Billigflieger-Studie: Air Berlin steht schlechter da als Easyjet und Ryanair

Billigflieger-Studie: Air Berlin steht schlechter da als Easyjet und Ryanair

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Werbung für Air Berlin in Düsseldorf: Vorsprung durch Service im Kampf um reisende Manager

von Rüdiger Kiani-Kreß

Eine Exklusivstudie bescheinigt Air Berlin, hinter wichtigen Wettbewerbern zurückzustehen. Um mit Easyjet und Ryanair mitzuhalten, muss Deutschlands größter Billigflieger die Preise erhöhen, sparen und der Lufthansa Geschäftsreisende abjagen.

Wer Joachim Hunold lange nicht gesehen hat, erkennt keine Veränderungen. Der Air-Berlin-Chef ist angriffslustig wie immer. „Uns geht es gut“, sagt der Chef von Europas drittgrößtem Billigflieger, „wir haben gerade das beste Quartalsergebnis unserer Geschichte geschafft, und jetzt haben wir beim Wachstum Nachholbedarf.“

Das war nicht immer so. Noch im Sommer 2008 wirkte der heute 60-Jährige deutlich angespannter. Der Preis für das Flugbenzin explodierte ebenso wie die Schulden, die Zahl der Kunden sank, Piloten und Kabinenpersonal drohten mit Streik. Zu allem Überfluss unterstellte die Dresdner Bank dem Unternehmen sogar akute Pleitegefahr und setzte den Wert der Aktie auf null. „Das wirkt fast wie eine Kampagne“, so Hunold damals.

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Die Wende ist das Werk typisch Hunold’scher Tugenden: Härte, Schnelligkeit und Fortüne. „Wir haben einen Vorsprung, weil wir die Krise früher erkannt haben und dank unserer schlanken Strukturen schneller als andere auf die Bremse treten konnten“, freut sich Hunold.

Doch darauf ausruhen kann sich der Selfmade-Mann nicht. „Will Air Berlin auf Dauer mit den Low-Cost-Marktführern Easyjet und Ryanair mithalten, muss die Linie deutlich mehr tun“, sagt Jürgen Ringbeck, oberster Flugexperte der Unternehmensberatung Booz & Company. „Air Berlin kann im Wettbewerb nur dann dauerhaft bestehen, wenn es mehr Gewinn macht sowie gleichzeitig die Geschäftskomplexität reduziert und damit die operative Effizienz verbessert.“

Das ist das Ergebnis einer Exklusivstudie, bei der Ringbeck und sein Team zusammen mit der WirtschaftsWoche die drei führenden europäischen Billiglinien – Ryanair, Easyjet und Air Berlin – auf Herz und Nieren geprüft hat. Der Check war der zweite nach der ersten Untersuchung Anfang 2008. Geprüft wurden insgesamt 18 Kriterien, die Bewertung lief nach Schulnoten von Eins bis Fünf.

Easyjet hat die Nase vorn

Wie beim ersten Test liefern sich die drei Fluggesellschaften ein hartes Kopf-an-Kopf-Rennen, nur diesmal liegt Easyjet ein wenig vor Ryanair, der den ersten Vergleich der Flugdiscounter von Booz und WirtschaftsWoche gewann. Zwar besitzt Ryanair die größte Finanzkraft und den effizientesten Flugbetrieb. Doch insgesamt hat Easyjet die Nase vorn, weil sich die Briten mit einem etwas besseren Service an Bord und Boden geschickt einen Platz zwischen dem Minimalisten Ryanair und den klassischen Fluglinien wie Lufthansa erkämpft hat. Air Berlin hingegen bleibt trotz des besten Service nur der dritte Platz, weil sie zu aufwendig arbeitet und darum zu wenig Geld verdient.

Das muss Air Berlin ändern. Zwar erhält das Haus Hunold die Note voll befriedigend. Doch Mittelmaß ist zu wenig, um in der Branche zu überleben, glaubt Experte Ringbeck. „Im Flugverkehr ist der Wettbewerb extrem hart, und Konkurrenz besteht nicht nur untereinander. Billigairlines stehen zunehmend im Wettbewerb mit Flag Carriern wie Lufthansa.“

Dafür sorgen grundlegende Veränderungen, die der Branche seit einigen Jahren zusetzen. Spätestens mit der aktuellen Rezession achten nicht nur Sparurlauber fast ausschließlich auf den Preis, sondern auch die Geschäftsreisenden, deren Arbeitgeber noch vor zwei Jahren mehrere Hundert Euro für einen Flug innerhalb Deutschlands klaglos zahlten. Sie alle buchen fast ausschließlich beim billigsten Anbieter. „Denn beim Angebot auf der Kurzstrecke gibt es fast keine Unterschiede mehr, für die eine Fluglinie noch einen Aufpreis bekäme“, sagt Ringbeck. Die Linien haben gleichwertige Flugzeuge, bieten die gleiche Sicherheit und fast den gleichen Komfort. Zu Geld machen lassen sich insbesondere noch günstige Flugzeiten und Ziele, wenn die Passagiere dadurch schneller ankommen.

Rückstand von Air Berlin wächst

Der Wettbewerb trifft die Linien hart. Denn trotz der Krise steigen die Kosten. Kerosin kostet wieder fast doppelt so viel wie Ende 2008. Die Gehälter drücken, weil die Discounter sie im Boom vor zwei Jahren kräftig erhöht haben. Schließlich schicken die Flughäfen höhere Rechnungen, weil ihre Schulden wachsen und sie weniger Passagiere haben als geplant.

Da die Linien wegen der Krise die Preise nicht anheben können, ziehen sie den Kunden mehr Geld auf versteckten Wegen aus der Tasche. Sie langen für bislang Selbstverständliches wie Gepäckaufgabe oder Einchecken am Flughafen kräftig zu. Bei Ryanair stammt mittlerweile gut ein Fünftel des Umsatzes aus solchen Nebengeschäften. Und sie beschränken die gesetzliche Quote der Schnäppchentickets auf unbeliebte Flüge wie früh am Morgen oder Termine in kühleren Monaten wie Februar. Bislang, so die Studie, trotzen deshalb zwar alle drei Flugdiscounter der Krise besser als die meisten der Billigkonkurrenten und der etablierten Linien wie Lufthansa. Doch insgesamt ist der Rückstand von Air Berlin auf Spitzenreiter Easyjet gewachsen.

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