Air France, British Airways, Lufthansa oder Air Berlin machen fast alle derzeit hohe Verluste. Bei einem so harten, fast bösartigen Umfeld ist es doch interessant, mal was anderes zu machen.

Anzeige

Aber Easyjet macht keine Verluste.

Stimmt. Ohne die Probleme durch den Ausbruch in Island hätten wir zwischen 175 und 200 Millionen Pfund verdient – rund zehn Prozent auf das eingesetzte Kapital. Jetzt wird es immerhin noch gut halb so viel. Das ist für Fluglinien fast sensationell und jetzt in der Krise auch für andere Branchen ziemlich gut.

Und warum hören Sie dann auf?

Ich hatte das Gefühl, es wird Zeit für etwas Neues, bevor ich ernsthaft alt werde.

Lag es nicht auch daran, dass Sie seit anderthalb Jahren Ärger mit Ihrem größten Einzelaktionär, dem Easyjet-Gründer Stelios Haji-Ioannou, haben?

(Lächelt und schweigt).

Worum geht es denn bei dem Streit?

Ich kann mich natürlich nicht zu meinen Aktionären äußern.

Und was sagt Ihr Verwaltungsratschef?

Sir Michael Rake glaubt, dass Stelios – wie wir unseren Gründer alle nennen – vor allem eine kurzfristige Auszahlung von Gewinnen will. Dagegen setzt der Rest des Aufsichtsrats auf Investitionen in ein langfristiges Wachstum. Wir legen aber nicht maßlos zu, sondern haben nicht zuletzt wegen der Krise unser Wachstum im Juli 2009 von rund 15 auf im Schnitt 7,5 Prozent begrenzt. Dem und unserer ganzen Strategie hat der ganze Rat zugestimmt, auch Stelios. Darum verstehen wir nicht, warum Stelios diese Frage jetzt aufwirft, und das auf eine so persönliche und beleidigende Art.

Gegenwind hatte Easyjet auch in der Öffentlichkeit, weil sich viele Billigflieger bei Flugverspätungen oder -absagen oft um Entschädigungen für Passagiere drücken.

Wir nicht. Gerade bei den Unterbrechungen durch die Vulkanaschewolke haben wir uns genau an die Vorschriften gehalten. Wir mussten Flüge mit insgesamt 850.000 Passagieren absagen, von denen war gut ein Viertel an ihrem Zielort gestrandet. Die haben wir alle versorgt und innerhalb von fünf Tagen nach Ende der Unterbrechung nach Hause geholt. Das hat uns zwischen 50 und 75 Millionen Euro gekostet, davon bis zu 45 Millionen für Übernachtungen und die Verpflegung gestrandeter Passagiere. Wir kümmern uns um unsere Kunden.

Das Geld hätten Sie gerne zurück. Wir haben gehört, Sie hätten deshalb bereits an die Behörden geschrieben – unter anderem an den deutschen Verkehrsminister.

Das haben wir. Das war eine Naturkatastrophe. Und es gibt keinen Grund, warum die Folgen ausschließlich von den Fluglinien getragen werden sollten – besonders wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass die Schließung in der Größenordnung nicht nötig war.

Haben Sie schon eine Antwort?

Die Diskussionen laufen noch. Es wird sicher ein Kampf, und vielleicht werden wir auch klagen müssen. Das wird eine Klage aller Fluglinien. Wir arbeiten daran bereits mit einer Gruppe anderer Unternehmen, auch außerhalb des Low-Cost-Sektors.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%