Billigflieger: Flughäfen nehmen Ryanair in die Zange

Billigflieger: Flughäfen nehmen Ryanair in die Zange

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Zeichen einer Zeitenwende im Fluggeschäft für Ryanair

Der Billigflieger Ryanair bekommt zunehmend Ärger mit seinen Flughäfen. In der Krise wollen viele Betreiber die Iren nicht länger für lau landen lassen.

Sein Unternehmen hält Michael O’Leary für unwiderstehlich. „In der Krise unserer Branche reißen sich die Flughäfen mehr denn je um uns“, sagt der Chef des nach Passagieren größten europäischen Billigfliegers. „Die tun fast alles, um uns zu kriegen.“ Doch ob sie alles tun, um Dampfplauderer O’Leary auch zu halten, ist fraglich: „Bei immer mehr seiner Flughäfen wird die Lage angespannter“, sagt Stefan Höffinger, Leiter des europäischen Fluggeschäfts der Strategieberatung Arthur D. Little.

In der aktuellen Krise können immer weniger Landeplätze auf Druck ihrer Aktionäre oder der Wettbewerbshüter die Iren praktisch für lau landen lassen und wollen höhere Gebühren. Daraufhin hat Ryanair kürzlich bei elf seiner gut 140 Flughäfen wie London-Stansted oder Maastricht im großen Stil Flüge gestrichen. In sieben Städten wie Warschau oder Fuerteventura hat sie den Betrieb vorübergehend ganz gestoppt. Bei mindestens 20 weiteren steckt Ryanair nach Schätzung von Experten noch in harten Verhandlungen, von denen ein Großteil mit Flugstreichungen enden dürfte. „Das sind Zeichen einer Zeitenwende im Fluggeschäft“, sagt Berater Höffinger.

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Jahrelang haben Flughäfen die Ryanair-Bedingungen akzeptiert. Die hatten es in sich: „Gebühren unter den tatsächlichen Kosten und sogenannte Marketingzuschüsse für neue Verbindungen“, halfen laut Michael Engel, Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Fluggesellschaften, dass O’Leary seine Tickets so billig anbieten konnte. Das brachte den Airports rote Zahlen, doch das nahmen sie in Kauf. Fast alle sind Staatsunternehmen in strukturschwachen Regionen, und im Schnitt sorgt Ryanair für zwei Jobs pro 1000 Passagiere, die sie in die Terminals locken.

Ryanair spürt erstmals eine Rezession

Doch jetzt gerät das Modell ins Wanken. Denn Ryanair spürt erstmals eine Rezession. Zwar findet die Linie noch neue Flughäfen, die ihre Gebühren akzeptieren. Doch unterm Strich wächst sie deutlich langsamer als bisher. Im Dezember und Januar lagen die Passagierzahlen nur elf Prozent über dem Vorjahr. In den Krisenjahren 2001 und 2002, als die etablierten Fluglinien wie heute ihr Angebot abspeckten, waren es noch bis zu 50 Prozent. Zudem rutschten die Iren im abgelaufenen Quartal tief in die roten Zahlen. Nun müssen sie mit aller Macht Ausgaben wie Flughafengebühren drücken, um leichter Ticketpreise senken und neue Kunden locken zu können.

Doch immer weniger Flughäfen können dem Druck nachgeben. Denn bei vielen Eigentümern wird das Geld knapp. Die privaten Anteilseigner müssen entweder wie Fraport, bis vor Kurzem Gesellschafter des Flughafens im 70 Kilometer nordöstlich von Trier gelegenen Hahn, auf Druck ihrer eigenen Aktionäre Verlustquellen schließen. Oder sie sind wie der spanische Baukonzern Ferrovial, dem der Flughafen London-Stansted gehört, selbst in Not. Gleichzeitig wächst bei den Airports in Staatshand der Druck der Parlamente, angesichts wachsender Defizite das Geld lieber anderswo zu investieren.

Und selbst wenn den öffentlichen Eignern die Jobs durch den Flughafen wichtiger sind als ihre Defizite, müssen sie dennoch die Gebühren erhöhen. So erhebt in Ländern wie Großbritannien die Zentralregierung Umweltabgaben, die die Flughäfen in ihrer Not an die Fluglinien weiterleiten müssen. Dagegen wehrt sich Ryanair.

Zudem verlangen die EU-Wettbewerbshüter höhere Gebühren. Sie sehen in den Gratislandungen unerlaubte Subventionen zulasten von Konkurrenten an anderen Flughäfen. 2005 hat die EU-Kommission festgelegt, dass alle Hilfen nach drei Jahren enden müssen. Weil sich nur wenige Flughäfen daran halten, hat sie gegen 20 europäische Billigpisten Ermittlungsverfahren eingeleitet, darunter die Ryanair-Flugplätze Hahn, Lübeck und Berlin-Schönefeld. Bei 80 Betreibern laufen Vorermittlungen.

Dem geballten Druck kann sich O’Leary wohl nicht länger entziehen. Zwar will er von Wachstumshemmungen nichts wissen und hat eine Rekordbestellung von bis zu 400 Flugzeugen angekündigt. Doch insgeheim läuft ein Strategiewechsel. Damit die künstlich niedrigen Flughafenkosten von den Wettbewerbshütern nicht als öffentliche Subventionen verboten werden können, will Ryanair sich als privater Investor an neuen Terminals beteiligen. Den Anfang hat die Linie in Bremen gemacht. Indirekt hat O’Leary ähnliche Engagements in Edinburgh und Alicante angekündigt.

Das kostet zwar zunächst Geld. Doch langfristig verspricht sich Ryanair Einsparungen, weil das Unternehmen den Betrieb auf seine Bedürfnisse zuschneiden und die Kosten drücken kann. „Es wird ohnehin Zeit, dass wir den Flughäfen mal sparsames Arbeiten zeigen“, wendet PR-Stratege O’Leary die Schlappe gleich in einen Sieg: „Das kann eh keiner besser als wir.“

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