Bochumer Werksschließung: Nokia nach Protesten zu Gesprächen bereit

Bochumer Werksschließung: Nokia nach Protesten zu Gesprächen bereit

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Ein Verbotsschild vor dem Nokia-Werk in Bochum.

Die Boykottaufrufe und Politikerproteste zeigen Wirkung bei Nokia: Am Wochenende sollen erste Gespräche zwischen Vertretern des finnischen Mobilfunkkonzerns und der deutschen Regierung stattfinden. Zur Diskussion steht die geplante Schließung der Bochumer Handyfertigung. Viel Bedeutung misst der Konzern den Gesprächen aber nicht bei.

Die 2.300 Bochumer Nokia-Mitarbeiter schwanken zwischen Hoffen und Bangen. Zwar sollen noch in dieser Woche erste Gespräche zwischen dem finnischen Mobilfunkkonzern und deutschen Regierungsvertretern über eine Rettung des von Stilllegung bedrohten Handy-Werks stattfinden, doch große Bedeutung misst der Konzern ihnen offenbar nicht bei.

„Der Nokia-Konzernvorstand in Finnland hat kurz vor Weihnachten entschieden, das Bochumer Werk zu schließen. Ich sehe keinen Spielraum, von dieser Entscheidung abzurücken“, zitierte die „Bild“-Zeitung von heute den Deutschland-Chef des Unternehmens, Klaus Goll.

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Geringe Kompromissbereitschaft bei Nokia

Bereits in den kommenden Tagen werden nach Angaben aus Berliner Regierungskreisen der Parlamentarische Staatssekretär Hartmut Schauerte und die Düsseldorfer Wirtschaftsministerin Christa Thoben mit hochrangigen Nokia-Managern zusammentreffen, um über Rettungschancen für das Unternehmen zu reden.

Schauerte sagte im Deutschlandradio: „Wir arbeiten sehr intensiv an der Auslotung aller Möglichkeiten und geben vorschnell keine Möglichkeit auf.“ Doch scheint die Bereitschaft des Weltmarktführers zu Kompromissen gering

Nokia-Unternehmenssprecherin Arja Suominen sagte gestern: „Unsere Entscheidung basiert auf Fakten und ist nach sehr gründlichen Erwägungen getroffen worden.“ Der Konzern wolle jetzt schnellstmöglich mit den Beschäftigten über die Einzelheiten der Stilllegung verhandeln.

Die Sprecherin betonte, das Unternehmen sei natürlich zu Gesprächen mit Arbeitnehmervertretern und Politikern bereit. Es habe auch bereits Kontakte mit der deutschen Bundesregierung und der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen gegeben. Doch habe dies nicht zu einer Änderung der Pläne geführt.

Weiterführung des Werks unwahrscheinlich

Mit ihrer Erklärung dämpfte die Nokia-Sprecherin Hoffnungen auf einen Erhalt des Werkes, die in Bochum durch den Einsatz der Landesregierung und zahlreicher Bundespolitiker geweckt worden waren. Dennoch sollen noch in dieser Woche erste Gespräche zwischen dem Konzern und Vertretern der Bundesregierung sowie der Düsseldorfer Landesregierung stattfinden. An ihnen würden von deutscher Seite der Parlamentarische Staatssekretär Hartmut Schauerte und die Düsseldorfer Wirtschaftsministerin Christa Thoben teilnehmen, hieß es in Berliner Regierungskreisen.

Nokia soll laut „Financial Times Deutschland“ vom Aufsichtsratschef von Nokia Deutschland, Veli Sundbäck vertreten werden. Auch Mitglieder des Betriebsrats seien eingeladen.

NRW will 41 Millionen Euro Förderungen von Nokia zurück

 Nordrhein-Westfalen hat nach Angaben von Wirtschaftsministerin Christa Thoben Erkenntnisse, dass Nokia gegen Beschäftigungszusagen verstoßen haben könnte. Das Land könnte von dem Handy-Hersteller Fördermittel von bis zu 40,8 Millionen Euro zurückfordern, sagte die CDU-Politikerin heute in Bochum. Die Subventionen seien an die Zusage gebunden gewesen, dass in dem Bochumer Werk 2800 Menschen beschäftigt würden, erläuterte Thoben.

Betriebsrat verzichtet vorerst auf Streiks

Der Betriebsrat des Bochumer Nokia-Werks kündigte unterdessen an, er wolle vorerst auf Arbeitsniederlegungen verzichten. „Wir haben uns selber verpflichtet, kooperativ mitzuarbeiten“, sagte die Erste Bevollmächtigte der IG Metall, Ulrike Kleinebrahm.

Der erste und wichtigste Schritt sei es jetzt, einen ersten Gesprächstermin mit der Nokia-Führung in Finnland zu vereinbaren. Solange Gespräche möglich seien, seien auch keine Arbeitsniederlegungen im Werk geplant. „Wir wollen um den Standort kämpfen und nutzen jede Chance, so klein sie auch sein mag“, sagte die Gewerkschafterin

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers sagte im „heute journal“ des ZDF, die Landesregierung, die Stadt Bochum und der Betriebsrat würden in den nächsten Tagen eng zusammenarbeiten. Ziel sei es, der Nokia-Geschäftsleitung Veränderungen für das Werk in Bochum vorzuschlagen, um das Niveau der Herstellungskosten auf das in Ungarn übliche Maß zu senken. Dafür seien Veränderungen im Betrieb, bei der Produktion und bei der Arbeitsweise der Mitarbeiter notwendig.

Die Nokia-Sprecherin erklärte allerdings, sie wolle über die Aussichten derartiger Pläne nicht spekulieren. Nokia hatte seine Stilllegungsentscheidung damit begründet, dass der Standort Bochum im internationalen Vergleich nicht mehr wettbewerbsfähig sei.

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