"Bitte einkippen": T-Mobile versuchte Leserwahl zu beeinflussen

"Bitte einkippen": T-Mobile versuchte Leserwahl zu beeinflussen

von Jürgen Berke

Ex-Deutschland-Chef Philipp Humm wollte die Leserwahl zum „Netz des Jahres“ des Fachblatts „Connect“ beeinflussen. Er hat Telekom-Mitarbeiter zur Wahl aufgefordert, um „Netzbetreiber des Jahres“ zu werden.

Das Gerücht kursiert jedes Jahr, wenn das Fachblatt „Connect“ seine Leser aufruft, das „Netz des Jahres“ zu wählen. Der Titel gilt als Oscar der Branche und wertet jede Werbekampagne auf. Da kann unter Netzbetreibern schnell die Idee aufkeimen, ein bisschen nachzuhelfen.

So hat ein Manager der Telekom-Tochter T-Mobile seine Mitarbeiter aufgefordert, ihre Stimme abzugeben, wie eine interne Anweisung zeigt, die der WirtschaftsWoche jetzt vorliegt. Die E-Mail, datiert vom 2. Januar 2006, leitete der damalige T-Mobile-Deutschland-Chef Philipp Humm an alle Mitglieder der Geschäftsführung weiter mit den Worten: „Bitte bei euch einkippen.“ Unterschrift: „Philipp“.

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„Wie in den letzten Jahren erwarte ich von jedem Mitarbeiter eine Beteiligung an der Wahl“, heißt es in der E-Mail weiter. Der Manager mahnt jedoch zur Vorsicht: „Natürlich vermeiden wir gezielte Massenkäufe (der Zeitschrift mit Stimmkarte), aber jede einzelne Stimme zählt – und dabei setzen wir auf Sie, Ihre Mitarbeiter und deren Familien.“ Bei den bevorstehenden Meetings in den regionalen Niederlassungen „werden wir das Thema ansprechen“. Die Mail endet mit einem Smily und dem Satz: „Wir sollten auch zur Cebit diesen USP (Alleinstellungsmerkmal) an unsere Kunden kommunizieren können.“

T-Mobile hat die Abstimmung zum „Netz des Jahres“ wie in den sechs Jahren zuvor gewonnen und 38,1 Prozent der Stimmen erhalten, gefolgt von Vodafone mit 26,7 und O2 mit 17,5 Prozent. Der Vorsprung von T-Mobile vor Vodafone betrug etwa 1100 Stimmen. Die Telekom wertet den „Aufruf des Mitarbeiters nicht als Manipulation, zumal es kein Monitoring gegeben hat und wir auch nicht wissen, wie viele und welche Mitarbeiter diesen Aufruf erhalten haben“, teilt der Konzern mit.

„Connect“-Chefredakteur Dirk Waasen nimmt’s gelassen: „Es ist durchaus üblich, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter zur Teilnahme an der Wahl aufrufen. Unter dem Strich zieht da aber keiner einen Vorteil raus.“ Und wenn ein Unternehmen nur wenige Mitarbeiter beschäftigt?

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