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BMW-Chefdesigner: „Auto und Design erleben eine wirkliche Veränderung“

von Markus Fasse Quelle: Handelsblatt Online

Autos bekommen wieder Charakter, so der BMW-Chefdesigner Adrian van Hooydonk. Mit Handelsblatt sprach er über Design und Emotionen, den Erfolg von Geländewagen und die neuen Elektrofahrzeuge.

BMW-Chefdesigner Adrian Van Hooydonk. 2013 bringt BMW mit der Submarke BMW i seine ersten Stromer auf die Straßen. Quelle: BMW Group
BMW-Chefdesigner Adrian Van Hooydonk. 2013 bringt BMW mit der Submarke BMW i seine ersten Stromer auf die Straßen. Quelle: BMW Group

Handelsblatt: Glückwunsch, Herr van Hooydonk. BMW-Chef Reithofer nennt Sie gerne den "wichtigsten Mann im Unternehmen".

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Adrian van Hooydonk: Das Design ist eben das, was man als Erstes an einem Auto wahrnimmt. Es kann dazu verleiten, dass man an einer Straßenecke stehen bleibt, es entsteht vielleicht der Wunsch, das Auto zu berühren. Dann haben wir eine emotionale Bindung geschaffen, das wollen wir. Vielleicht will man dann eine Probefahrt machen - dann haben wir einen neuen Kunden.

Es kann aber auch schiefgehen. Ihr Vorgänger Chris Bangle hat mit einem eigenwilligen Heck beim 7er BMW zu massiven Kundenprotesten im Internet geführt.

Es muss einem klar sein, dass man Emotionen nicht programmieren kann. Wir müssen aber auch nicht alle Menschen auf der Welt begeistern.

Wer entscheidet denn, wie ein neues Auto aussieht? Sie oder der Vorstand?

Am Ende ist das natürlich der Vorstand. Bis dahin ist es aber ein langer Prozess, den mein Team und ich treiben und gestalten. Am Ende präsentieren wir dem Vorstand mehrere Vorschläge. Die müssen bestimmte Kriterien bereits erfüllen mit Blick auf ihre Funktion, die Umsetzbarkeit und das Budget. Bis zur endgültigen Entscheidung kann das dann auch mal emotional werden.

Bleiben wir bei dem, was wir heute sehen. Mein fünfjähriger Sohn sagt mir, ein BMW guckt böse.

Das ist natürlich auch Interpretationssache: Was Ihr Sohn als böses Gucken empfindet, empfinden wir als konzentrierten Blick. Autofahren ist für unsere Kunden eine Aktivität, eine, die vor allem Spaß macht. Wir vergleichen das mit einem Topathleten, der am Start steht. Der guckt nicht böse, der lächelt aber auch nicht - er ist konzentriert. Wir wollen nicht aggressiv wirken. Unsere Autos können schnell fahren, das ist klar. Aber es geht auch unseren Kunden nicht allein um Geschwindigkeit, sondern um Präzision.

Athletik, Kraft, Präzision - das sind vor allem männliche Attribute. Volvo hat einmal ein Auto vorgestellt, das nur von Frauen designt, aber nie gebaut wurde. Würden Sie so etwas riskieren?

Wir machen Design grundsätzlich im Wettbewerb. Und so ist mit dem Sportwagen Z4 zum ersten Mal ein Auto entstanden, das komplett von zwei Frauen gestaltet wurde. Nicht weil wir das so wollten, sondern weil diese Frauen sich so durchgesetzt haben.

Jette Joop hat uns ihre Vorliebe für Geländewagen gestanden. Heute ist jeder vierte BMW ein SUV. Macht die Gestaltung dieser großen und eigentlich wenig eleganten Form Spaß?

