Biotech: Medigene: Überschätzte Biotech-Pioniere - Seite 2

Biotech: Medigene: Überschätzte Biotech-Pioniere

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Talwaerts
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Damit handelte sich Heinrich mannigfach Ärger ein. Denn Mathias war der Meinung, Heinrichs Konzept könne nicht aufgehen: „Schon nach zwei Tagen war mir klar“, sagt er heute, „dass sich mit diesen Medikamenten gegen Hautkrankheiten der Aufbau einer eigenen Marketing- und Vertriebsorganisation auch auf lange Sicht nicht lohnen würde.“ Die Preise, die Medigene erzielen wollte, seien viel zu hoch angesetzt gewesen. Fortan gerieten die beiden immer wieder aneinander.

Der Zwist war absehbar. Denn die beiden sind grundverschiedene Typen: Heinrich gilt als exzellenter Wissenschaftler und guter Netzwerker, präsentiert sich öffentlich jedoch eher hemdsärmelig.

Der Franzose Mathias hingegen, der perfekt Deutsch spricht, verfügt kaum über Forscherqualitäten. Dafür glänzt er mit reichlich Charisma. Mathias ist redegewandt und weiß Menschen für sich einzunehmen. Der gepflegte französische Akzent verleiht ihm zusätzlichen Charme.

Bald erreichten die Konflikte im Medigene-Vorstand auch den hochkarätig besetzten Aufsichtsrat: Vorsitzender des Gremiums ist Ernst Ludwig Winnacker, der Nestor der Biotechnologie in Deutschland und wissenschaftlicher Mentor von Heinrich und Domdey. Ihm zur Seite stehen etwa der pensionierte Bayer-Vorstand Pol Bamelis, der Investmentbanker Sebastian Freitag und der Pharma-Erbe Mathias Boehringer.

Eine Frage der Zeit

Bald hieß es, Mathias soll bei den Kontrolleuren gegen Heinrich intrigiert haben. Das erzählen verschiedene Biotech-Manager aus Martinsried und anderen Forschungszentren der Republik. Zitieren lassen möchte sich damit allerdings keiner. Mathias selbst bestreitet den Vorwurf: „Ich habe niemals schlecht über Herrn Heinrich geredet.“

Wie dem auch war, Heinrich verlor immer stärker den Rückhalt des Aufsichtsrats, im Gegenzug punktete Mathias. Heinrich trieb immer mehr zur Eile bei der Partnersuche für das Krebsmittel Endotag. Mathias wollte weitere Ergebnisse abwarten. Der Knall war nur noch eine Frage der Zeit. Ende April 2009 kürte Aufsichtsratschef Winnacker den Franzosen Mathias zum neuen Vorstandschef. Die jahrzehntelange Freundschaft zwischen Heinrich und Winnacker zerbrach.

Seither ist fast ein Jahr vergangen, ohne dass Mathias die Entwicklung des wichtigsten Medigene-Medikaments voranbrachte. Zwar hat das Unternehmen bereits Präparate gegen Prostatakrebs und Genitalwarzen auf den Markt gebracht. Doch ausgerechnet beim Krebsmittel Endotag, dem Mediziner und Analysten das größte Potenzial bescheinigen, geht es nicht weiter. Endotag soll gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs eingesetzt werden – eine sehr aggressive Tumorart. Jährlich erkranken in Deutschland 12800 Menschen daran. Die Diagnose kommt oft einem Todesurteil gleich.

Partnersuche verpasst

Das Medigene-Mittel könnte, nach bisherigen Erkenntnissen, die durchschnittliche Überlebenszeit der Patienten verlängern – etwa von sechs auf zwölf Monate. Eine Studie mit rund 200 Patienten verlief vielversprechend. Nun brauchte Medigene Geld für eine weitere Studie mit 700 Patienten, die etwa 30 Millionen Euro kosten dürfte. Ohne einen starken Pharma-Partner ist das kaum zu schaffen.

An Angeboten mangelte es wohl nicht. Konzerne wie Pfizer oder Lilly sollen sich bereits Anfang 2008 interessiert gezeigt haben. Doch Mathias trat damals auf die Bremse. Um das finanzielle Risiko des Projekts zu reduzieren, stellte er zunächst das kostenintensive Produktionsverfahren um. Die großen Konzerne scheinen inzwischen das Interesse verloren zu haben. Auf der Hauptversammlung 2009 weckte Mathias die Hoffnung, bald einen Partner präsentieren zu können. Doch es passierte wieder nichts.

Mathias soll auch versucht haben, Medigene mit dem Konkurrenten Wilex zusammenzuschließen. Ohne Erfolg. Mathias will sich dazu nicht äußern. Bei Endotag will er in diesem Jahr zum Abschluss kommen. Findet er keinen Partner, stirbt das Projekt. Die Investoren werden schon unruhig. Die Fragen der Kapitalgeber fallen zunehmend kritischer aus. Wie auch bei Medigene-Mitgründer Domdey. Nach fast einem Jahr erwartet er, dass Mathias „endlich einen Partner präsentiert, mit dem Endotag bis zur Marktreife weiterentwickelt wird“.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 13.01.2011, 01:09 UhrAnonymer Benutzer: Endo

    Eine bitte an die Verfasser: Schreiben Sie eine Fortsetzung dieser interessanten Story. Die Lage bei Fa.Medigene hat sich dramatisch zugespitzt. Das Produkt wird bis jetzt nicht weiterentwickelt. Die Hälfte der belegschaft wurde entlassen.

  • 25.03.2010, 23:30 UhrAnonymer Benutzer: erdlink

    Der Verfasser irrt: Dem berliner Unternehmen Jerini, einem spin-off der berliner Charité, das in der Frühphase von dem Venture-Capital-Unternehmen bmp finanziert und dann an die börse gebracht wurde, gelang die Entwicklung und Zulassung eines Medikaments. Doch noch bevor die Zulassung in Europa offiziell genehmigt war, wurde Jerini von einem britischen Pharmaunternehmen aufgekauft. Die Vermarktungsrechte wie auch das Know-how zur identifizierung von Peptiden als mögliche neue Wirkstoffe, flossen nach Gb.

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