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Blohm + Voss: Marineauftrag hält Werft bei ThyssenKrupp

von Andreas Wildhagen

ThyssenKrupp sagt den Verkauf der Hamburger Werft Blohm + Voss ab. Im Gegenzug zieht die Bundesregierung einen Marine-Auftrag vor. Insbesondere ein Politiker machte sich dafür stark.

Fregatte Brandenburg Quelle: dpa
Fregatte Brandenburg Quelle: dpa
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Es war ein spektakulärer Rückzieher, den der Düsseldorfer Stahlkonzern ThyssenKrupp am vergangenen Donnerstag unternahm: Die Hamburger Traditionswerft Blohm + Voss werde doch nicht verkauft, kündigten Aufsichtsratskreise gegenüber der WirtschaftsWoche an. Hamburg bleibt damit ein drittes Krisenopfer erspart – nach der Reederei Hapag-Lloyd und der HSH Nordbank, dem weltgrößten Schiffsfinanzierer. Denn ein Verkauf an ausländische Investoren hätte wohl einen radikalen Abbau von Arbeitsplätzen nach sich gezogen.

Zudem bleibt die weltweit begehrte Brennstoffzellen-Technik für U-Boote in deutscher Hand. Dieses Know-how liegt zwar nicht bei Blohm + Voss, sondern bei der Kieler Werft HDW. Doch die gehört ebenfalls ThyssenKrupp und wäre bei einer Trennung von Blohm + Voss wohl auch bald veräußert worden.

Jetzt will ThyssenKrupp nur noch die Luxusyachtsparte von Blohm + Voss losschlagen. Sie soll an einen Scheich in Abu Dhabi gehen, die Arbeitsplätze in Hamburg sollen jedoch erhalten bleiben, heißt es im Konzern. Am Bau von Militärschiffen will der Konzern dagegen festhalten. Der Bereich trägt 90 Prozent zum Blohm + Voss-Umsatz bei.

Fregattenbau vorgezogen

Dem Rückzug vom Blohm + Voss-Verkauf war ein harter Poker zwischen Konzernvertretern und Bundespolitikern vorangegangen. Dabei gelang es ThyssenKrupp-Technologies-Chef Olaf Berlien, der die Werften verantwortet, einen besonderen Deal auszuhandeln. Um die Werftstandorte Hamburg (Blohm + Voss), Kiel (HDW) und Emden (Nordseewerke) zu retten, ziehe das Bundesverteidigungsministerium einen Auftrag für den Bau einer Fregatte im Wert von 300 Millionen Euro vor, berichten Aufsichtsratskreise. Das Schiff, das die Bundesmarine erhält, sollte ursprünglich erst 2014 gebaut werden. Nun soll das Ministerium den Auftrag an ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) schon 2010 erteilen.

So sichert die Bundesregierung nicht nur Werftarbeitsplätze. Entscheidend war wohl auch, dass Brennstoffzellen-Technik für U-Boote in deutscher Hand bleibt. Auf dieses Know-how hatte es vor allem die französische Staatswerft DCN abgesehen. Trotzdem stehen bei HDW Änderungen an: Dort will ThyssenKrupp den Bau ziviler Containerschiffe einstellen, da er sich wegen der hohen Lohnkosten nicht mehr lohne.

Der Bedingung, den Auftrag für die Fregatte vorzuziehen, stimmte in der Koalition vor allem SPD-Kanzlerkandidat und Außenminister Frank-Walter Steinmeier zu, berichten Konzerninsider.

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 19.08.2009, 12:06 UhrAnonymer Benutzer: gusti69

    Freut mich für die Marine, hat aber etwas von Erpressbarkeit. Fader beigeschmack!

    Und ist es bei ihrem Redakteur noch nicht angekommen, das es keine bundesmarine gibt? Es ist entweder die Marine oder die Deutsche Marine! Die bundesmarine verschwand endgültig 1995!

  • 19.08.2009, 01:49 UhrAnonymer Benutzer: suri

    Während die ganze Welt sich einigelt und wieder die nationalen interessen der einzelnen Länder in Vordergrund stellt, betreibt Deutschland und seine Konzerne weiter munter den totalen Ausverkauf von Wissen und Hochtechnologie.
    Was die Verantwortlichen hier tun oder tun wollen würde selbst in vielen westlichen Ländern entweder sofort vom Gesetzgeber verboten oder schlimmer noch als Verrat von Militärgeheimnissen gewertet werden.

  • 18.08.2009, 12:44 UhrAnonymer Benutzer: Patriot

    im Artikel heißt es: "Auf dieses Know-how [brennstoffzellentechnik; Anm. d. Verf.] hatte es vor allem die französische Staatswerft DCN abgesehen.", ja herzlichen Glückwunsch, quelle surprise. Die hochsubventionierten und zu (inter-) nationalen Champions geshmiedeten franz. Rüstungskonzerne greifen sich ein Filetstück deutscher Hochtechnologie nach dem anderen; aber in D wird lieber weiter Ausverkauf betrieben anstatt wichtige Technologie, die übrigens der einzige wirkliche Reichtum darstellt den D besitzt, schützt.
    Es ist nicht nachvollziehbar warum man die Franzosen auf ihrem Weg zu einer absoluten Alleinstellung in dem Hochtechnologiebereich (so z. b. in der Luft- und Raumfahrt aber auch zunehmend in der Militärtechnik) gewähren lässt.
    Ab 2020 kann sich die bundeswehr ihr Gerät dann in Frankreich abholen und bitte französisch lernen nicht vergessen...ein Armutszeugnis für Deutschland.

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