Ich habe damals die Gestaltung des X5, des ersten SUVs von BMW, miterlebt. Wir haben darauf geachtet, ein hochwertiges Fahrzeug mit sehr guten Fahreigenschaften zu schaffen. Dass der Markterfolg so groß werden würde, wussten wir nicht. Ich glaube, die Autos funktionieren so gut, weil sie einen aktiven Lebensstil ermöglichen. Man kann damit in der Stadt einkaufen, man kann aber auch mit einem Mountainbike im Kofferraum schnell auf die Berghütte.


„Unsere Autos haben heute Internetanschluss“

Ihre Entwürfe verweisen auf Geschwindigkeit und die Möglichkeit, ins Gelände zu fahren. Aber die Realität sind meist verstopfte Straßen und Staus

Wenn wir Kunden fragen, was sie wollen, dann kommt eine lange Liste von Dingen, die das Auto können soll. Früher war das anders: Da haben wir den Kunden eine Limousine geboten, einen Roadster oder einen Kombi. Damals waren die Welten noch getrennt. Man hat einen Anzug angezogen und ist zum Geschäftstermin gegangen, man hatte Turnschuhe und ist zum Sport gegangen.

Jetzt läuft alles durcheinander. Heute will ein CEO in seinem Geschäftswagen auch ein Mountainbike mitnehmen, der Lebensstil hat sich geändert. Deswegen haben wir so viele Cross-over-Modelle. Ob Sie das in der Praxis immer alles nutzen, ist eine andere Frage. Aber das Auto muss es können.

Sie dominieren mit Daimler und Audi den Weltmarkt für Premiumautos. Warum kommt deutsches Autodesign im Ausland so gut an?

Das darf ich als Holländer beantworten (lacht). Nun gut: Es ist Authentizität. Es geht darum, was die Form verspricht und was ich dann mit dem Auto erleben kann. Wenn das Auto schnell aussieht, dann ist es auch schnell. Wenn das Auto scharfe Linien hat, dann soll es auch präzise reagieren. Da ist die deutsche Industrie richtig gut, deshalb sind die Deutschen auch auf dem Weltmarkt so stark. In allen drei Firmen ist das Design direkt an die Chefetage gekoppelt und sehr eng mit der Technik verknüpft. Das funktioniert aber auch in anderen Branchen oder anderen Ländern gut. Denken Sie nur an Apple.

Apple gilt als neue Ikone des Industriedesigns. Wie stark beeinflusst das Ihre Arbeit?

Es ist nicht nur Apple. Unsere Autos haben heute Internetanschluss. Und unsere Autos haben einen Bildschirm. Das ist schon eine revolutionäre Entwicklung. Apple hat gezeigt, wie wichtig das Bedienerlebnis ist. Wir waren Vorreiter mit unserer Bedienoberfläche "iDrive". Da gab es zu Beginn nicht nur Begeisterungsstürme.

2012 bringen Sie unter der Submarke "BMW i" das Elektroauto "I3" auf den Markt. Herr Reithofer spricht von einer "Revolution".

Der I3 hat mit dem Elektromotor nicht nur einen anderen Antrieb, sondern mit der Kohlefaser auch ein neues Material. Deshalb haben wir auch eine völlig neue Formensprache entwickelt. Das heißt: leicht, sauber, aber auch futuristisch. Denn "premium" heißt in Zukunft vor allem nachhaltiger Konsum, nachhaltige Mobilität.

Was werden die Leute in zwanzig Jahren sagen, wenn sie auf Autos von heute schauen?

Die Leute werden sehen, dass die Autos wieder Charakter bekommen haben. Die Zeiten, in denen man das eine Auto von dem anderen nicht unterscheiden konnte, die sind vorbei. Und es ist der Anfang eines großen Umbruchs. Wir kommen nächstes Jahr mit unseren Elektroautos, andere werden folgen. Das Stadtbild wird ein anderes sein. Die Leute werden auf eine Zeit zurückschauen, in der das Auto und sein Design eine wirkliche Veränderung erlebt haben.

Herr Adrian van Hooydonk, vielen Dank für das Interview.

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