Biotech: Medigene: Überschätzte Biotech-Pioniere

Biotech: Medigene: Überschätzte Biotech-Pioniere

von Jürgen Salz und Susanne Kutter

Am Beispiel des deutschen Biotech-Pioniers Medigene zeigt sich das ganze Elend der einstigen Hoffnungsbranche.

Horst Domdey ist einer der Paten der deutschen Biotech-Branche. Ihm ist es zu verdanken, dass es im 4000-Einwohner-Ort Martinsried vor den Toren Münchens ein einzigartiges Biotech-Zentrum gibt – eine Ansammlung von Biotech-Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die in Deutschland ihresgleichen sucht.

Der umtriebige Oberfranke half aber auch bei der Gründung vieler Biotech-Unternehmen, darunter Medigene im Jahre 1994. Domdey gab für den Chefposten bei dem Medikamenten-Entwickler seine sichere Anstellung als Biochemie-Professor in München auf. Was finanziell dabei heraussprang, steckte er in Medigene. Sein Aktienanteil, sagt Domdey, sei seine „Lebensabend-Versicherung“.

Anzeige

Um die muss sich der 58-Jährige allmählich Sorgen machen. Auch eineinhalb Jahrzehnte nach der Gründung schreibt Medigene weiter Verluste. Das Minus belief sich im Jahr 2008 auf mehr als 30 Millionen Euro – bei einem Umsatz von 40 Millionen Euro. Am Freitag dieser Woche legt Medigene-Chef Frank Mathias neue Zahlen vor, ohne dass er einen Gewinn verkünden wird. Die Aktie ist ein Trauerspiel: Beim Börsengang im Jahr 2000 rund 120 Euro wert, dümpelt sie seit Jahren um 5 Euro.

Zu hohe Erwartungen

Die traurige Bilanz ist typisch für die deutsche Biotech-Branche. Zwar gibt es erfolgreiche Unternehmen wie den Laborausrüster Qiagen aus Hilden bei Düsseldorf und den Martinsrieder Antikörper-Spezialisten Morphosys, die sich eher auf die Diagnose von Krankheiten oder auf Auftragsforschung konzentrieren als auf neue Medikamente. Doch das Gros kommt nicht vom Fleck – und schon gar nicht aus den roten Zahlen. Einen medizinischen Durchbruch hat noch kein Unternehmen erreicht. Paion in Aachen etwa scheiterte 2007 mit einem neuartigen Schlaganfall-Medikament, GPC Biotech aus Martinsried bekam nach fünf Jahren Entwicklungsarbeit keine Zulassung für ein vielversprechendes Krebsmittel.

Über zehn Jahres ist es nun her, dass auch in Deutschland aus vielen Wissenschaftlern hoffnungsvolle Biotech-Unternehmer wurden. Mithilfe von Verfahren, die auf den neuesten Erkenntnissen der Bio- und Gentechnik basieren, sollten wirksamere Medikamente gegen Krankheiten aller Art gefunden werden.

Doch die Erwartungen der Jungunternehmer, der Anleger und Politiker waren zu hoch. Die meist aus der Forschung stammenden Manager überschätzten regelmäßig ihre unternehmerischen Möglichkeiten und Fähigkeiten. Viele verspekulierten sich mit Zukäufen oder verzettelten sich bei der Medikamenten-Entwicklung. Anders als viele ausländische Konkurrenten taten sich deutsche Biotech-Gründer schwer, mit Pharmakonzernen anzubandeln, um die nötigen Millionenbeträge für kostspielige Medikamenten-Entwicklungen zu beschaffen.

Ein Paradebeispiel für all die Versäumnisse ist Medigene. Dabei lief zunächst alles bestens. Exhochschullehrer Domdey zog sich 1998, vier Jahre nach der Gründung, aus dem operativen Geschäft zurück. Das Ruder übernahm Peter Heinrich, ebenfalls einer der Männer der ersten Stunde. Heinrich, ein promovierter Biochemiker, hatte zuvor für den Chemiekonzern Wacker in München gearbeitet. Weil er das Regiment dort zu rigide fand, wechselte er zu Medigene.

Was Heinrich dort anstellte, war anfangs durchaus von Erfolg gekrönt. Er baute die Entwicklung aus, sammelte Kapital von damals noch spendierfreudigen Investoren ein und brachte Medigene – auf dem Höhepunkt des Neuen Marktes – erfolgreich an die Börse.

Doch dann begannen die Probleme. Heinrich übernahm, wohl zu leichtsinnig, Biotech-Unternehmen in den USA und England. Insbesondere die englische Neuerwerbung Avidex, die an Medikamenten gegen Krebs und Autoimmunerkrankungen forschte, erwies sich als Millionengrab. Die Aussicht auf Gewinne schwand für Medigene immer mehr.

Heinrich hegte weitere, teure Pläne: Medigene sollte künftig nicht nur Pillen entwickeln, sondern auch selber vermarkten. Dazu engagierte er im Jahr 2008 den Franzosen Frank Mathias, Deutschland-Chef des US-Medikamentenkonzerns Amgen, als Vertriebsvorstand.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%