BMW: Müll zu Luxusautos

BMW: Müll zu Luxusautos

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Montage eines BMW X3 im Werk Spartanburg in den USA.

von Martin Seiwert

BMW hat für rund eine Milliarde Dollar sein Werk in den USA aufgerüstet. Die Fabrik ist groß, grün – und gefräßig: Schon bald könnte das Werk nochmals vergrößert werden und sogar deutschen Standorten Konkurrenz machen.

Wenn das die Bewohner von Spartanburg im Südosten der USA wüssten: Mit den verschmierten Einwegtellern, den Kaffeefiltern und Babywindeln, die sie tagtäglich in ihre Mülltonnen werfen, treiben sie die örtliche BMW-Fabrik an. Der bayerische Autobauer leitet das Methan, das bei der Verrottung des Hausmülls auf der Deponie entsteht, in seine Fabrik und macht daraus Wärme und Strom.

Mehr als die Hälfte des gesamten Energieverbrauchs der Fabrik deckt der Autobauer damit ab, erspart dem Weltklima 92.000 Tonnen CO2 pro Jahr und drückt nebenbei seine jährliche Gas- und Stromrechnung um fünf Millionen Dollar. Müll zu Luxusautos – das ist wie Schwerter zu Pflugscharen, nur noch schöner.

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Die nachhaltige Energieversorgung war eines der Themen, die BMW bei der gestrigen Eröffnung der rund eine Milliarde Dollar teuren Erweiterung des Spartanburg-Werkes der Welt mitteilen wollte. Motto: Wir können Efficient Dynamics – so heißt die BMW-Strategie für sparsamere Fahrzeuge – nicht nur beim Auto, sondern auch in der Produktion.

BMWs grüne Vorzeigefabrik

Saubere Lackierstraßen, Müllvermeidung und Wasserstoff-Brennstoffzellen als mobile Stromspender – das Werk in Spartanburg ist nach dem aufwändigen Umbau der vergangenen Jahre eine der grünen Vorzeigefabriken des Konzerns. Und das will etwas heißen bei einem Unternehmen, das seit sechs Jahren die Dow Jones-Liste der nachhaltigsten Autohersteller anführt. Das nächste grüne Projekt in den USA steht schon fest: Die Fabrik, die unweit von Washington die Carbon-Fasern für das erste Elektroauto des Konzerns produziert, soll komplett mit Strom aus Wasserkraft versorgt werden.

BMW-Chef Norbert Reithofer hatte aber noch eine zweite wichtige Botschaft im Gepäck, als er zur feierlichen Eröffnung der 111.500 Quadratmeter großen Werkserweiterung anreiste: Das Bekenntnis zum amerikanischen Markt. „Die USA werden auf absehbare Zeit der wichtigste Premiummarkt sein“, sagte der BMW-Chef bei der Eröffnungsfeier. „Die USA und besonders Spartanburg sind zu unserem zweiten Zuhause geworden.“

BMW wolle, so betonte Reithofer, die meistverkaufte europäische Premium-Marke in den USA bleiben. Im September wuchs der Absatz in den USA um 21 Prozent auf gut 18.000 Fahrzeuge. Seit Beginn des Jahres verkaufte BMW über 157.000 Fahrzeuge in den USA, das waren neun Prozent mehr als in den ersten neun Monaten des Krisenjahres 2009.

Durch den Ausbau des Spartanburg-Werkes kann dort neben den Geländewagen X5 und X6 ab sofort auch der kleinere Geländewagen X3 vom Band rollen. Die Produktionskapazität wird bis 2011 von ursprünglich 160.000 auf 240.000 Einheiten pro Jahr steigen.

Und das wird wohl nicht das Ende der Fahnenstange sein. Bislang stieß das Werk bei 1000 produzierten Fahrzeugen pro Tag an seine Grenzen, mit der Erweiterung komme das Werk deutlich über dieser Grenze, heißt es in Spartanburg. Damit könne schon in wenigen Jahren die Grenze von 300.000 Fahrzeugen geknackt werden, vorausgesetzt natürlich, die Autokonjunktur spiele mit.

Produktionsverlagerung in die USA?

BMW rechnet nicht damit, dass sich der US-Markt schnell erholt und das Vorkrisenniveau von 17 Millionen verkauften Fahrzeugen auf absehbare Zeit wieder erreichen wird. Dennoch gehen die Konzernstrategen von einem moderaten und konstanten Wachstum aus. Sollte dies eintreten, sagte Reithofer, könne er sich „vorstellen, dass ein weiteres Modell in Spartanburg gefertigt wird.“

Laut BMW-Produktionsvorstand Frank-Peter Arndt käme dafür nur eines der stückzahlstarken Baureihen in Betracht. Das sind in den USA vor allem die 3er- und der 5er-Baureihen. Das dürfte die BMW-Werke in Regensburg, Leipzig und im südafrikanischen Rosslyn aufhorchen lassen. Steht schon bald eine Produktionsverlagerung in die USA an?

Eine andere Befürchtung ist dagegen unbegründet: Dass einer derart aufgerüsteten Produktion in Spartanburg das Deponiegas ausgeht. Der angesammelte Müll der vergangenen Jahrzehnte wird noch an die 30 Jahre Methan liefern. Und jeden Tag – da sind die einwegverliebten Amerikaner zuverlässig – kommt neuer Müll tonnenweise hinzu.

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